Nordwestschweizerisches Schwingfest

Die Kampfarena im Dorfkern als Schauplatz für böse Helden

Die Stimmung in der Buchser Schwingarena neben dem Gemeindehaus mäanderte zwischen Jubelgesang und stiller Spannung. Kurz: Das Ambiente war hervorragend.

Markus Christen

Freunde des Schwingsports und Fussballfans sind sich eigentlich ganz ähnlich und doch bestehen wiederum Unterschiede, die grösser nicht sein könnten.

Schwingen, das archaisch-heroische Aufeinandertreffen von Mann gegen Mann, entblösst zumindest die männlichen Zuschauer jeweils als ausgewiesene Experten, die, nach ihren Analysen zu schliessen, auf einen grossen Erfahrungsfundus zurückgreifen können. Der Journalist bestätigt die Regel übrigens nicht als Ausnahme.

Dass sich die unterschiedlichen Kampfurteile mithin widersprechen, darf dabei keine Rolle spielen. «Du musst ziehen» und «drück ihn weg» sind offensichtlich nicht dasselbe. Entscheidend ist, dass der Schwingsport das Publikum fesselt.

Pfeifkonzerte sind verpönt

Allerdings, und dies ist die positive Feststellung, ist ein Schwingfest eine höchst friedliche Angelegenheit. Keine Anfeindungen zwischen Anhängern von verschiedenen Sportlern, Buhrufe und Pfiffe sind verpönt und werden nicht geduldet. Das Schwingen ist ein familiärer Anlass und in Buchs wurde dieser Eindruck durch die kompakte Arena und den engen Zuschauerplatz gefestigt und gestärkt.

«Der Aarauer Schwingklub hat die Organisation des 102. Nordwestschweizerischen Schwingfestes kurzfristig übernommen, weil der baselländische Schwingverband keinen Organisator gefunden hat. Die Platzverhältnisse ergaben sich dann durch die Standortwahl der Austragung», erklärt Wolfgang Rytz, Presseverantwortlicher des Organisationskomitees.

Doch gerade durch diese gedrängte Publikumsfülle mit 3200 Zuschauern ergibt sich in Buchs eine grossartige Atmosphäre, in der sich die Helden des Schwingsports präsentieren konnten. Mit weit geöffneten Augen beobachten die kleinsten Schwingfreunde das Geschehen aus kleinster Distanz, während die Begeisterungsrufe in spannenden Augenblicken wie Wellen über die Arena wogen.

«Wir sind mit der Zuschauerzahl sehr zufrieden», sagt Rytz. «Es hatte bereits sehr viel Publikum beim Anschwingen, das nicht nur aus alteingesessenen Schwingfreunden bestand, sondern auch aus der Dorfbevölkerung.»

Dem Schwingsport haftet ein traditionelles Etikett an und begeistert gleichzeitig die Massen. Diesen bewährten Spagat, der eben kein Widerspruch ist, machte auch das Schwingfest in Buchs.

Fahnenschwinger, Alphornbläser, Jodler und selbst gebackene Kuchen am Buffet verbreiteten einen heimeligen Charme, während die 135 Bösen, wie man die Schwinger nennt, in der Arena hochkarätigen Spitzensport boten, der keinen begeisterungsfähigen Mann, keine Frau und auch nicht den Nachwuchs kaltlassen konnte.

Meistgesehen

Artboard 1