Samuel Giger ist der König des Weissensteins. Dem 21-jährigen Thurgauer gelang beim Bergfest auf dem Solothurner Hausberg etwas, das bei den 67 Austragungen zuvor nie passierte. Giger verteidigte seinen Titel aus dem Vorjahr. Und wie 2018 reihte er auf dem Weg dorthin sechs Siege in Serie aneinander.

Es war nach seiner Schulterverletzung und dem zuvor verhaltenen Comeback eine eindrückliche Visitenkarte im Hinblick auf das Eidgenössische Schwingfest in Zug von Mitte August. Giger blieb auf dem Weissenstein derart überlegen, dass er bereits vor dem Schlussgang als alleiniger Sieger feststand. Weil sein Vorsprung nach fünf Gängen 1,5 Punkte betrug, schwangen seine Gegner den Schlussgang-Teilnehmer aus. Letztlich trat der Wünnewiler Michael Wiget aus dem Berner Verband zum unbedeutenden Duell an und musste sich von Giger zum zweiten Mal an diesem heissen Sommertag nach wenigen Sekunden auf den Rücken legen lassen.

Keine Chance für Wenger

2,25 Punkte vor dem ersten Verfolger lag der Thurgauer nach sechs Gängen. Die Rekordkulisse von 4950 Zuschauern war restlos begeistert vom überlegenen Auftritt Gigers. Dieser sagte nach dem Sieg, er habe sich diesmal nicht so viele Gedanken gemacht wie bei den Schwingfesten zuvor, die „nicht so gut gelaufen sind“. Er nahm sich vor, konsequent angriffig zu schwingen. «Dieser Erfolg gibt mir Optimismus und Selbstvertrauen. Das Formbarometer zeigt nach oben.»

Wie es ist, bereits vor dem Schlussgang Festsieger zu sein, weiss Kilian Wenger. Dem Berner Oberländer gelang dieses Kunststück 2010 bei seinem Sieg am Eidgenössischen in Frauenfeld. Auf dem Weissenstein war auch er ein Opfer Gigers. Beim Anschwingen dauerte es ebenfalls nur wenige Sekunden, und der König lag auf dem Rücken.

Dank einer Steigerung im Verlauf des Tages beendete Wenger das Fest doch noch auf dem dritten Rang. «Gewaltig» nannte er die Darbietung des Thurgauer Siegers, der damit in die Pole-Position für das Eidgenössische rücke. Er selber müsse bis zum Saisonhöhepunkt noch „eine Strategie für den ersten Gang finden“, denn es war bei weitem nicht das erste Mal, dass es Wenger frühmorgens noch nicht nach Wunsch lief.

Räbmatters Selbstvertrauen trotz Niederlage

Nur ein einziges Mal kam Samuel Giger so richtig in Bedrängnis. Im fünften Gang überraschte ihn der Aargauer Eidgenosse Patrick Räbmatter mit seiner aggressiven Schwingweise. Der 27-Jährige aus Uerkheim fällte den Ostschweizer. Giger rettete sich im letzten Augenblick über die Brücke. Räbmatter fehlten nur wenige Zentimeter zur Überraschung. Oder vielleicht ein wenig mehr Geduld. Denn anstatt konstant mit seinem staatlichen Gewicht auf den arg in Bedrängnis steckenden Giger einzwirken, versuchte „Räbi“ diesen mit der Brechstange ins Sagmehl zu drücken. Giger befreite sich à la David Copperfield aus der misslichen Lage.

Gemeinsam mit vier weiteren Schwingern auf dem dritten Rang war Räbmatter der beste des insgesamt enttäuschenden Nordwestschweizer Verbandes. Er sicherte sich damit bereits den siebten Kranz der Saison. Nach der starken Aktion gegen Giger und dem Sieg gegen den Berner Eidgenossen Patrick Schenk zeigte sich der Aargauer restlos zufrieden. „Ich weiss jetzt, dass ich jeden Gegner besiegen kann. Das gibt Selbstvertrauen.“

Saisonende für Nick Alpiger?

Am Montag kommt definitiv aus, ob Nick Alpiger die Saison abbrechen muss. Der Leader der Nordwestschweizer und Hoffnungsträger für das Eidgenössische verletzte sich im sechsten Gang bei der Niederlage gegen Wiget am Oberschenkel. Der 22-Jährige war nach einem Gestellten gegen den Berner Eidgenossen Bernhard Kämpf mit vier Siegen in Serie auf Schlussgang-Kurs, als ihm Überraschungsmann Wiget eine der wenigen Niederlagen zuführte.

Anstatt sich über den achten Kranzgewinn der Saison zu freuen, stieg Alpiger nach dem Fest stark hinkend und emotional aufgewühlt ins Auto seines Vaters. Auf direktem Weg ging es ins Kantonsspital nach Aarau, wo sich das schlechte Gefühl leider bestätigte. Alpiger erlitt einen Knochenabriss am linken Oberschenkel unterhalb des Beckens.

Ein MRI am Montag wird ergeben, ob auch die Muskeln und Sehnen verletzt sind. Ist dies der Fall, so muss der Sieger des Innerschweizer Schwingfestes von vor zwei Wochen unters Messer und die Saison definitiv abbrechen. Aber bereits jetzt erscheint die Teilnahme in Zug als Wunschdenken. Die Schulmedizin sieht für einen Teilabriss des Knochens eine Heilungszeit von acht bis zwölf Wochen vor. Das Eidgenössische findet in fünf Wochen statt.