Beachvolleyball

Hüberli: «Training hätte ich als egoistisch empfunden»

Muss im Moment wie fast alle Sportler auf Ernstkämpfe verzichten: Tanja Hüberli, zusammen mit Nina Betschart Teil des besten Schweizer Beachvolleyball-Duos

Muss im Moment wie fast alle Sportler auf Ernstkämpfe verzichten: Tanja Hüberli, zusammen mit Nina Betschart Teil des besten Schweizer Beachvolleyball-Duos

Wegen des Coronavirus ist auch Beachvolleyballerin Tanja Hüberli zum sportlichen Nichtstun verdammt. Dafür macht sie beim Studium einen grossen Schritt vorwärts.

Tanja Hüberlis Reaktion auf die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio war speziell. "Ich erfuhr von der Absage, stand auf, öffnete die Fensterläden. Das Wetter war schrecklich, also ging ich wieder ins Bett", erinnert sich die 27-jährige Beachvolleyballerin an den Morgen des 24. März. "In dem Moment hatte ich keinen Bock zu trainieren." Überraschend kam die Verschiebung aber nicht. Und Hüberli machte das Beste daraus.

Sofort meldete sie sich bei einem Dozenten und dem Studienleiter an der Pädagogischen Hochschule (PH) Bern. Hüberli ist "seit Ewigkeiten" am Studium zur Primarlehrerin dran. "Es ist für mich recht schwierig, weil du immer anwesend sein muss." Für dieses Frühjahr hatte sich die Schwyzerin wegen der Vorbereitung auf Tokio beurlauben lassen. Nun fragte sie - eigentlich sechs Wochen zu spät - an, ob sie einige der Module doch noch absolvieren könnte. Sechs Dozenten sagten zu; damit hatte Hüberli nicht unbedingt gerechnet. "Von absoluter Langeweile wechselte ich auf Tage mit zwölf Stunden Lernen", erzählt sie lachend. Dabei störte nicht einmal das konstant gute Wetter, im Gegenteil. "Bei Sonnenschein habe ich einfach gute Laune, dann fällt auch das Lernen einfacher." Mittlerweile habe sie den Rückstand aber aufgeholt; und auch sportliche Aktivitäten haben wieder Platz.

Lungenembolie als prägende Erfahrung

Hüberli hält sich mit Kraftübungen, Medizinbällen oder Wandern fit. Am 15. März musste sie wegen des Coronavirus vorzeitig aus einem Trainingslager auf Teneriffa zurückkehren. Ein Beachvolleyball-Training kam für sie selbst bei möglicher Einhaltung der Abstandsvorschriften nicht im Frage. "Wenn du siehst, wie Leute ums Überleben kämpfen, hätte ich es egoistisch gefunden, wenn ich mir Gedanken gemacht hätte, wo ich möglichst schnell wieder Beachvolleyball spielen kann", gibt sie zu bedenken. Die ersten Wochen verbrachte sie bei ihrem Freund, dem Slalomfahrer Ramon Zenhäusern, im Wallis. Auf Skitouren verzichtete sie ebenfalls. "Da hätte man sich vielleicht verletzt und dann im Spital jemandem einen Platz weggenommen."

Hüberli weiss den Wert der Gesundheit aus eigener Erfahrung mehr denn je zu schätzen. Im Dezember erlitt sie eine Lungenembolie. "Da habe ich selber erfahren müssen, dass der Sport manchmal keine Rolle spielt." Sie erholte sich jedoch vollständig und wäre bereit gewesen für die Olympiasaison. "Jemand, der nichts von der Lungenembolie gewusst hätte, hätte im Training nichts davon bemerkt."

Hoffnung auf nationale Wettkämpfe

Als Siebte des Olympiarankings hatten Hüberli/Betschart die Qualifikation für die Spiele in Tokio fast auf sicher. Dennoch unterstützt die 1,90 m grosse Schwyzerin die Verschiebung voll und ganz. "Es wäre auch nicht cool gewesen, Olympische Spiele zu haben, wenn man sich drei Monate kaum darauf hätte vorbereiten können." Und da in diesem Jahr international bestenfalls noch ein Wettkampf im November stattfinden wird, steigt das beste Schweizer Beachduo mit gleich guten Karten ins nächste Jahr, in dem es dann mit den Olympischen Spielen doch noch klappen sollte.

Mittlerweile ist Hüberli mit Zenhäusern nach Reichenburg in die Linthebene disloziert. "Es ist cool, einen Freund zu haben, mit dem man sich sportlich betätigen kann." Vorerst hält sie sich zuhause so gut wie möglich fit und telefoniert regelmässig mit Betschart. "Mit Nina zusammen beachen und uns verbessern, dafür wäre ich aber schon wieder motiviert", so Hüberli. Das Zusammensein und den Wettkampf vermisse sie am meisten, weswegen sie sich eine baldige Rückkehr in den Sand wünscht. Auch wenn Hüberli nicht an internationale Turniere bis Ende Jahr glaubt, hofft sie doch noch auf ein paar Wettkämpfe in der Schweiz im Rahmen der Coop Beach Tour in diesem Spätsommer.

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