«Früher musste man auf den Töff viel mehr chrampfen»

Das Motocross Wohlen gehört zu den Freiämter Traditionen. Das hat die diesjährige Austragung erneut bewiesen, denn bereits am Samstag sprengte der Zuschauerandrang sämtliche Erwartungen. Und das trotz dem Gewitter.

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Andrea Weibel

Eigentlich haben die Armbänder, die als Eintrittskarte zum Motocross in Wohlen dienen, eine von vier Farben. Diese stehen für einen Samstags-, Sonntags-, Zweitages- oder Mitarbeitereintritt. «Schon am Samstagnachmittag mussten wir aber zweimal hinsehen, denn plötzlich tauchten noch mehr Farben auf», erzählt Hans Wüthrich, der für die Eingangskontrolle zuständig ist.

Der Grund dafür war ebenso lustig wie erfreulich: Sämtliche 1500 Bänder für die Samstag-Zuschauer waren bereits ausverkauft. «Zum Glück hatten die Organisatoren die übrigen Bänder der vergangenen Jahre aufbewahrt, denn jetzt kamen diese aus den Jahren 06 und 08 wieder zum Einsatz», so Wüthrich.

Aufwand für die WM ist gross

Auch Organisator Ueli Hilfiker ist sehr zufrieden mit dem Zuschaueraufmarsch und dem ganzen Wochenende. «Es läuft», sagt er knapp, doch sein Lächeln verrät seine Erleichterung.

Besonders die WM-Läufe der Seitenwagenfahrer ziehen die Zuschauer in Scharen an. Neben der Strecke wird gefachsimpelt und an frühere Zeiten gedacht. «Das Material hat sich schon recht verändert. Früher musste man auf den Maschinen noch viel mehr chrampfen als heute», erinnert sich Jörg Wenger. Zusammen mit seinem Partner Hugo Müller hat auch er in den Jahren 1976 bis 1979 an den Seitenwagenrennen in Wohlen teilgenommen. «Hier haben wir zwar nie gewonnen, wir sind aber 1977 Schweizer Meister geworden», ergänzt Müller, der als Junior einmal eine Bronzemedaille aus Wohlen nach Hause bringen konnte.

Mehr Vorschriften

«Der organisatorische Aufwand war früher viel kleiner», so Wenger. Seine Kollegen stimmen ihm zu. Hans Wüthrich präzisiert: «Wegen der WM müssen viel mehr Vorschriften eingehalten werden, das fängt bei den gelben Tüchern rund um die Piste an und geht über die Sicherheitsvorkehrungen bis zum Komfort für die ausländischen Fahrer.» Doch es scheint sich gelohnt zu haben, denn bereits am Sonntagmorgen um 10 Uhr war der Pistenrand mit Zuschauern überfüllt.

Armer Indianer

Weniger mit dem Motocross selbst hat das Auftauchen einer Horde Cowboys zu tun, in deren Mitte ein Indianer seinen Marterpfahl auf dem Rücken mitschleppt. Auch mit dem Abendprogramm haben sie wenig zu tun, denn das bestreitet ein Elvis-Imitator mit seiner Band. Der arme Indianer heisst Mathias Steiger und feiert, an den Pfahl gebunden, seinen Polterabend. Während die jungen Fahrer abends die Piste abschreiten, um sich auf die Rennen am Sonntag vorzubereiten, muss er sich von Frauen mit Mehl bestäuben lassen.

Die Stimmung passt aber hervorragend zu den Motocross-Fans, die zum Teil aus ganz Europa angereist sind. Sie sind unter sich, denn die Fahrer liegen zu der Zeit bereits in ihren Wohnwagen, so viel Disziplin muss sein.

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