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Erst der Zusammenschiss, dann die Erlösung: Wie Daniel Yule im Slalom von Wengen Skigeschichte schrieb

Daniel Yule fährt als erster Schweizer seit 23 Jahren in einem Slalom in Wengen auf das Podest – und wird zum Durststrecken-Beender. Doch zuvor musste ihm ein Teamkollege noch die Leviten lesen.

Martin Probst
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Daniel Yule spürt die Erlösung nach seinem Podestplatz im Slalom von Wengen.

Daniel Yule spürt die Erlösung nach seinem Podestplatz im Slalom von Wengen.

Bild: Marcel Bieri / EPA

Er hat es schon wieder getan: Daniel Yule beendet mit Platz zwei im Slalom von Wengen eine 23-jährige Schweizer Wartezeit. Am 17. Januar 1999 stand Michael von Grünigen als zuvor letzter Schweizer nach einem Slalom in Wengen auf dem Podest – ebenfalls auf Rang zwei klassiert.

Es ist nicht das erste Mal, dass Yule eine Durststrecke beendet. Ende 2018 gewann er als erster Schweizer nach elf Jahren und Marc Gini einen Slalom. Vor zwei Jahren siegte Yule in Adel­boden. Es war gleichzeitig der erste Schweizer Podestplatz im Slalom am Chuenisbärgli seit 13 Jahren und dem Sieg von Marc Berthod.

Ein vorläufiges Happy-End nach einer schwierigen Zeit

Berthod lag damals nach dem ersten Lauf nur auf Platz 27. Ein noch grösser Sprung nach vorne gelang gestern Lucas Braathen, der von Platz 29 zum Wengen-Sieg fuhr. Der Norweger hat eine schwierige Zeit hinter sich, die vor einem Jahr in Adelboden begann.

Lucas Braathen.

Lucas Braathen.

Bild: Luciano Bisi / AP

Damals stürzte Braathen im Riesenslalom am Chuenisbärgli im Zielhang schwer. Von der Knieverletzung hat sich der 21-Jährige zwar inzwischen erholt, doch die mentalen Folgen spürt er noch. Vor einer Woche in Adelboden beendete er den Riesenslalom freiwillig eingangs Steilhang. Braathen fühlte sich psychisch nicht bereit, die Stelle zu meistern.

Auch Daniel Yule hat keine einfache Zeit hinter sich. «Es war nicht immer leicht in den vergangenen Monaten», sagt der 28-Jährige. Zum zuvor letzten Mal stand er vor fast zwei Jahren in Schladming auf dem Podest. Yule war damals der Leader im Slalomteam, gewann in jener Saison in Adelboden und Kitzbühel.

Die deutlichen Wort von Murisier

Doch dann ging plötzlich nicht mehr viel. Im vergangenen Winter war er nie besser als auf Rang sieben klassiert. Und Yule begann zu zweifeln und haderte auch Mal mit dem Material oder dem Set-up. Kurz: Der Walliser war verunsichert.

Und daran änderte sich auch in dieser Saison zuerst nicht viel. Zwar wurden Yules Resultate besser, trotzdem fühlte er sich nicht richtig gut, nicht selbstbewusst genug. Das spürte auch Justin Murisier. Yule sagt:

«Er hat mich am Tag vor dem Rennen in Wengen richtig ‹zusammengeschissen›. Wenn sich andere nicht trauen, sagt er die Wahrheit. Er hat mir so schon einmal geholfen, als er Klartext mit mir sprach, und ich am Tag darauf auf das Podest fuhr.»

Von den zehn Bestklassierten des ersten Laufs fielen gestern acht teils weit zurück oder sogar aus. So fädelte Halbzeit-Leader Henrik Kristoffersen mit klarer Bestzeit unterwegs kurz vor dem Ziel aus. Ramon Zenhäusern fiel von Zwischenrang vier auf den 15. Platz zurück.

Mit 37 Jahren noch einmal auf dem Slalompodest

Und so gehörten Yule, der als Achter ins Finale gestartet war, und Giuliano Razzoli, der von Rang neun aus auf das Podest fuhr, neben Braathen zu den Gewinnern des zweiten Laufs.

Für den 37-jährigen Razzoli war es der erste Podestplatz im Weltcup seit sechs Jahren, als er ebenfalls in Wengen Zweiter wurde. Der Italiener war 2010 in Vancouver Olympiasieger im Slalom geworden. Zufrieden mit seiner zweiten Fahrt durfte auch Loïc Meillard sein, der noch von Zwischenrang 20 auf den siebten Platz vorstiess.

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