Bundesliga

Warum Roman Bürki nie Nationaltorhüter wird - drei Erkenntnisse nach dem Topspiel Dortmund gegen Bayern

Der Fehler von Roman Bürki: Hier fliegt der Lupfer von Joshua Kimmich ins Dortmunder Tor. Spiel verloren, Meisterschaft ebenfalls.

Der Fehler von Roman Bürki: Hier fliegt der Lupfer von Joshua Kimmich ins Dortmunder Tor. Spiel verloren, Meisterschaft ebenfalls.

BVB-Torhüter Roman Bürki steht am Anfang des Dortmunder Untergangs, er ist wieder einmal «nur fast Weltklasse». Trainer Lucien Favre muss wieder einmal Kritik einstecken - zu Unrecht! Derweil macht ein anderer Schweizer im Schatten des Topspiels ganz viel Freude.

1. Wenn es wirklich zählt, kommt der Fehler - die Tragik in der Karriere des Roman Bürki

Die Feststellung zu Beginn ist wichtig: Roman Bürki, 29, ist ein hervorragender Torhüter. Einer, der ziemlich viele Bälle ziemlich spektakulär hält. Seine Flüge sind atemberaubend. Seine Paraden wunderbar anzuschauen.

Das Problem ist nur: Bürki ist auch ein Torhüter, der ziemlich häufig in entscheidenden Momenten danebengreift. Das wurde gestern wieder einmal deutlich. Sein Flop ermöglichte Bayerns Joshua Kimmich das Tor zum 1:0-Sieg im hochstehenden Topspiel der Bundesliga. Das Titelrennen ist damit vorbei, Bayern München hat sechs Runden vor Schluss sieben Punkte Vorsprung und wird die Meisterschale gewinnen.

Abgang Bürki.

Abgang Bürki.

BVB-Fans erinnern sich mit Schrecken an die Weihnachtszeit. Damals, als Corona in unserem Bewusstsein noch ein Bier war, sorgte Bürki im Spiel gegen Leipzig (3:3) mit einem kapitalen Fehler dafür, dass Dortmund der sicher geglaubte Sieg doch noch entglitt. Es war ein heftiger Dämpfer für die Titel-Ambitionen.

Womit wir zu Yann Sommer kommen. Und zu den Diskussionen, wer in der Schweiz der beste Torhüter ist. Seit Sommer 2014, also seit Vladimir Petkovic Nationaltrainer ist, ist Sommer die Nummer 1 der Nationalmannschaft. Über Jahre musste Bürki mit der Rolle als Nummer 2 leben. Nicht immer hatte er Verständnis dafür. Er äusserte sich immer wieder dahingehend, dass er einmal eine Chance verdient hätte. Anfangs 2019 trat er dann aus der Nati zurück, weil er genug hatte als Lückenbüsser.

Auch wenn es hart ist: Spiele wie gestern sind ein Fingerzeig, warum die Hierarchie in der Nati ist, wie sie ist. Gewisse Dinge ändern sich nicht. Wenn Bürki gegen Bayern spielt, ist häufig Drama dabei. «Bürki wie eine Gürki», titelte einst die «Bild» nach seinen Flops im Spitzenspiel. Das war vor 4,5 Jahren.

Anders Yann Sommer. Auch er ist nicht fehlerfrei, natürlich nicht, das ist kein Torhüter. Und doch verfestigt sich je länger desto mehr der Eindruck: Sommer ist dann am stärksten, wenn die grossen Spiele anstehen. Als Mönchengladbach in dieser Saison die Bayern besiegte (2:1), war Sommers Rettungstat gegen - Ironie der Geschichte - Joshua Kimmich in aller Munde. Einigen attestierten Sommer gar «Finger Gottes», weil er den Ball in letzter Sekunde noch daran hinderte, die Linie zu überqueren.

Und so ist das auch in der Nationalmannschaft. Sommer beweist immer wieder aufs Neue seinen Wert. In keinem einzigen wichtigen Spiel fiel er mit einem Flop auf. Die WM 2018 bleibt gar in Erinnerung, als das Turnier der tausend grossartigen Reflexe. Und darum bleibt die Feststellung: Der Unterschied zwischen «herausragend »und «weltklasse »ist klein - aber es gibt ihn. Roman Bürki und Yann Sommer sind das beste Beispiel dafür.

Die Chancen, dass Roman Bürki dereinst doch noch Nationaltorhüter wird, sind gestern nicht grösser geworden. Es sei denn, Sommer, 31 Jahre alt, tritt bald zurück.

2. Die ewigen Diskussionen um Lucien Favre - ungerecht und zum völlig falschen Zeitpunkt

Dortmund's head coach Lucien Favre attends the German Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and FC Bayern Munich in Dortmund, Germany, Tuesday, May 26, 2020. The German Bundesliga is the world's first major soccer league to resume after a two-month suspension because of the coronavirus pandemic. (Federico Gambarini/DPA via AP, Pool)

Dortmund's head coach Lucien Favre attends the German Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and FC Bayern Munich in Dortmund, Germany, Tuesday, May 26, 2020. The German Bundesliga is the world's first major soccer league to resume after a two-month suspension because of the coronavirus pandemic. (Federico Gambarini/DPA via AP, Pool)

Dass die ewigen Diskussionen auftauchen würden, davon musste man ja fast ausgehen. Immer wenn Dortmund gegen Bayern verliert, braucht es schnell Schuldige. Und dass der Trainer ein beliebtes Opfer ist, ist auch klar, zumal dann, wenn er Lucien Favre heisst und mit einem zurückhaltenden, ja übervorsichtigen Gemüt gesegnet ist, das vielen Meinungsmachern ein Dorn im Auge ist.

Aber dass es so schnell geht? Das war dann doch überraschend.

Der Reporter von «Sky» versuchte, seinen Frontalangriff auf Favre in einer verklausulierten Frage zu verstecken. Ob er denn nicht Angst habe, dass nun die Diskussion wieder losgehe, dass er, Favre, Dortmund einfach nicht zum Titel coachen könne, fragte der Reporter. Favre verstand genau. Und machte dann, was er immer wieder tut: Er erzeugte Rätsel, indem er andeutete, in ein paar Wochen über seine Zukunft zu reden.

Damit wiederum war der Ton für die Meinungsmacher gesetzt: Tritt Favre zurück?, war nun sofort da und dort, ja fast überall zu lesen. Und der mögliche Nachfolger soll auch schon feststehen: Ex-Bayern Trainer Nico Kovac.

Natürlich, es war eine schmerzhafte Niederlage des BVB gegen Bayern. Natürlich, es ist Favre wieder einmal nicht gelungen, das grosse Ausrufezeichen zu setzen. «Wieder nur fast erfolgreich», schrieb die «Süddeutsche Zeitung». Aber die Bilanz der Dortmunder ist trotz nun sieben Punkten Rückstand auf die Bayern gut. Insbesondere in der Rückrunde haben sie durchwegs überzeugt (vor dem Bayern-Spiel neun Siege aus zehn Partien) . Und auch der Auftritt gestern war in der Summe ganz gut.

Nein, diese Dortmunder Niederlage reicht nicht, um ein Trainer-Problem heraufzubeschwören. Im Gegenteil. Favre ist gerade daran, die fragilen Dortmunder Puzzleteile zu einem grossen Ganzen zusammenzubasteln. Die Verantwortlichen tun gut daran, ihm den Rücken zu stärken. Favre wird das Vertrauen belohnen. Und - die Behauptung sei gewagt - das «Projekt Meisterschale» erfolgreich zu Ende bringen.

Die Frage ist einfach, ob Fakten und sportliche Überlegungen in Dortmund noch ausschlaggebend sind in der Favre-Frage.

3. Ein Schweizer in grosser Form - die Verwandlung des Renato Steffen

Wieder ein Tor per Kopf: Renato Steffen steuert zum 4:1-Sieg seines Vfl Wolfsburg in Leverkusen das 3:0 bei.

Wieder ein Tor per Kopf: Renato Steffen steuert zum 4:1-Sieg seines Vfl Wolfsburg in Leverkusen das 3:0 bei.

Nein, Renato Steffen ist nicht der grösste Fussballer der Bundesliga. 1,70 Meter misst er. Allein, es hat ihn nicht gehindert, in den letzten drei Spielen zwei wunderbare Kopfballtore zu erzielen.

Und nicht nur das: Steffen startet in Wolfsburg gerade so richtig durch. Aus dem Ergänzungsspieler ist ein Leistungsträger geworden. Einer, der mit Schnelligkeit, Kreativität und Tordrang überzeugt. Bereits sechs Tore hat er 2020 für sein Team erzielt. Mehr als jeder andere Schweizer in den grossen Ligen.

Das sind auch für Vladimir Petkovic erfreuliche Nachrichten.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1