«Wir können nicht einfach einen Spieler kaufen»

Sven Leuenberger, Sportchef des SC Bern, beruft sich auf die Betriebswirtschaft, warum er nicht den besten Goalie hat.

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Keystone

Klaus Zaugg

In der Torhüter-Rangliste der Liga steht SCB-Goalie Marco Bührer nur auf dem elften und zweitletzten Rang. Sind Sie beunruhigt?
Sven Leuenberger: Nein. So habe ich die Torhüter noch nie klassiert, aber ich sehe Bührer im Mittelfeld und nicht am Ranglistenende. Das genügt. Das Niveau der Goalies ist tatsächlich sehr hoch. Auch deshalb, weil drei Klubs (ZSC Lions, Fribourg und Zug - die Redaktion) ausländische Torhüter verpflichtet haben, die alle das Niveau eines Nationalgoalies haben. Die Nummer 8 oder 9 einer solchen Rangliste ist immer noch gut genug, um ein Meistergoalie zu werden. Kommt dazu, dass solche Ranglisten wenig aussagekräftig sind.

Warum? Dahinter steckt immer ein Stück Wahrheit.
Leuenberger: In einer solchen Rangliste werden die Leistungen der Vergangenheit bewertet. Das interessiert mich eigentlich weniger. Für mich zählt die Leistung in der neuen Saison.

Aber der SCB sollte doch einen Goalie haben, dessen Name einem sofort in den Sinn kommt, wenn nach dem Besten gefragt wird.
Leuenberger: Wie kommen Sie denn darauf?

Weil nur das Beste für den SCB gut genug sein kann. Der SCB ist eines der grössten Hockey-Unternehmen ausserhalb von Amerika, das Bayern München des Europäischen Hockeys, und kann, ja muss sich den besten Goalie leisten.
Leuenberger: Das ist falsch.

Falsch? Seit wann ist denn diese Bescheidenheit in Ihrem Unternehmen eingekehrt?
Leuenberger: Das hat nichts mit falscher Bescheidenheit zu tun. Bayern München hat wahrscheinlich um die 100 Millionen auf dem Bankkonto, und wenn die Bayern Franck Ribéry oder Luca Toni holen wollen, dann haben sie das Geld dafür. Das ist bei uns nicht so. Wir arbeiten nach betriebswirtschaftlichen Vorgaben und wir können bei unseren Investitionen nicht über ein bestimmtes Budget hinausgehen. Wir können nicht einfach einen Spieler kaufen. Das ist vielleicht in Zürich oder Lugano möglich, wo ein privater Investor das Geld zur Verfügung stellt. Wir haben keinen reichen Onkel, der uns einen Star bezahlt.

Aha. Deshalb ist unter den SCB-Kapitalisten der neue Sozialismus eingekehrt und neuerdings haben wir zwei statt nur einen Captain.
Leuenberger: Was soll ich denn dazu sagen? Ich habe in dieser Zeitung Ihre Meinung zu diesem Thema gelesen.

Sie können gute Argumente liefern, warum Sie zwei Captains bestimmt haben und wir drucken Ihre Ausführungen ab.
Leuenberger: Das hat keinen Zweck. Sie würden meine Argumente sowieso zerfleddern und so drehen, wie Sie es sehen.

Nein, werde ich nicht tun.
Leuenberger: Lassen wir doch dieses Thema. Es bleibt uns so oder so nichts anderes übrig, als auf dem Eis durch die Resultate die Argumente zu liefern.

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