Triathlon

In grossen Schritten Richtung Tokio: Triathlon-Profi Max Studer hat eine beeindruckende Saison hinter sich

Die Leistungskurve von Triathlon-Profi Max Studer, 23, aus Kestenholz zeigt steil nach oben – seine Jahresbilanz ist beeindruckend. Als Belohnung steht er vor der Olympia-Qualifikation.

7 Uhr, Maspalomas im Süden auf Gran Canaria, 20 Grad, ziemlich windig: Max Studer aus Kestenholz absolviert sein morgendliches Lauftraining, ein 10-Kilometer-Lauf, «um in den Tag hineinzufinden», wie er sagt. Um 10.30 Uhr beisst sich Studer durch eine intensive Laufeinheit, in welcher 300-Meter- sowie 800-Meter-Sprints so lange wiederholt werden, bis eine komplette Stunde rum ist.

Schliesslich steht, quasi zur Erholung, am Nachmittag ein 4,5-km-Schwimmtraining an – die alltägliche Routine, abwechslungsweise mit Rennrad-Trainings.

«Man gewöhnt sich daran. Wichtig ist, dass man sich dazwischen gut erholt und sich gut ernährt», sagt er auf die Frage, wie dies bloss durchzustehen sei.

Max Studer absolviert derzeit in einer Trainingsgruppe rund um seinen Trainer Brett Sutton, der unter anderem auch Triathlon-Grösse Nicola Spirig angehört, ein dreiwöchiges Trainingslager bei idealen herbstlichen Bedingungen.

Max Studer in Gran Canaria

Nicht zuletzt dank dem professionellen Umfeld zeigt die Leistungskurve des 23-jährigen Solothurner Triathlon-Profis weiterhin steil nach oben. Erst vor einem Jahr noch bestritt Studer sein erstes Rennen auf höchster Stufe, den World Series, und heute darf er auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken und festhalten, dass er sich in der Weltspitze etabliert hat.

Ein erstes Ausrufezeichen in diesem Jahr setzte Max Studer rund um sein halbjähriges Trainingscamp in Australien, das er von November 2018 bis April 2019 in Mount Coolum, rund 90 Minuten Autofahrt nördlich von Brisbane absolvierte.

An der Ozeanien-Kontinentalmeisterschaft in Moreton Bay gewann er sensationell die Silbermedaille. Bereits im Herbst zuvor gelang ihm mit dem Sieg am Triathlon-Weltcup im koreanischen Tongyeong ein beachtenswerter Meilenstein.

Max Studer in Lausanne

Max Studer in Lausanne

Alles auf eine Karte: Vier Jahre in der Planung voraus

Die harte Grundlagen- und Ausdauerarbeit in Australien sollte sich dann vor allem in den Weltcup-Rennen so richtig auszahlen. Innerhalb von nur zwei Monaten konnte Max Studer vier Top-6-Plätze erzielen, in Banyoles (6.), Tongyeong (4.), Weihai (2.) und Santo Domingo (4.).

Und auch als Team im Mixed Relay realisierte Studer für die Schweiz bemerkenswerte Resultate. Damit vermochte sich der Kestenholzer in der ITU-Weltrangliste vom 73. auf den 32. Platz 32 zu verbessern.

Und derzeit noch viel wichtiger: Die Saison schloss er im Olympia-Ranking im Hinblick auf die Sommerspiele in Tokio 2020 auf Position 45 ab. Die Top-50 hat einen Startplatz in Tokio auf sicher. Das entsprechende Ranking wird generiert aus den Resultaten aller Weltcups und World Series im Zeitraum zwischen Mai 2018 und Mai 2020.

Nur 18 Monate nach seinem Debüt in der Elite schnuppert Max Studer sensationell bereits an Olympia: «Ich konnte viele Fortschritte erzielen und bin sehr zufrieden mit der Saison. Noch vor eineinhalb Jahren sah meine Karriereplanung höchstens einen Start an den Olympischen Spielen 2024 in Paris vor.»

Sozusagen ist Max Studer also in seiner Planung vier Jahre voraus. Für die beeindruckenden Leistungen durfte der derzeit beste Schweizer Triathlet den Solothurner Sportpreis entgegennehmen und wurde vom nationalen Verband unlängst zum Schweizer Triathleten des Jahres gekürt.

Ein Leben aus dem Koffer

Seinem Erfolg ordnet Max Studer alles unter. Wer mit dem gelernten Logistiker spricht, der hört heraus, wie dankbar er ist, dass er dank seinen Eltern und zahlreichen Sponsoren seinen Profisport-Traum leben darf – und hinblicklich der Olympischen Spiele alles auf eine Karte setzen kann.

Es ist ein Leben aus dem Koffer, verbunden mit vielen Reisen. Doch reisemüde wird Max Studer kaum. «Ich bin gerne zu Hause, aber ich sehe es vor allem als grosses Privileg an, durch meinen Job auch an Orte zu kommen, die man sonst kaum bereisen würde.»

Zu Hause, das ist für Max Studer nicht nur Kestenholz im Gäu, sondern auch St. Moritz. Dort hat sich das Team von Trainer Brett Sutton niedergelassen, um mittels Höhentraining an der Form zu feilen. Dabei darf Studer mitunter auch viel von der Erfahrung Daniela Ryfs profitieren.

In den kommenden Monaten will Studer ein Augenmerk auf seine Lauftechnik legen. Konkret arbeitet er an seiner Armhaltung, die Armschwünge sollen kleiner gehalten werden, um Energien einzusparen. Zeit hat er genügend.

Bei der ersten Gelegenheit, den World Series in Abu Dhabi am ersten März-Wochenende, startet er in die Olympia-Saison. Am Start steht die gesamte Triathlon-Weltspitze. Mit einem Top-30-Resultat dürfte der 23-Jährige seine Olympia-Teilnahme definitiv realisieren. Max Studer läuft in grossen Schritten Richtung Tokio.

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