Euro 2020
Wie Phönix aus der Asche: Italien ist nach dem Penalty-Drama gegen England Europameister

Italien holt sich im Penaltyschiessen einen 3:2-Sieg gegen England und damit den EM-Titel. Es ist eine Wiederauferstehung, nachdem das Land vor drei Jahren am fussballerischen Boden angekommen war.

Céline Feller
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Nach Sakas Fehlversuch im Penaltyschiessen liegen sich die Italiener (blau) in den Armen.

Nach Sakas Fehlversuch im Penaltyschiessen liegen sich die Italiener (blau) in den Armen.

Bild: Andy Rain/AP (London, 11. Juli 2031)

Es ist der 13. November 2017. Italiens Fussball liegt am Boden. Die stolze Nation, sie ist gebrochen. Weil die Italiener im Playoff-Rückspiel gegen Schweden nicht über ein 0:0 hinaus kommen, verpassen sie die WM 2018. Erstmals seit 60 Jahren fehlt der Weltmeister von 2006 an einer WM. Und ein ganzes Land fragt sich, wie das hatte passieren können. Die Verantwortlichen aber ziehen rasch Konsequenzen. Die richtigen. Sie setzen Roberto Mancini als Trainer ihrer Nationalmannschaft ein.

Und er, der als Spieler als «Maestro» bezeichnet wurde, zaubert eine neue Einheit daher. Er schafft es, den italienischen Fussball wieder her zu richten. Er schafft es, dass Italien wie Phönix aus der Asche steigt. Vom tiefsten Tiefpunkt der jüngsten Fussballhistorie des Landes führt er sie zum höchsten Höhepunkt. Zum Sieger dieser EM. Mit dem 3:2 nach Penaltyschiessen über England ist er Realität. Der erst zweite Triumph überhaupt an einer EM für Italien nach dem Titelgewinn 1968. Weil England die Nerven versagen, drei Mal verschiesst. Und Gianluigi Donnarumma den entscheidenden Elfer von Bukayo Saka hält.

Shaws historischer Treffer zur 1:0-Führung

Dabei sah es sehr früh ganz schlecht aus für Italien. 1 Minute und 57 Sekunden benötigt Luke Shaw nur, um die Engländer zum 1:0 zu schiessen. Es ist das schnellste Tor, das je in einem EM-Final erzielt wurde. Und wie. Shaw leitet die Aktion selber ein, passt den Ball zu Harry Kane, der verlagert das Spielgeschehen auf die rechte Seite zu Kieran Trippier. Dieser wiederum flankt perfekt auf die andere Strafraumseite, wo Shaw den Ball mittels Dropkick verwandelt. Der rechte Aussenläufer auf den linken Aussenläufer – der taktische Kniff von Trainer Gareth Southgate geht auf.

Die Engländer nämlich, sie stellen für den Final erneut auf eine Fünferkette im Spiel gegen den Ball um. Die Italiener, sie scheinen überrascht. Sie brauchen 35 Minuten, bis sie eine gefährliche Aktion verzeichnen können. Federico Chiesas Ball jedoch zieht ein paar Meter neben dem Tor durch. Es ist eine Phase, in der ein anfangs erschreckend schwaches Italien langsam in die Partie zu finden scheint. Lange finden sie den Tritt aber nicht. Bezeichnend für die Probleme der Italiener: Dem englischen 1:0 ging ein Eckball Italiens voraus.

Nach der Pause verschieben sich die Kräfteverhältnisse mehr und mehr. Der Ball ist immer öfter in Besitz Italiens, zwingend wird es dann in der 66. Minute. Marco Verrattis Ball wird nach einem Durcheinander im Strafraum von Jordan Pickford erst noch an den Pfosten gelenkt, springt jedoch zurück zur Mitte, wo Leonardo Bonucci steht und ausgleichen kann. Danach wird Italien so erdrückend wie es England zu Beginn war.

Southgate sieht sich zur Umstellung auf eine Viererkette gezwungen, weil sein Pendant ein Mittel gegen seine Idee gefunden hat. Dennoch schaffen es die Three Lions in die Verlängerung. Letztere ist geprägt von Zweikämpfen und wenig Spielfluss. Die grösste Chance gehört Federico Bernardeschis von Juventus Turin, dessen Freistoss Pickford nur mit Mühe kontrollieren kann.

Rashford und Sancho ohne Ballberührung

Anschliessend wollen beide Teams den Gang ins Penaltyschiessen. Diesen müssen sie dann auch gehen. Mit dem besseren Ende für Italien. Weil Coach Southgate mit Marcus Rashford und der 21-jährige Jadon Sancho zwar zwei sichere Penaltyschützen bringt, so spät jedoch, dass ihnen ohne vorige Ballberührung im Spiel im Penaltyschiessen wie auch Saka die Nerven versagen. Die Italiener hingegen sind im 34. Spiel in Serie ungeschlagen. Sie sind ihrer Favoritenrolle gerecht geworden.

Und der Phönix, er fliegt jetzt so hoch wie es nur überhaupt möglich ist.

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