Ronnie O'Sullivan ist fünffacher Weltmeister und der Star der Snooker-Szene – ausgerechnet. Denn «The Rocket», wie der 41-jährige Brite für seine schnelle Spielweise genannt wird, ist ein Nonkonformist, der gerne und oft provoziert. (An der WM 1997 räumte er den Tisch in nur 320 Sekunden ab – bis heute Rekord.)

Ronnie O'Sullivan schnellstes 147er-Break

Ronnie O'Sullivan schnellstes 147er-Break

Er ist ein genialer Rebell, der seine Gegner gerne mal damit demütigt, als Rechtshänder zwischendurch mit links zu spielen. Ein egozentrisches Talent, das den Handshake mit links macht, um seine rechte Spielhand zu schützen. Ein eitler Provokateur, der absichtlich auf ein Maximum Break (dabei werden alle Bälle in bestmöglicher Kombination und Reihenfolgen versenkt) vergibt, weil er die Prämie dafür als zu wenig befand.

Ronnie O'Sullivan ist aber auch gerade deswegen der Liebling der Fans, weil er anders ist. Er verleiht dem stieren und britisch-steifen Kneipensport Sex-Appeal. Er ist ein Showman, nicht nur wenn er in Socken spielt, weil in seine Schuhe drücken. Für die einen Enfant Terrible, für die anderen der Snooker-Gott.

Showman Ronnie O'Sullivan

Showman Ronnie O'Sullivan

Fan beendet die Partie

An den English Open in Barnsley zog er nach seinem 4:1-Sieg gegen den Chinesen Zhang Yong am Mittwoch souverän in die dritte Runde der besten 16. Ungewöhnlich am seinem Erfolg ist allerdings das Ende. 

Gegen Ende des fünften und entscheidenden Frames gelingt es einer Zuschauerin, an der Security vorbeizukommen. Der fünffache Snooker-Weltmeister O'Sullivan lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Während die Frau einmal um den Snooker-Tisch trabt, locht er während er gelassen Pink, die zweitletzte Kugel seines Century-Breaks (100 und mehr Punkte am Stück). 

Entspannt und sichtlich amüsiert reicht «The Rocket» dem wohl etwas verwirrten Frau sein Snookerqueue, damit sie den schwarzen Ball versenken und das Frame beenden kann.

Das schafft sie leider auch in zwei Anläufen nicht, trotz begeistertem Applaus aus dem Publikum.

Später sagte O'Sullivan zu Eurosport, er habe zuerst nicht gewusst, was die Frau mache. «Aber sie sagte zu mir, dass sie bloss eine Runde jogge.» Also habe er zu ihr gesagt: «Well, go on then, have a jog then!» (Nun denn, dann machen Sie weiter und joggen Sie!)

Während sie dabei sei, könne sie ja auch noch den letzten Ball lochen. «Ich wollte wirklich, dass sie sie reinmacht.» Als die Security-Männer in die «Snooker-Arena» kamen, habe er schon befürchtet, sie würden zu einem Rugby-Tackle ansetzen.

Die Snooker-Legende hat das Eurosport-Video der Szene später auf Twitter geteilt und dazu geschrieben: «Das ist mein gemischter Doppelpartner, süss.»

Die Sache mit den Schuhen

Es ist nicht der erste Aufreger um Ronnie O'Sullivan am Turnier in Barnsley. Wegen eines verstauchten Knöchels, den er sich beim Joggen zugezogen hatte, spielte «The Rocket» nämlich nicht wie auf der Snooker-Tour üblich in schwarzen Lederschuhen, sondern trug blaue Sportschuhe, in welche er mit der Knöchelstütze passte.

Ein Affront für die Veranstalter: Die blauen Jogging-Schuhe von Ronnie O'Sullivan.

Ein Affront für die Veranstalter: Die blauen Jogging-Schuhe von Ronnie O'Sullivan.

Diese Schuhe waren den Veranstaltern ein Dorn im Auge, schliesslich ist Snooker immer noch ein Gentlemen's sport. Zu Anzug mit Fliege passen die Treter nicht – zu hell, zu bunt.

Der Snooker-Weltverband wies O'Sullivan daraufhin an, in der nächsten Runde schwarze Schuhe entsprechend dem geltenden Dresscode zu tragen, ansonsten dürfe er nicht spielen, wie O'Sullivan per Twitter schrieb.

Mit einem zweiten Tweet reagiert der 41-Jährige trotzig und drohte mit einem Rückzug aus dem Turnier: «Sieht so aus, als müsste ich aus den English Open aussteigen, weil jemand nicht glücklich damit ist, dass ich wegen eines verstauchten Knöchels Sportschuhe trage.»

Der Verband erteilte O'Sullivan allerdings eine Freigabe vom Dresscode, sofern er schwarze Sportschuhe trage. Nur: O'Sullivan hatte nur die blauen dabei. Also tweetete der Snookerspieler ein Foto seines geschwollenen Knöchels mit einem Aufruf an seine Follower: «Ich suche einen passenden Sportschuh für diesen bösen Jungen.»

Ronnie O'Sullivans verstauchter Knöchel.

Mit Erfolg: Mit der Hilfe eines Sportgeschäft und eines Laufschuhhersteller fand der Snooker-Spieler kurzfristig noch ein «erlaubtes» Paar Schuhe für die Zweitrunden-Partie.

Klassiker gegen Higgins, Schweizer mit dabei

Am Donnerstagabend zog Ronnie O'Sulliven gegen seinen alten Rivalen John Higgins in die Viertelfinals ein. Er siegte in einer mitreissenden Partie mit 4:3. Am Freitagabend zog der 41-Jährige er im Generationen-Duell den 25-jährigen Jack Lisowski mit 5:2 in den Halbfinal ein. Lisowski galt einst als verheissungsvolles Snookertalent, wurde aber noch als Teenager von einer Krebserkrankung zurückgeworfen und konnte danach die hohen Erwartungen nie erfüllen.

Auch im Halbfinal steht der 21-jährige Aargauer Alexander Ursenbacher – es ist der bisher grösste Erfolg seiner jungen Karriere. Der Rheinfelder gewann am Freitagabend gegen den 26-jährigen Waliser Michael White, der 2001 als jüngster Spieler, der je ein Century Break erzielte, ins Guiness-Buch der Rekorde kam.  Und wie: Der Schweizer setzte sich mit einem beeindruckenden 5:0 durch.

Seine Halbfinal-Partie gegen Kyren Wilson wird am Samstag ab 14 Uhr auf Eurosport übertragen. Ronnie O'Sullivan spielt ab 20 Uhr gegen Anthony McGill um den Finaleinzug.