WM-Qualifikation
Das Wunder von Rom? Diese fünf Schweizer Nati-Spieler sind nach den vielen Ausfällen nun besonders gefordert

Die Schweiz fordert in der WM-Qualifikation den Favoriten Italien heraus. Captain Xhaka, Embolo, Elvedi, Seferovic, Zuber und Fassnacht fehlen. Das ist ein Problem – wer muss nun Verantwortung übernehmen? Und wie qualifiziert sich die Schweiz für die WM? Lesen Sie unsere Übersicht.

Etienne Wuillemin
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Fabian Schär, Verteidiger

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

180. Diese Zahl verheisst nichts Gutes. 180, das sind die Spielminuten, die Fabian Schär in dieser Saison bei Newcastle United in der Premier League absolvieren durfte. Das ist nicht viel. Viel zu wenig jedenfalls, um für die Nationalmannschaft eine tragende Kraft zu sein. Doch die Dienste von Schär sind gefordert. In Litauen ersetzte er Manuel Akanji. Jetzt in Italien fehlt Nico Elvedi verletzt. Und darum wird Schär erneut zum Einsatz kommen.

In gut einem Monat wird Schär 30 Jahre alt. Er hat in seinem Fussballerleben viel erlebt. Die jüngsten Unruhen bei Newcastle passen zu diesem Bild. Nach der Übernahme durch ein saudiarabisches Konsortium ist Newcastle plötzlich der reichste Klub der Welt. Fraglich, ob da für Schär auch in der nächsten Saison noch Platz ist.

Doch solche Überlegungen haben derzeit nicht Priorität. Die Frage lautet: Gelingt es Schär wieder einmal, auf den Punkt eine grosse Leistung abzuliefern? Er hat in seiner Karriere mehrfach bewiesen, dass er in der Nati seine Leistung bringt, auch wenn es im Verein gerade nicht so gut läuft. Selten war das wichtiger als heute Abend ab 20:45 Uhr im Olimpico von Rom.

Denis Zakaria & Remo Freuler, Mittelfeldspieler

Es war Ende August, als Granit Xhaka gut gelaunt in Basel auftauchte. Murat Yakin erlebte gerade seinen ersten echten Tag als Nationaltrainer. Xhaka posierte für Fans, er trainierte, er sprach einige Worte. Der Captain der Schweizer Nationalmannschaft war stolz, am Wochenende darauf sollte gegen Italien sein 100. Länderspiel anstehen. Es kam nicht soweit.

Xhaka infizierte sich mit Corona. Mit ziemlicher Sicherheit wäre das nicht passiert, wenn er sich hätte impfen lassen. Isolation zu Hause anstatt Fussball spielen gegen Griechenland und Italien. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

Ian Kington / IKIMAGES

Drei Wochen später scheidet er in seinem ersten Spiel nach überstandener Sperre und Corona-Absenz verletzt aus. Bei einem Zusammenprall mit Tottenhams Lucas Moura zieht er sich einen Innenbandriss zu. Drei Monate Pause. Das Aus für die restlichen Länderspiele des Jahres.

Denis Zakaria.

Denis Zakaria.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Gegen Nordirland und Litauen gelingen der Nati zwei problemlose Siege. Und jetzt? Vermutlich ist es nicht ganz falsch zu behaupten: Das Schweizer Schicksal liegt in den Händen von Denis Zakaria und Remo Freuler. Die beiden werden zentral vor der Abwehr spielen. Und es liegt massgeblich an ihnen, die Kreise des italienischen Mittelfelds einzuschränken.

Dass sie das können, ja, das darf man sich erhoffen. Sowohl Zakaria wie auch Freuler sind gut in Form. Bei Borussia Mönchengladbach und Atalanta Bergamo führen sie in der bisherigen Saison tragende Rollen aus.

Remo Freuler.

Remo Freuler.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Bei Zakaria ist das gewiss etwas überraschender als bei Freuler, der in Bergamo seit Jahren konstant überzeugt. Zakaria dagegen hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Er brauchte nach einer langwierigen Knieverletzung Zeit, um sich wieder zurechtzufinden. Doch nun ist sein Selbstvertrauen der besten Tage zurück. Ja, er weckt sogar wieder Fantasien auf dem Transfermarkt, sein Vertrag läuft im kommenden Sommer aus. Und spielt er so weiter, kann man sich ihn gut vorstellen bei einem Spitzenklub. Fürs erste würde es indes reichen, im Nationalteam endlich einmal so richtig zu überzeugen.

Mario Gavranovic & Noah Okafor, Stürmer

Der Ausfall von Breel Embolo hat Trainer Murat Yakin so sehr geschmerzt wie kein anderer zuvor. Embolo war zuletzt in Hochform, er zeigte das sowohl in der Nati wie auch bei Mönchengladbach. Im letzten Spiel vor dem Nati-Zusammenzug verletzte er sich abermals am Oberschenkel.

Weil auch Haris Seferovic ausfällt, muss Yakin improvisieren. Eine Variante wäre, Mario Gavranovic als einzigen Stürmer aufzustellen. Der 31-Jährige ist eigentlich gut in Form, hat zuletzt regelmässig auch für die Nati getroffen - jedoch eher als Joker. Zudem ist auch Gavranovic angeschlagen. Am letzten Sonntag musste er mit Kayserispor frühzeitig ausgewechselt werden nach einem Schlag auf den Fuss. Darum konnte er erst ab Mittwoch trainieren.

Das 3:3 im EM-Achtelfinal gegen Frankreich war sein wichtigstes Tor für die Nati: Mario Gavranovic.

Das 3:3 im EM-Achtelfinal gegen Frankreich war sein wichtigstes Tor für die Nati: Mario Gavranovic.

Marko Djurica / Pool / EPA

Deshalb ist es auch möglich, dass die grosse Stunde von Noah Okafor gekommen ist. Der 21-Jährige Stürmer hat bei Salzburg einen wunderbaren Herbst hinter sich. In 20 Partien traf er bereits neun Mal. In der Champions League gelang ihm gegen Wolfsburg ein Doppelpack - das hat zuvor kein Schweizer geschafft!

Yakin hat sich in seiner Karriere selten davor gescheut, mutige Entscheidungen zu treffen. Einen jungen Spieler einfach mal ins kalte Wasser zu werfen. Möglich, dass er es auch heute tut. Wie auch immer er sich entscheidet, klar ist: Die Aufgabe, Embolo zu ersetzen, ist ziemlich anspruchsvoll.

Gute Laune nach einem prächtigen Herbst: Noah Okafor.

Gute Laune nach einem prächtigen Herbst: Noah Okafor.

Samuel Golay / KEYSTONE/TI-PRESS

Modus und Ausgangslage

Italien-Schweiz (20:45 Uhr in Rom) ist aller Voraussicht nach die vorentscheidende Partie um Rang 1 in der Gruppe C. Nur der Erste qualifziert sich direkt für die WM in Katar. Rang 2 berechtigt zur Barrage im März 2022. Um sich doch noch für die WM zu qualifizieren, braucht es dabei zwei Siege, im Halbfinal und Final, jeweils ohne Rückspiel.

Restprogramm:
Italien- Schweiz (Freitag, 20:45 Uhr)
Schweiz - Bulgarien (Montag, 20:45 Uhr)
Nordirland - Italien (Montag, 20:45 Uhr)

Wie sieht die Ausgangslage nach Italien-Schweiz aus?

  • Sieg Italien: Die Schweiz würde mit ziemlicher Sicherheit die Barrage bestreiten. Einzige Ausnahme: Italien verliert am Montag in Nordirland und die Schweiz besiegt Bulgarien so hoch, dass sie auch die bessere Tordifferenz als Italien aufweist.
  • Sieg Schweiz: Gewinnt die Nati in Italien tatsächlich, braucht sie am kommenden Montag gegen Bulgarien noch einen Punkt, um sich als Gruppensieger direkt für die WM zu qualifizierten.
  • Unentschieden: Italien bleibt an der Tabellenspitze, trotz gleicher Anzahl Punkte. Nun muss die Schweiz in der letzten Runde Bulgarien um mindestens zwei Tore höher besiegen als Italien Nordirland.

Was passiert, wenn am Ende Italien und die Schweiz gleich viele Punkte und die gleiche Tordifferenz haben?

  • Dann zählt zuerst die direkte Begegnung. Falls es zwei Unentschieden gab, gilt die Auswärtstorregel. Beispiel: Endet das Spiel heute Abend 1:1 (oder 2:2, 3:3, etc.), ist die Schweiz nach dem 0:0 aus dem Hinspiel im Vorteil.
  • Ist auch die direkte Begegnung unentschieden (also falls es erneut ein 0:0 gibt), entscheidet die Fairplay-Wertung: Für jede gelbe Karte erhält ein Team Minus 1 Punkt, für eine gelb-rote Karte Minus 3 Punkte, für eine direkte rote Karte Minus 4 Punkte. Derzeit steht es in dieser Rangliste - oh Wunder! - unentschieden. Sowohl Italien wie auch die Schweiz haben in den bisherigen Spielen zusammengezählt jeweils acht gelbe Karten erhalten.
  • Ist am Ende auch die Fairplay-Wertung unentschieden, entscheidet das Los.

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