Wer die Million schon gewonnen hat, dem fällt es einfacher, in Zukunft darauf zu verzichten. Auch wenn Daniela Ryfs Überlegungen wohl kaum dieser monetär orientierten Denkweise folgen, so darf man dennoch salopp schlussfolgern: Die 31-Jährige stellt zukünftig Ruhm vor Geld. Lieber auf Hawaii zur Legende werden, als in Bahrain die Dollarbündel einheimsen.

Denn die Solothurner Ironman-Ikone ändert die Strategie und kürzt ihr Wettkampfjahr markant. Anstatt von Januar bis Ende November misst sich die 31-Jährige in diesem Jahr am 10. Juni in Rapperswil erstmals mit der Konkurrenz und beschliesst die Saison bereits am 13. Oktober auf Hawaii. Der prestigeträchtige Ironman, den sie heuer zum vierten Mal in Serie gewinnen will, bleibt für die nächsten Jahre der grosse Höhepunkt.

Der Ironman auf Hawaii bleibt das höchste der Gefühle für Triathletin Daniela Ryf.

Der Ironman auf Hawaii bleibt das höchste der Gefühle für Triathletin Daniela Ryf.

Aus der Vergangenheit gelernt

Es spreche nichts dagegen, dass sie sich in den nächsten fünf Jahren nicht noch steigern könne, sagt Ryf. Hingegen verzichtet die Solothurnerin künftig auf den grösstmöglichen Zahltag in ihrer Sportart, mit drei Siegen bei der lukrativen Triple-Crown-Serie eine Million Dollar zu gewinnen.

Dieses Kunststück gelang ihr 2015. Doch der Preis dafür ist beträchtlich: Sie muss quasi das ganze Jahr hindurch in Hochform sein. Ein Tribut, den Ryf im vergangenen Herbst so richtig zu spüren bekam. Von ihrem Willenssieg in Kona körperlich und mental nie ganz erholt, hetzte sie sich in den nächsten Formaufbau für das abschliessende «Kronen-Rennen» in Bahrain. Dort reichte der Energiepegel definitiv nur noch für Rang 3.

Neue Strategie hat seine Gründe

Diesem Stress will sich Daniela Ryf in Zukunft nicht mehr aussetzen. Ein Stress, der sie zur längsten Winterpause seit vielen Jahren bewegte. Allerdings soll auch die sechswöchige Pause nicht zum Standard werden. «Man gewöhnt sich so richtig ans Nichtstun. Der Wiedereinstieg ins Training fiel entsprechend hart aus», sagt Ryf.

Gründe für die neue Strategie gibt es mehrere. Neben der mentalen und körperlichen Erschöpfung nach der – sportlich mit acht gewonnenen Triathlons durchaus erfolgreichen – Saison 2017, sicherlich die Rückenbeschwerden während mehrerer Monate im vergangenen Frühjahr. Und das Gefühl beim Sieg auf Hawaii, den sie als «den härtesten in meiner Karriere» bezeichnete.

Seit vier Jahren arbeitet Daniela Ryf mit ihrem Trainer Brett Sutton zusammen.

Seit vier Jahren arbeitet Daniela Ryf mit ihrem Trainer Brett Sutton zusammen.

Triathlon-Weltrekord ist in den Hintergrund gerückt

Auch ihr Trainer Brett Sutton drückte danach auf die Bremse, warnte vor einem Burnout. Seit vier Jahren arbeitet sie nun mit dem Australier zusammen. Das Vertrauen ist inzwischen gross, dass sein Trainingsaufbau funktioniert, um zielgenau in Topform zu sein. Dies, obwohl Sutton das Training jedes Jahr anpasst, nie auf Lorbeeren ausruht. «Er entwickelt sich ständig weiter. Das unterscheidet ihn von anderen Trainern», sagt Ryf lobend.

In einem weiteren Punkt haben sich Ryfs Prioritäten ebenfalls verschoben. Der Triathlon-Weltrekord von Chrissie Wellington über die 3,8 km Schwimmen, 180 km Velofahren und 42,2 km Laufen galt lange als nächstes grosses Ziel der Solothurnerin. Nun rücken diese 8 Stunden, 18 Minuten und 13 Sekunden für sie als Ziel in den Hintergrund.

Rocken anstatt leiden

Wieso dieses Umdenken? «Weil der Weltrekord im Triathlon keine Bedeutung hat. Jede Strecke ist verschieden, das Wetter stets ein wenig anders. Man kann es schlicht nicht vergleichen. Ich will mich darauf konzentrieren, das Beste aus mir herauszuholen.»

Daniela Ryf: «Ich fühle mich stärker, nicht mehr so zerbrechlich wie im vergangenen Jahr.»

Daniela Ryf: «Ich fühle mich stärker, nicht mehr so zerbrechlich wie im vergangenen Jahr.»

Am liebsten natürlich auf Hawaii. Für ihre sportliche Traumdestination ordnet die Athletin mit dem Spitznamen «Angry Bird» anderes künftig noch konsequenter unter. «Damit ich nicht so sehr leide wie beim letzten Mal. Ich will dort abrocken», sagt sie und lacht. Sie ist überzeugt vom neuen Weg. «Ich fühle mich stärker, nicht mehr so zerbrechlich wie im vergangenen Jahr.»