Von Null an die Turn-WM

Die beiden EM-Medaillengewinner Christian Baumann und Pablo Brägger kehren an den Kunstturn-Weltmeisterschaften in Doha nach Verletzungspausen aufs internationale Parkett zurück.

Muriel Fiechter Oberholzer (SDA)
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Christian Baumann beim Training am Reck. (Bild: Thomas Schreyer/freshfocus (Doha, 21. Oktober 2018))

Christian Baumann beim Training am Reck. (Bild: Thomas Schreyer/freshfocus (Doha, 21. Oktober 2018))

Vor dem WM-Start präsentierte sich die komplette Schweizer Kunstturn-Elite nochmals der Öffentlichkeit, bevor sie hinter verschlossenen Türen die letzte Phase der WM-Vorbereitung in Angriff nahm. Im sechs Turner umfassenden Team stehen auch zwei, die eine längere Verletzungspause hinter sich haben: Christian Baumann und Pablo Brägger. Sie müssen innert kürzester Zeit sozusagen von Null auf WM-Niveau kommen.

Christian Baumann ist bereit

Der dreifache EM-Medaillengewinner Baumann konnte wegen mehrerer Blessuren - darunter ein Ermüdungsbruch am Handgelenk - ein Jahr lang keine Ernstkämpfe bestreiten. Erst an den Schweizer Meisterschaften vor wenigen Wochen gab der 23-jährige Aargauer sein Comeback und wurde im Mehrkampf Dritter. Baumann wählt seine Worte mit Bedacht, wenn er von seiner derzeitigen Form spricht: «Ich fühle mich bereit. Die Testdurchgänge und die letzten Wettkämpfe liefen sehr gut.»

Die Schweizer Meisterschaften seien ein guter Einstieg für ihn gewesen, so Baumann. «Bei keinem Gerät fehlt viel Luft nach oben. Die grössten Fehler machte ich noch bei den Ständen, die am Boden ein wichtiges Element sind. Daran muss ich noch arbeiten und mehr Routine hineinbringen.»

Einfachere Übungen wegen Verletzungen

Während der langen Verletzungspause sei es für ihn wichtig gewesen, die Motivation und den Fokus zu behalten. Nun ist es sein Ziel, an der WM die Leistung zu zeigen, zu der er fähig ist. «Falls ich den Mehrkampf turnen kann, wäre mein Ziel ein Platz in den Top 16. Ein Gerätefinal wird für mich in diesem Jahr schwierig, da ich derzeit aufgrund der überstandenen Verletzungen einfache Übungen turne.» Auf die Frage, ob Baumann den «Baumann», ein nach ihm benanntes Element am Barren, an der WM zeigen wird, muss der Aargauer lachen: «Das ist eine Überraschung, aber ich denke eher nicht.»

Pablo Bräggers Suche nach der perfekten Übung

Pablo Brägger bereitet sich auf einen Einsatz am Barren vor. (Bild: Thomas Schreyer/freshfocus (Doha, 21. Oktober 2018))

Pablo Brägger bereitet sich auf einen Einsatz am Barren vor. (Bild: Thomas Schreyer/freshfocus (Doha, 21. Oktober 2018))

Etwas weniger lang als Baumann musste Pablo Brägger pausieren. Der Ostschweizer konnte 2017 noch die Europameisterschaften bestreiten und holte dabei den Titel am Reck. Doch dann begann für den 25-Jährigen eine lange Leidenszeit. Zuerst musste er sich einer Arthroskopie am Knie unterziehen, dann kam eine Fingerverletzung dazu und schliesslich noch ein lädiertes Handgelenk. «Das Schwierigste war, dass in dieser Zeit eine Verletzung nach der anderen kam. Ich wurde immer wieder ausgebremst und musste mir Zeit nehmen, um wieder fit zu werden», blickt Brägger auf die schwierigen letzten Monate zurück.

Mit seinem derzeitigen Formstand ist Brägger zufrieden, auch wenn es noch nicht die Topform ist, die er sich wünscht. Von der Operation am Knie spürt er nichts mehr. Dass er wieder zurück ist, bewies er im September, als er an den Schweizer Meisterschaften den Mehrkampf-Titel gewann. Doch Brägger gibt auch zu: «An den Schweizer Meisterschaften war ich nach der langen Vorbereitung müde, die Übungen waren etwas lahm.» Wenn man gewisse Schwierigkeiten turne, würden schneller Fehler passieren.

Was fehlt denn dem Europameister am Reck noch zu einer WM-Medaille? «Das Programm muss sicher geturnt werden. Es kommt darauf an, ob man am Tag X das volle Potenzial abrufen kann. Und natürlich braucht es auch noch ein Quentchen Glück», resümiert Brägger. Er setzt sich kein Rangziel an der WM, sondern will alle seine Übungen sauber durchturnen - die perfekte Übung zeigen. Am besten am letzten Wettkampftag - dann findet der Final in Bräggers Paradedisziplin, dem Reck, statt.