Eishockey
Wenn teure Stars ihr Geld wert sind – Denis Hollenstein, Sven Andrighetto und Denis Malgin schiessen den ZSC in den Halbfinal

Die ZSC Lions siegen gegen Biel in Spiel sieben 3:1 – nun folgt der Halbfinal gegen Fribourg.

Klaus Zaugg
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Die Tore des Spiels

Video: TV 24 / Mysports

Also doch: Spiel sieben ist, wenn Biel verliert und die ZSC Lions gewinnen. Die Zürcher rücken nach einem 3:1 im entscheidenden Spiel in den Halbfinal gegen Gottéron ein. Die Hockeygeschichte im Hallenstadion ist noch nicht zu Ende.

Gerne wird die alte Weisheit zitiert, wonach die Offensive Spiele, die Defensive aber Meisterschaften (oder Playoff-Serien) entscheidet. Diese Weisheit ist falsch. Sie muss lauten: Die Offensive, die selbst die stärkste Defensive zu überwinden vermag, gewinnt eine Playoffserie. So ist es jedenfalls in diesem Drama über sieben Akte zwischen den ZSC Lions und Biel. Die Bieler sind charmante taktische Schablonisten: Die läuferische und spielerische Brillanz täuscht oft darüber hinweg, wie gut die Defensive nach finnischem Rezept über alle drei Zonen organisiert ist. Eine gute Abwehr ist zwar unerlässlich, aber sie hilft gegen dieses Biel nicht weiter: Entscheidend war am Samstag in Biel und gestern im Hallenstadion nicht die Fähigkeit, möglichst keine Tore zuzulassen. Sondern die Kunst, Biels Verteidigung zu knacken. Zwei, die dafür bezahlt sind, Tore dann zu erzielen, wenn es zählt – und nicht bei offensiven Folkloreveranstaltungen gegen Langnau oder Ajoie – haben die ZSC Lions in den Halbfinal getragen: Denis Hollenstein mit seinen zwei Treffern am Samstag in Biel, Sven Andrighetto gestern mit seinem erlösenden 1:0 und Denis Malgin in Unterzahl (!) zur endgültigen Entscheidung.

Sein 2:0 ist der statistische Siegestreffer. Es nützt die beste Abwehr nichts, wenn vorne niemand die Tore erzielt. Denis Hollenstein, Sven Andrighetto und Denis Malgin – wenn teure Stars ihr Geld wert sind. Nun treten die ZSC Lions am Freitag in Fribourg zum ersten Spiel im Halbfinal an. Die Chancen auf den Final stehen mindestens 50:50.

Der Zürcher Denis Malgin freut sich über den Siegestreffer.

Der Zürcher Denis Malgin freut sich über den Siegestreffer.

Bild: Walter Bieri / KEYSTONE

Für Biel ist es eine weitere bittere Enttäuschung. Wie 2019 im Halbfinal gegen den SC Bern haben sie auf eigenem Eis im sechsten Spiel die Entscheidung verpasst und anschliessend die siebte Partie verloren. Einen Sündenbock gibt es nicht. Die Bieler haben fast ein Maximum aus ihren Möglichkeiten gemacht. Aber eben nur fast. Und deshalb hat es nicht gereicht: Wenn Damien Brunner, Luca Cunti, Mike Künzle, Gaëtan Haas, Michael Hügli und Toni Rajala in den letzten zwei Spielen nur zweimal treffen, dann verkommt alle kluge defensive Mühsal zur brotlosen Kunst. Biel hat diesen dramatischen Final in der Offensive verloren. Für Brunner gibt es wenigstens einen Trostpreis: Er ist weiterhin der beste und teuerste Stürmer unserer Hockeygeschichte, der noch nie Meister geworden ist. Nicht mit Zug, nicht mit Lugano und noch immer nicht mit Biel. Wer noch nie Meister war, hat wenigstens im Sommer etwas, wovon es sich zu träumen lohnt.