Corona-Virus

Welche Mega-Events im Sport sind von der Krankheit bedroht? Fünf Antworten zu den drängendsten Fragen

Das Corona-Virus hält die Sportwelt in Atem. Am laufenden Band werden Wettkämpfe abgesagt oder verschoben. Doch welche Auswirkungen hat die Krankheit auf die grossen Highlights des Jahres? Fünf Erklärungen zu fünf brennende Fragen.

Kann die Eishockey-WM in der Schweiz durchgeführt werden?

Vom 8. bis zum 24. Mai soll in Zürich und Lausanne die Eishockey-Weltmeisterschaft ausgetragen werden. Zurzeit spielen die Organisatoren alle möglichen Szenarien durch. Wird die WM verschoben, findet sie ohne Fans statt oder wird sie gar komplett abgesagt? Janos Kick, Kommunikationsverantwortlicher des Turniers, erklärt auf Anfrage: «Aus heutiger Sicht ist die Durchführung der WM unverändert geplant.»

Auch OK-Präsident Gian Gilli sagte vor einigen Tagen gegenüber des Online-Mediums «Watson», dass die Fans ihre Reise an die WM ganz normal planen könnten. Wie viel davon Zweckoptimismus ist, um den Ticket-Vorverkauf nicht zu stören, bleibt Gillis Geheimnis. Das letzte Wort hat letztlich der Bundesrat, der darüber entscheidet, wie lange er am Verbot von Grossveranstaltungen festhalten wird. Einige Stimmen sagen, dass es fahrlässig wäre, die Weltmeisterschaft unter den derzeitigen Bedingungen durchzuführen.

Das OK versucht derweil, Normalität zu bewahren. Man arbeite mit Hochdruck und grosser Motivation daran, das Turnier vorzubereiten und stehe in ständigem Kontakt zu Partnern und Behörden, sagt Kick. Gegen eine mögliche Absage des Turniers haben sich die Veranstalter versichern lassen. Diese Vorsichtsmassnahme hat man bereits früh und unabhängig vom Corona-Virus getroffen. Ob die Zuschauer in diesem Fall ihr Geld für bereits erworbene Tickets zurück erhalten, wollen die Organisatoren in den kommenden Tagen klären.

Wird die Fussball-Europameisterschaft um ein Jahr verschoben?

Sie soll ein Fest werden: die in hundert Tagen beginnende Europameisterschaft verteilt auf dem ganzen Kontinent. Begeisternd hin und her reisende Fans hatte sich die Uefa vorgestellt. Doch dieses Vorhaben ist derzeit gefährdet. Ist nur ein einziges Austragungsland gegen die Grossveranstaltung, gibt es grosse Probleme. Deshalb scheint es möglich, dass die EM um ein Jahr verschoben wird. Eine Verlegung an einen einzigen Standort ist derweil unrealistisch.

Auch wenn die Angst umgeht, dass die EM in Gefahr steht, der europäische Verband wiegelt derzeit noch ab. Am Uefa-Kongress in Amsterdam spricht Präsident Aleksander Ceferin davon, dass man sich den Optimismus bewahren möchte, Angst sei nicht angebracht. Immerhin sagt Generalsekretär Theodore Theodoridis: «Ich kann versichern: Es gibt Pläne für alles.» Vielleicht müssen sie bald gezückt werden. Italien, Spanien und Deutschland sind allesamt Austragungsorte der EM – und die drei europäischen Länder mit den höchsten Infektionszahlen. Aserbaidschan hat derweil schon seine Grenze in Richtung Iran geschlossen.

Reist die Nationalmannschaft ans Vierländerturnier nach Katar?

Eigentlich sollte die Schweiz bald nach Katar reisen. Im Rahmen eines Vierländerturniers trifft das Nationalteam am 26. März auf den WM-Finalisten Kroatien, vier Tage später spielt man gegen Belgien. Die umstrittene Reise ins Land des WM-Gastgebers von 2022 könnte nun wegen dem Corona-Virus gefährdet sein. Denn Katar hat die Reisebestimmungen geändert, wonach derzeit keine Personen aus Italien mehr einreisen dürfen.

Zumindest die Einreise von Remo Freuler von Atalanta Bergamo dürfte somit mehr als nur gefährdet sein. Und auch Nationaltrainer Vladimir Petkovic hat sich am 19. Februar das Champions-League-Spiel von Bergamo gegen Valencia angeschaut. Derzeit heisst es vom SFV aber, dass Stand jetzt alles stattfinden soll. Man verfolge aber laufend, wie sich die Situation in Katar entwickle. Zudem wird eine mögliche Alternative ausgearbeitet, falls die Katar-Reise nicht durchgeführt werden könnte.

Was passiert mit dem Spitzenfussball in der Schweiz?

Die Meisterschaft in den höchsten beiden Fussballligen ruht vorerst bis am 23. März. Liga-Datenplaner Silvano Lombardo rechnet derzeit aber schon weiter und lotet aus, welche Szenarien möglich wären. Falls auch in den ersten April-Wochen keine Partien ausgetragen werden können, sieht eine Variante vor, dass die Partien in einem Abstand von zwei bis vier Tagen gespielt werden. Bedeutet: ein Rhythmus wie im Eishockey. Die Vereine würden dann etwa am Dienstag, Donnerstag und am Sonntag derselben Wochen Partien bestreiten. Möglich wäre das aber nur dann, wenn die Uefa ihre Blockade aufhebt, wonach während eines internationalen Spieltags keine Ligapartien bestritten werden dürfen.

Und was ist, wenn auch Mitte April nicht wieder gespielt werden kann? Wer würde Schweizer Meister: Leader St. Gallen oder Wintermeister Young Boys? Oder gäbe es gar keinen Meister? Wer würde dann international gemeldet? Wer steigt auf, wer steigt ab? Würde die Meisterschaft eingefroren und in einem Jahr später wieder aufgenommen? Die Liga möchte auf Anfrage derzeit kein Szenario ausschliessen. Und weil hohe finanzielle Ausfälle drohen und gerade bei den Profifussballern wegen befristeten Verträgen keine Kurzarbeit möglich ist, hat sie inzwischen im Namen der Klubs sogar schon beim Bund um finanzielle Unterstützung angefragt.

Sind Olympische Sommerspiele in Japan ein zu grosses Risiko?

Japan gehört zu den Ländern mit den meisten mit dem Corona-Virus infizierten Personen. Bis am Dienstag gab es 274 bestätigte Ansteckungen. Wegen schleppend verlaufenden Tests rechnet man mit einer grossen Dunkelziffer. In Japans Hauptstadt Tokio soll vom 24. Juli bis zum 9. August der grösste Sportanlass des Jahres, die Olympischen Sommerspiele, stattfinden. Der führende japanische Virologe Norio Ohmagati sagt, wenn die Zahl der Infizierten in den nächsten drei Wochen nicht rückläufig sei, müsse man über eine Verschiebung oder Absage des Megaanlasses mit knapp 11 000 Sportlerinnen und Sportler nachdenken.

Das Internationale Olympische Komitee hat am Dienstag mitgeteilt, einen definitiven Entscheid erst im Juni fällen zu wollen. Bis dahin sollen die Vorbereitungen planmässig fortschreiten. Bei der Frage, ob die Spiele durchgeführt werden können, will das IOC voll und ganz dem Rat der Weltgesundheitsorganisation WHO folgen. Das Corona-Virus beschäftigt die politische Führung des IOC an seiner Sitzung in Lausanne aber bereits heute Mittwoch wieder, wenn das lokale OK in Japan über die aktuelle Entwicklung informiert.

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