Wintersport
Nidwaldner Snowboarderin Jessica Keiser startet in die neue Saison: «Ich will Weltspitze sein»

Die Nidwaldner Snowboarderin Jessica Keiser (26) beginnt die neue Saison beim Parallel-Riesenslalom in Italien mit einer neuen Brettmarke und grossen Ambitionen. Ihr neues Board ist eine Rückkehr zu ihren Anfängen.

Stephan Santschi
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Jessica Keiser auf dem Snowboard.

Jessica Keiser auf dem Snowboard.

Bild: Stephan Bögli

Morgen Samstag geht es wieder los, in Cortina d’Ampezzo steht mit dem Parallel-Riesenslalom das erste Weltcup-Rennen im alpinen Snowboard auf dem Programm. Mit dabei ist auch die Nidwaldnerin Jessica Keiser, die in der zweiten Saison als A-Kader-Mitglied von Swiss-Ski an den Start gehen wird. «Jedes Rennen ist nach solch einem Jahr ein Highlight, ich freue mich sehr», sagt die 26-Jährige aus Oberdorf. Und mit Blick auf die Ungewissheit wegen des Coronavirus fügt sie zuversichtlich an:

«Die Gesundheit steht an erster Stelle. Doch der Skizirkus macht vor, dass es geht.»

Bereits Mitte Oktober feierte der alpine Ski-Weltcup bekanntlich seinen Startschuss in Sölden.

Jessica Keiser, die im vergangenen Jahr die Gesamtwertung des Europacups gewann und 2020 im Weltcup erstmals in die Top 20 vorstiess, möchte in ihrer Karriere den nächsten Schritt nach oben machen. Die Zeit im Frühjahr und im Sommer nutzte sie für physische Fortschritte und die Optimierung des Materials. Konkret: «Ich stärkte das Gesamtpaket aus Bein- und Rumpfmuskulatur, der Krafttest ergab Bestwerte.» Und: «Ich wechselte die Brettmarke, neu fahre ich auf Oxess. Es ist eine Rückkehr, denn von diesem Hersteller stammt mein erstes Snowboard, das ich einst von meiner Mutter zu Weihnachten erhalten habe.»

Die Oberdorferin will hoch hinaus.

Die Oberdorferin will hoch hinaus.

Bild: Shaun Blow

Erstaunliche Ergebnisse in den ersten Schneetests

Das Engagement bei Oxess aus Bubikon ZH sei ihr nicht leichtgefallen, mit ihrem vorherigen Ausrüster SG Snowboards aus Österreich war sie zufrieden, «ich würde nie ein schlechtes Wort über ihn verlieren», betont Jessica Keiser. Eine Spitzenathletin ist aber stets auf der Suche nach Puzzleteilen, die ein noch stimmigeres Gesamtbild zeichnen. Und so nahm sie den Input ihres Trainers, neue Bretter zu testen, gerne an. Was zähle, sei schliesslich die Zeit – und diesbezüglich ergaben bereits die Schneetrainings im Mai in Crans-Montana erstaunliche Ergebnisse. «Wenn ich auf Anhieb mit einem neuen Brett genauso schnell oder sogar schneller unterwegs bin, was ist dann erst möglich, wenn ich mich daran gewöhnt habe?»

Schneller werden, besser sein – die stets positiv wirkende Leistungssportlerin sieht ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. «Wenn alles zusammenpasst, glaube ich schon, dass ich vorne mitmischen kann. Ich will Weltspitze sein.» Für die bevorstehende Saison definiert Keiser ihr Ziel mit dem erstmaligen Vorstoss in die Top 16, also in den Final eines Rennens, «auch ein Platz unter den ersten Zehn wäre eine coole Sache», merkt sie schmunzelnd an. Bisher steht der 17. Rang von Mitte Januar 2020 in Scuol für ihr Bestergebnis im Weltcup.

Und dann wäre da die Aussicht auf die Premiere an einer Weltmeisterschaft, welche im Februar 2021 im chinesischen Zhangjiakou stattfinden sollte. Wegen des Coronavirus ist sie letzte Woche allerdings abgesagt worden, im Gespräch ist nun ein Ersatz-Austragungsort, Österreich zum Beispiel. «Die WM-Teilnahme ist ganz klar mein Ziel», sagt Keiser, zu viel will sie über dieses mögliche Highlight aber nicht nachdenken, schliesslich könne sich bis dahin noch vieles ändern.

«In dieser Saison heisst es, flexibel zu bleiben.»

Als Selektionsrichtlinie für die WM gilt ein Platz in den Top 12 oder zwei Plätze in den Top 16 bei Weltcup-Rennen. «Wenn ich meinen Job mache, verdiene ich mir den Startplatz, sonst nicht – so rational muss ich denken.»

Trainings mit GPS

Die Möglichkeit, an sich zu arbeiten, könnte jedenfalls kaum besser sein. In der Pro-Alpin-Trainingsgruppe von Swiss-Ski verfügt Jessica Keiser mit Olympiasiegerin Patrizia Kummer, Weltmeisterin Julie Zogg und der WM-Dritten Ladina Jenny über viel interne Konkurrenz. «Was machen sie, was ich noch nicht mache? Ich bin das Küken, von ihnen kann ich viel lernen», berichtet die Nidwaldnerin. Neuerdings werde mit GPS trainiert, was interessante Informationen über ihr Fahrverhalten zu Tage fördere. «Wenn ich nach drei Toren bereits 0,25nSekunden verloren habe, ist das etwas viel. Dann zeigt sich, dass ich einen Schwenker drin hatte, wo andere direkt fuhren. Oder dass ich schon am ersten Tor gebremst habe.»

Nun geht es darum, die Fortschritte im Wettkampf aufs Brett zu bringen. Die erste Gelegenheit dazu bietet sich am Samstag, in Cortina d’Ampezzo.

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