Federer

«King Roger» beflügelt Königreich Tennis

Eifrig dabei:Viele junge Spieler finden dank Federers Erfolgen zum Tennis.

Tennis

Eifrig dabei:Viele junge Spieler finden dank Federers Erfolgen zum Tennis.

Roger Federer ist seit vergangenem Sonntag «Roi de Paris»: Vom Sieg des Schweizer Tennis-Giganten erhoffen sich Tennisklubs und Sportzentren eine Belebung der Szene.

Elisabeth Feller/Maja Sommerhalder/Markus Dasen

«Aber sicher werden wir Federers Sieg im Pariser Roland-Garros-Stadion zu spüren bekommen», sind Patrik Burkhart und Stephan Kyburz überzeugt. Die beiden Leiter des Badener Sportcenters Baregg wissen aus Erfahrung, «dass Federers Grand-Slam-Siege die Leute stets motivieren, Tennis zu spielen. Das ist primär im Hinblick auf den Nachwuchs ganz wichtig.» Das Duo freut sich sich, dass Fans sogar versuchen, einen Final zwischen Roger Federer und Rafael Nadal nachzuspielen. «Viele verlangen überdies nach den Rackets der beiden Tennis-Giganten», schmunzelt Kyburz.

«Die Stimmung war einzigartig»

Auch Adi Oster (Präsident des Tennisclubs Wettingen) bestätigt die beflügelnde Wirkung Federers auf den «weissen Sport» - allerdings weniger auf Erwachsene, dafür umso mehr auf Junge. «Allein in den letzten beiden Jahren haben wir bei den Junioren um 50 Prozent zugelegt, nämlich von 80 auf 120 Mitglieder», betont Oster und zeigt sich vom Final begeistert.

Dagmar Frei (Präsidentin des Tennisclubs Baden und Trainerin) ist ebenfalls von Sieg und Sieger beeindruckt. «Ich winde Federer ein Kränzchen für seine Fairness auf dem Platz und gegenüber seinem Publikum. Ebendies wollen wir unseren Jungen vermitteln.» Auch der Badener Klub verzeichnet «vorab in diesem Jahr einen Boom. Dieser hat jedoch nur bedingt mit Federer zu tun, obgleich er für die Tennisszene sehr wichtig ist.» Worauf führt Dagmar Frei das steigende Interesse der Jungen am Tennis zurück? «Unser Klub kümmert sich ganz intensiv um sie.» Beim Badener Klub spielen derzeit pro Woche über 100 Junioren «ab dem Kindergarten- bis zum Kantonsschulalter».

Auch im Sportcenter Leuggern ist man ohne Wenn und Aber von Roger Federer begeistert. «Klar haben wir das Finalspiel angeschaut», lächelt Geschäftsführer Michael Back. Weil am Sonntag aber zugleich die Radsporttage Gippingen auf dem Programm standen, hätten die Zuschauer abwechslungweise die Radfahrer auf der Strasse und Federer am Bildschirm angefeuert: «Die Stimmung war einzigartig.» Roger Federer sei ein vorbildlicher Sportler, ein Musterbeispiel für die Jungen, betont Back. Dass «King Rogers» Erfolge indessen einen messbaren Boom auszulösen vermögen, bezweifelt der Mann, der selbst Tennislehrer gewesen ist. «Würde in Italien einer so Tennis spielen wie Federer, würde das halbe Land Tennis spielen», wagt Back einen Vergleich.

Werbung bei der Bevölkerung

Wie der Badener und Wettinger Tennisklub verzeichnet auch derjenige in Bad Zurzach eine steigende Tendenz. 2006 wies er 170 Mitglieder auf, mittlerweile sind es 200. «Dies hat aber leider nichts mit dem Federer-Effekt zu tun», betont Andreas Meier, Präsident der Spielkommission. Die Gründe für den verstärkten Zuspruch seien eher beim «neuen Klubhaus und bei den überzeugenden Jugendtrainern» zu suchen. Obgleich die Schweiz mit Roger Feder das Tennis-Aushängeschild schlechthin besitze, würden viele Klubs ums Überleben kämpfen. Hier ortet Meier ein Potenzial, das der Tennis-Verband seiner Meinung nach zu wenig nutzt. «Die Werbung mit Roger darf nicht nur intern bei den Klubs passieren, sondern muss an die gesamte Bevölkerung gerichtet sein.»

«Wir erwarten Federer-Effekt»

Genau wie die anderen Befragten fieberte auch Kurt Leuenberger (Präsident des Ten-nisclubs Scherz) mit Roger Federer. Nun erwartet er einen Federer-Effekt für seinen Klub: «Meistens melden sich nach solch einem Sieg fünf bis sieben neue Nachwuchsspieler.» Das sei zwar schön, trotzdem wünscht sich der Klub mehr erwachsene Mitglieder. Den 50 Kindern und Jugendlichen stehen derzeit 20 Erwachsene gegenüber. «Nachwuchsspieler zahlen aber weniger Mitgliederbeiträge. Zudem brauchen sie viel Betreuung. Dafür haben wir aber zu wenig Personal», sagt Leuenberger. Auch Alain Dedial (Inhaber Tennis Academy Dedial) kennt den Federer-Effekt. Er macht seine Junioren im Birreter Sportcenter Wase für Wettkämpfe fit: «Seit Federer Erfolg hat, haben wir Zuwachs. Wenn der Schweizer siegt, sind unsere Schüler noch motivierter und fragen, ob sie mehr Stunden nehmen dürfen.»

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