Beachvolleyball

Wenn ein Puls über 140 plötzlich nicht mehr zur Normalität gehört: Tanja Hüberli ist nach erlittener Lungenembolie zurück im Sand

Tanja Hüberli ist wieder dort, wo sie sich wohl fühlt: Im Sand im Beachcenter in Bern.

Tanja Hüberli ist wieder dort, wo sie sich wohl fühlt: Im Sand im Beachcenter in Bern.

Beachvolleyballerin Tanja Hüberli ist nach überstandener Lungenembolie zurück im Training und sagt, welche Probleme sich ihr stellten. Dabei versprüht sie Positivität und beweist viel Bodenständigkeit.

Die Temperaturen sind mit rund zehn Grad wenig sommerlich an diesem Nachmittag. Der Sommer und damit auch die Olympischen Spiele sind momentan noch weit weg. Aber: Im Berner Weissenbühl-Quartier scheint die Sonne. Und das passt zur aktuellen Situation von Tanja Hüberli, die dort im Beachcenter blockt und smasht. Die 27-Jährige hat vor Weihnachten eine Lungenembolie erlitten, diese aber gut überstanden. Dank eines operativen Eingriffs kann sie bereits wieder ohne Einschränkungen trainieren.

Die Lungenembolie betrachtet Hüberli als Herausforderung

«Es geht mir sehr gut, ich habe mich vergleichsweise schnell erholt», sagt sie. Es gebe Tage, an denen ihr eine Einheit schwerer falle, aber sie sei dankbar, dass sie überhaupt schon wieder trainieren könne. Der Verführung, sich in der Aufbauphase selbst zu bemitleiden, widersteht sie. «Ich bin ein positiver Mensch, der fröhlich durch das Leben geht.» Sie hadert nicht mit der Lungenembolie, betrachtet sie eher als Herausforderung. Dennoch: Der Wiedereinstieg in den Trainingsbetrieb Mitte Januar fällt ihr nicht leicht. Sie sagt:

Dies deshalb, weil sie sich bis dahin gewohnt war, den Puls nicht über 140 schnellen zu lassen. Nach und nach kommt sie wieder in den Rhythmus des Trainingsalltags.

2020 ist ein Olympia-Jahr. Deshalb steht anfangs Februar auch ein zweiwöchiges Trainingslager in Rio de Janeiro auf dem Programm. Für Hüberli kommt diese Reise nach der Embolie noch zu früh. Sie verzichtet auf die Reisestrapazen und die extremen Wetterbedingungen wie beispielweise die hohe Luftfeuchtigkeit. Sie trainiert derweil in Bern mit Dunja Gerson. Dass Partnerin Nina Betschart in Brasilien übt und sie in der Schweiz, sei indes kein Problem. «Wir arbeiten beide individuell an unseren eigenen Baustellen.» Und doch spürt Hüberli, dass ihre Partnerin nicht zugegen ist: «Ich vermisse sie.» Immerhin kann sie lachen, wenn sie diesen Satz ausspricht.

Das Duo hat kein eigenes Management

Ein halbes Jahr verbleibt bis zu den Olympischen Spielen, dem Saisonhöhepunkt. Eine lange Zeit – und trotzdem fragt man sich, wie weit die Embolie das Schweizer Duo im Fahrplan zurückgeworfen hat. «Ich kann die Auswirkungen nicht abschätzen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns in Tokio in Topform präsentieren werden.» Dafür habe sie natürlich keine Garantie, das sei ihr klar. Doch seit die Schwyzerin zurück im Sand ist, sei sie positiv überrascht, wie die Dinge verlaufen.

Tanja Hüberli (rechts) ist zufrieden mit dem Heilungsverlauf nach ihrer Lungenembolie.

Tanja Hüberli (rechts) ist zufrieden mit dem Heilungsverlauf nach ihrer Lungenembolie.

Kein Mega-Talent, schnell verunsichert

Wenn sie spricht, macht Hüberli einen reflektierten, bodenständigen Eindruck. Dieser Eindruck wird beispielsweise dadurch untermauert, wenn sie erzählt, dass das Duo kein eigenes Management hat und die Sponsorensuche selbst regelt. Zudem bezahlt sie mehrere Zehntausend Franken pro Saison für Trainingslager, Flüge, Unterkünfte und Athletiktrainer aus der eigenen Tasche.

Das Reflektierte spiegelt sich aber auch darin wider, dass Hüberli ihre Schwächen kennt. Seit letztem Jahr hat sie privat einen Mentalcoach. «Ich war nie eine, die mit sehr viel Selbstvertrauen auf dem Feld gestanden ist, wurde recht schnell unsicher.» Sie galt nie als Mega-Talent, musste sich alles hart erarbeiten. Auch jetzt – Hüberli/Betschart sind das bestklassierte europäische Duo – sei ihr das teilweise zu wenig bewusst, wie weit sie eigentlich ist. Sie sagt:

Tokio ist weit weg, ein gutes Resultat im Hinterkopf

Tanja Hüberli ist wohl auch deshalb nicht erpicht darauf, sich als Privatperson in jeder Zeitung zu präsentieren. Und das, obwohl dazu reichlich Potenzial bestünde: Sie ist mit dem Schweizer Skifahrer Ramon Zenhäusern zusammen.

Am Ende des Gesprächs steht Hüberli auf, bedankt sich für den – wohlgemerkt von uns initiierten – Besuch und wünscht uns alles Gute. Es ist der nächste Beleg für ihre Bodenständigkeit. Die Olympischen Spiele sind zwar noch weit weg. Auch wenn sie es nicht ausgesprochen hat, dürfte es das Ziel von Hüberli sein, in Tokio gut abzuschneiden, vielleicht sogar abheben. Welcher Sportler will das schon nicht? Was garantiert auch im Falle eines möglichen Erfolges am Grossanlass bliebe, ist ihre Bodenständigkeit.

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