Weltcupfinale Ski alpin
Deutliche Worte der Kritik von Lara Gut-Behrami und Marco Odermatt

Die letzten beiden Abfahrten der Weltcupsaison in Lenzerheide fielen wie befürchtet dem Wetter zum Opfer. Damit verlieren Marco Odermatt und Lara Gut-Behrami einen möglicherweise entscheidenden Trumpf im Kampf um den Gesamtweltcup.

Rainer Sommerhalder
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Beat Feuz (links) gewann gestern durch die Absage definitiv den Abfahrtsweltcup, Teamkollege Marco Odermatt (rechts) verlor vielleicht den Kampf um den Gesamtweltcup.

Beat Feuz (links) gewann gestern durch die Absage definitiv den Abfahrtsweltcup, Teamkollege Marco Odermatt (rechts) verlor vielleicht den Kampf um den Gesamtweltcup.

Keystone

Müsste man nicht das Programm des Weltcupfinals ändern und den Teamwettkampf am Freitag opfern? Oder die Veranstaltung ganz einfach um einen oder zwei Tage verlängern? Einen Schweizer Gesamtweltcupsieg würde man auch am Montag oder Dienstag noch mit Handkuss nehmen.

Die Meinungen dazu sind unterschiedlich. Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann sagt, er habe selber auch darauf hingearbeitet, dass die veranstaltende Nation der Abschlussrennen keine taktischen Spielchen machen könne. «Dass man das Programm am Weltcupfinal nicht herumschiebt, befürworte ich. Wieso man aber nicht auch am Montag oder Dienstag noch fahren könnte, weiss ich nicht. Das wäre sicherlich eine Überlegung wert.»

Alpinchef Walter Reusser gibt zu bedenken, dass eine klare Regelung, wie sie heute gilt, zu begrüssen sei. «Was passiert, wenn das Wetter auch an den Reservetagen nicht gut ist. Wie lange soll man warten?» Es gibt in dieser Frage mehr als einen Aspekt zu berücksichtigen.

Fünf Super-G, neun Slaloms

Die beiden direkt betroffenen Lara Gut-Behrami und Marco Odermatt wollen denn auch nicht das Reglement für den Final infrage stellen. Ihre Kritik richtet sich gegen das Weltcupprogramm insgesamt. Lara Gut-Behrami, die in den verbleibenden drei Rennen 96 Punkte auf die starke Slalomfahrerin Petra Vlhova aufholen müsste, sagt: «Es wäre nicht schlecht, wenn die FIS dafür sorgen würde, dass die Speedfahrerinnen gleich viele Rennen haben wie die Technikerinnen. Nächste Saison sind fünf Super-G und neun Slaloms geplant – fair ist anders.»

Und auch Marco Odermatt, im Gegensatz zur Teamkollegin nicht bekannt für laute Töne, ist in seiner Aussage klar: «Man muss überdenken, ob es richtig ist, dass in dieser Saison elf Slaloms und nur sechs Abfahrten stattfinden. Dieses Verhältnis stimmt sicherlich nicht ganz. Ich hoffe, dass es hier in Zukunft zu einer Änderung kommt, auch wenn man schon ziemlich lange darüber spricht.»

Viele Aspekte zu berücksichtigen

Fakt bleibt, dass die Ausarbeitung des Saisonprogramms für den Alpinen Skiweltcup eine hochpolitische Angelegenheit ist und daher viele Interessen mitspielen. Welche Nation erhält wie viele Rennen? Wer kann eine Abfahrt durchführen? Wer hat wann während des Winters am meisten Interesse, die Hotels mit dem Skizirkus zu füllen? Wer bekommt die Events am Wochenende?

Selbst der Schweizer Alpinchef Walter Reusser gibt zu, dass sein Ansatz, unter der Woche die technischen Disziplinen und am Wochenende die Speedrennen auszutragen, «auch schon innerhalb des eigenen Verbands auf Widerrede stösst».

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