NHL
Vor dem Start der NHL-Playoffs: «Nehmt euch in Acht vor den Hurricanes»

In der Nacht auf Donnerstag beginnen die NHL-Playoffs. Acht Schweizer versuchen, ihren Teams zum Stanley Cup zu verhelfen. Die Carolina Hurricanes mit Nino Niederreiter gehen dabei als gefährlicher Aussenseiter ins Rennen.

Marcel Kuchta
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Nino Niederreiter blickt zuversichtlich Richtung Playoffs.

Nino Niederreiter blickt zuversichtlich Richtung Playoffs.

KEYSTONE

Sie sind die eigentliche «Cinderella-Story», die märchenhafte Geschichte der laufenden NHL-Saison: die Carolina Hurricanes. Die Mannschaft aus Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina hat sich erstmals seit zehn Jahren wieder für die Playoffs qualifiziert. Ein Unterfangen, das man zu Meisterschaftsbeginn noch als fast unlösbar einstufen musste, bewältigten die Hurrikane auf bravouröse Art und Weise.

Mitten drin, sozusagen im Auge des Hurrikans, stand mit Nino Niederreiter in den vergangenen drei Monaten auch ein Schweizer. Der Churer war im Januar von den Minnesota Wild nach Carolina transferiert worden. Ein Wechsel, der sich sowohl für den Spieler als auch für den Klub als absoluter Glücksgriff erwies.

Zum Zeitpunkt, als Niederreiter an die Ostküste der Staaten kam, war die Mannschaft in der Tabelle deutlich ausserhalb der Playoff-Plätze klassiert. Die Perspektiven waren für das Team des neuen Headcoachs Rod Brind’Amour alles andere als rosig. Niederreiter seinerseits hatte bei Minnesota schwierige Zeiten erlebt, kam nie richtig auf Touren und verlor schliesslich das Vertrauen von Trainer Bruce Boudreau. Eine Kombination, die dazu führte, dass der kräftige Flügelstürmer von Wild-GM Paul Fenton im Tausch für den Schweden Victor Rask nach Carolina verfrachtet wurde.

Ein Transfer wie ein Raub

Jetzt, drei Monate später, stufen Beobachter diesen Trade als «Raub» ein. Niederreiter lief in seiner neuen Umgebung zu absoluter Hochform auf. Hatte er für Minnesota in 46 Spielen lediglich 23 Skorerpunkte (9 Tore) gebucht, so waren es für die Hurricanes in 36 Spielen deren 30 (14 Tore). An der Seite des finnischen Superstars Sebastian Aho fühlte sich der 27-Jährige sichtlich wohl.

Und noch viel wichtiger: Mit Nino Niederreiter in der Mannschaft nahm Carolina Anlauf zu einem unwahrscheinlichen Schlussspurt, der in der Playoff-Qualifikation mündete. 23 der 35 Spiele mit dem Bündner in der Aufstellung gewann man. Das kann kein Zufall sein.

Auch deshalb gelten die Hurricanes in den in der Nacht auf Donnerstag beginnenden Playoffs als gefährlicher Aussenseiter. Auch wenn es der Erstrunden-Gegner in sich hat. Das ist niemand Geringeres als der Titelverteidiger Washington Capitals. Doch Carolina hat mit seinem eindrucksvollen Steigerungslauf bewiesen, dass sich die Mannschaft vor keinem Kontrahenten verstecken muss. Nicht umsonst heisst das Motto der Hurricanes: «Take warning» – «nehmt euch in acht!»

Trotz der wunderbaren Geschichte, die Carolina bisher geschrieben hat, ist nicht anzunehmen, dass der begehrte Stanley Cup zum zweiten Mal nach 2006 wieder nach Raleigh wandert. Da ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass endlich mal die Nashville Predators mit ihren Schweizer Verteidigern Roman Josi und Yannick Weber zum Zug kommen.

Nebenrolle für weitere Schweizer

Die Mannschaft um Captain Josi, die in der ersten Runde auf die Dallas Stars trifft, gewann die umkämpfte Central Division und gehört in der Western Conference zu den grössten Titelanwärtern. Dasselbe gilt für Timo Meier und die San Jose Sharks, denen sich als erste Hürde der Vorjahresfinalist aus Las Vegas in den Weg stellt. Die Haie gehören, wie Nashville, seit Jahren zu den Topteams der NHL, warten aber immer noch auf den Gewinn der begehrten Trophäe.

Holt Roman Josi mit den Nashville Predators den begehrten Stanley Cup?

Holt Roman Josi mit den Nashville Predators den begehrten Stanley Cup?

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Die restlichen Schweizer Spieler, die mit ihren Teams in den Playoffs am Werk sind, spielen mehrheitlich Nebenrollen. Dean Kukan hat sich bei den Columbus Blue Jackets zuletzt zwar einen Stammplatz erkämpft. Aber in der ersten Runde wartet mit dem überlegenen Qualisieger und grossen Titelfavoriten Tampa Bay Lightning eine wohl unüberwindbare Hürde. Auch Sven Andrighetto trifft mit Colorado gleich auf die beste Mannschaft der Western Conference. Gegen die Calgary Flames werden es die Avalanche schwer haben.

Jonas Siegenthaler dürfte, wenn überhaupt, erst im Verlauf der Playoffs wieder für die Washington Capitals zum Einsatz kommen. Luca Sbisa spielte in den Planungen der New York Islanders zuletzt keine Rolle mehr und wird sich mehrheitlich mit einem Tribünenplatz zufrieden geben müssen.

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