EM-Qualifikation

Wahnsinns-Aufholjagd vom 0:2 zum 3:2 – die EM ist zum Greifen nah

Bis zur 80. Minute lag die Schweiz noch mit 0:2 zurück. Dann stachen die Joker Drmic und Stocker. Drmic sorgte mit seinem zweiten Treffer in der Nachspielzeit für den 3:2-Sieg.

Um 22:39 Uhr ist der Wahnsinn komplett. Ein letzter Ball fliegt in die Mitte. Es steht 2:2, eigentlich ist es jetzt schon ein gutes Resultat. Weil die Schweiz nach 80 Minuten scheinbar am Boden liegt, 0:2 zurückliegt und die EM plötzlich wieder in Gefahr gerät.

Aber das Schicksal hat einen anderen Plan. Der Ball fliegt und kommt vor die Füsse von Josip Drmic. Und tatsächlich, Drmic trifft, 3:2! Die grosse Wende ist vollendet. Die Schweiz siegt. Draussen an der Linie streckt Trainer Vladimir Petkovic seine Hände in den Himmel.

All in mit grossem Risiko

Es ist sein wichtigster Sieg als Nationaltrainer. Eine Niederlage hätte Fragen provoziert. Weil Petkovic im Stil eines Pokerspielers «all in» gegangen ist. Er hat Captain Gökhan Inler draussen gelassen und Granit Xhaka zum Chef befördert. Eine Massnahme, die sich in Zukunft ganz bestimmt auszahlen wird. Aber der Start ist unglücklich. Plötzlich liegt die Schweiz 0:2 hinten. Wie weiter?

Es sind die Momente im St. Jakob Park, in denen die Pfiffe gellend werden. Nach dem 0:2 in der 50. Minute könnte gar das dritte Gegentor fallen. Es fällt aber nicht, weil Torhüter Yann Sommer – wie immer eigentlich – mirakulös hält.

Der Joker zur richtigen Zeit ausgespielt

Es läuft die 80. Minute. Auftritt Petkovic zum Letzten. Er wechselt Valentin Stocker ein. Es ist sein letzter Trumpf. Und tatsächlich, schon zehn Sekunden später liegt der Ball im Tor. Stocker passt auf Embolo, dieser lanciert Drmic – nur noch 1:2. Doch noch Hoffnung?

Ja. Weil die Schweiz plötzlich eine unglaubliche Leidenschaft ausstrahlt. Der Funken springt aufs Publikum. Schär verpasst eine erste Chance in der Mitte. Er hätte damit beinahe seinen schweren Fehler der ersten Halbzeit, der das 0:1 provozierte, wieder gutgemacht.

Embolo, auch er eingewechselt, auch er ziemlich rasch mit Einfluss, holt einen Eckball raus. Die Slowenen können befreien. Aber dann folgt ein Genieblitz von Xhaka und Shaqiri. Die beiden sorgen dafür, dass Stocker im Strafraum völlig frei abschliessen kann. Der Luzerner trifft mit rechts zum 2:2. Noch sind keine vier Minuten vergangen seit seiner Einwechslung.

Mit viel Glück um einen Penalty herumgekommen

Petkovic hält jetzt seine Finger an den Kopf. Nur nicht den Kopf verlieren! Lieber ein Unentschieden retten als unnötig spät noch zu verlieren. Und tatsächlich kommen die Slowenen noch zu einem Konter. Der Ball irrt durch die Schweizer Abwehrreihen. Und eigentlich hätte sich niemand beklagen dürfen, wenn der eher schwache Schiedsrichter Kralovec noch einen Penalty für die Slowenen gegeben hätte.

Das Schicksal hat sich anders entschieden. Für die Schweiz. Für Petkovic. Für den schöneren Fussball. Natürlich, es war vieles nicht gut an diesem Abend. Dass beide Innenverteidiger mit nachlässigem Verteidigen je ein Tor verschulden zum Beispiel. Dass das Schweizer Spiel lange viel zu statisch ist. Aber in einer Phase der Entwicklung, in der sich die Schweiz derzeit befindet, kann das eben vorkommen.

Es ist ein gutes Zeichen, wenn Aufholjagden gelingen. Es ist schon die zweite nach dem Spiel gegen Litauen im letzten Juni. Und es ist ein gutes Zeichen, wenn der Trainer auf der Bank starke Kräfte hat, die dem Spiel eine entscheidende Wende geben können. Wie gestern Stocker, Drmic und Embolo.

Mit einem Bein an der Europameisterschaft

Am Dienstag folgt nun der Auftritt im Wembley gegen England. Ein Punkt dürfte nach menschlichem Ermessen für die direkte EM-Qualifikation reichen. Auch wenn das nicht gelingen sollte. Es spricht derzeit ganz vieles dafür, dass die Schweiz im kommenden Sommer in Frankreich vertreten ist. Mit einer Mannschaft überdies, die zu begeistern weiss. Alleine die letzten zehn Minuten gestern in Basel machen sehr viel Lust auf weitere Schweizer Höhenflüge.

Telegramm:  

Schweiz - Slowenien 3:2 (0:1). - St.-Jakob-Park, Basel. - 25'750 Zuschauer. - SR Kralovec (Tsch). - Tore: 45. Novakovic (Ilicic) 0:1. 48. Cesar (Corner Birsa) 0:2. 80. Drmic (Embolo) 1:2. 83. Stocker (Shaqiri) 2:2. 94. Drmic (Schär) 3:2.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Klose, Rodriguez; Behrami, Xhaka, Dzemaili (66. Drmic); Mehmedi (57. Embolo), Shaqiri, Seferovic (80. Stocker).

Slowenien: Handanovic; Struna, Ilic, Cesar, Jokic; Kurtic, Stevanovic; Kampl, Ilicic (90. Samardzic), Birsa (82. Krhin); Novakovic (58. Pecnik).

Bemerkungen: Schweiz ohne Djourou (verletzt). Verwarnungen: 24. Kampl (Foul). 35. Novakovic (Foul). 55. Schär (Foul). 65. Lichtsteiner (Schwalbe). 65. Dzemaili (Reklamieren). 65. Behrami (Reklamieren). 65. Handanovic (Foul). 65. Pecnik (Foul). 88. Ilicic (Unsportlichkeit).

Das verrückte Spiel zum Nachlesen in unserem Liveticker:

Nati-Ticker

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