Tour de Suisse
Hirschis sucht nach seiner Topform – Was ist beim Schweizer Rad-Aushängeschild los?

Marc Hirschi galt als Schweizer Hoffnung an der Tour de Suisse. Seine Auftritte sind aber eher enttäuschend. Er hofft, seine Topform bis zur Tour de France zu finden.

Raphael Gutzwiller
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Marc Hirschi beendet die 6. Etappe der Tour de Suisse als 15.

Marc Hirschi beendet die 6. Etappe der Tour de Suisse als 15.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Marc Hirschi leidet in dieser 6. Etappe der diesjährigen Tour de Suisse. Immer wieder kämpft sich der Berner an die Verfolgergruppe heran, die später zur Spitzengruppe wird. Doch als das Tempo in den letzten zehn Kilometern nochmals erhöht wird, verliert Hirschi den Anschluss. In den Kampf um den Tagessieg ist der Schweizer Radstar wieder nicht involviert.

Im Zielraum in Disentis flammt nach der Etappe Hektik darüber auf, wer die Etappe gewonnen hat. Hirschis Teamkollege Rui Costa fährt zwar als Erster über die Linie, hat jedoch seinen Konkurrenten Andreas Kron abgedrängt. Der Sieg wird Costa aberkannt. Hirschi fährt 1:15 später ins Ziel.

Es ist eine bessere Etappe gewesen für den 22-jährigen Berner als noch am Vortag, an dem er deutlich zurückgebunden wurde. «Mit ein bisschen mehr Glück wäre sogar mehr möglich gewesen», sagt er. Doch vergleicht man seine Form mit jener im letzten Jahr, als er an der Tour de France eine Etappe gewann und als aktivster Fahrer ausgezeichnet wurde, scheint noch Luft nach oben.

Marc Hirschi bei seinem Etappensieg an der letztjährigen Tour de France.

Marc Hirschi bei seinem Etappensieg an der letztjährigen Tour de France.

Julien Warnand / EPA

Die Schweiz wartet seit 2009 auf einen Tour-Sieger

Hirschi ist ein Klassiker-Spezialist, der durch seine guten Auftritte an der Tour de France schon angedeutet hat, dass auch an Rundfahrten mit ihm zu rechnen ist. «Es ist Potenzial vorhanden, ich brauche aber ein bisschen Zeit», sagt er. Dennoch sahen in ihm schon einige einen Mitfavoriten auf den Tour-de-Suisse-Sieg. Fahrerkollege Michael Schär äusserte sich im «Blick»: «Ich glaube, dass Marc es schaffen kann mit dem Tour-Sieg. Und wenn es ihm nicht in diesem Jahr gelingt, dann in den nächsten.» Seit 2009 und dem Triumph von Fabian Cancellara wartet die Schweiz auf einen Sieger der Tour de Suisse.

Ist schon nach dem Zeitfahren enttäuscht: Marc Hirschi.

Ist schon nach dem Zeitfahren enttäuscht: Marc Hirschi.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Andere Schweizer sorgen an dieser Tour de Suisse für Schlagzeilen: Allen voran Stefan Küng und Stefan Bissegger, die beide eine Etappe gewinnen konnten. Für Hirschi startet die Tour derweil mit einer Enttäuschung im Zeitfahren. Der Rückstand ist riesig. Und in der zweiten und dritten Etappe, die wie gemacht für Hirschi schienen, musste er die Show dem Niederländer Mathieu van der Poel überlassen. Immerhin klassierte sich der Berner in jenen Etappen auf dem Fünften und dem 14. Rang. Hirschi sagt, er fühle sich nicht schlechter als im Vorjahr: «Die Form ist vergleichbar mit jener der Critérium du Dauphiné aus dem Vorjahr.» Diese bestritt er im letzten Jahr als Vorbereitung auf die Tour de France.

Der Fokus liegt auf den Olympischen Spielen

Dennoch scheint es so, als sei Hirschi in dieser Saison noch nicht richtig in die Gänge gekommen. Im Winter gehörten die Schlagzeilen seinem Wechsel von Sunweb zum Team UAE Emirates. Nach dem Rummel um seine Person kämpfte er mit kleineren Problemen: mit seinem Fuss, dem Material, und entfernten Weisheitszähnen. Und als mit den Frühjahrsklassikern die ersten Highlights anstanden, kam Pech dazu. Der Titelverteidiger musste an der Flèche Walonne wegen eines positiven Tests in seinem Team passen. Immerhin überzeugte er bei Lüttich–Bastogne–Lüttich mit dem sechsten Rang, während Teamkollege Tadej Pogacar siegte. An der Tour de Romandie und bisher auch an der Tour de Suisse verpasste er aber den erhofften Etappensieg.

Wie fit ist Marc Hirschi?

Wie fit ist Marc Hirschi?

Claudio De Capitani (Ittigen, 26. Januar 2021

Tragisch ist die Formbaisse Hirschis nicht. Sein Fokus liegt auf der Tour de France und auf Tokio. Er sagt: «In diesem Jahr wäre eine olympische Medaille möglich zu holen, 2024 in Paris liegt mir die Strecke aber nicht. Und dann bin ich vielleicht schon zu alt.»

Mit diesem Ziel im Hinterkopf absolvierte Hirschi ein Höhentrainingslager im französischen Val d’Isère direkt vor der Tour de Suisse. Meist dauert es danach ein paar Wochen bis zur Topform. Vielleicht kommt sie gerade pünktlich.

Resultate

84. Tour de Suisse. 6. Etappe (Andermatt – Disentis, 130 km): 1. Kron 3:14:52. 2. Costa gleiche Zeit. 3. Pernsteiner +0:01. Ferner: 15. Hirschi +1:15. 23. Schär +2:49. 38. Dillier +2:49. 70. Küng +12:53. 74. Thalmann +12.53. 81. Mäder +12:53. 82. Jacobs +12:53. 85. Frankiny +12.53.

Gesamtwertung: 1. Carapaz 20:00:31. 2. Fuglsang +26. 3. Schachmann +38. Ferner: 32. Hirschi +13.49. 36. Dillier +16.07. 43. Küng +20.21. 46. Mäder +21.40. 52. Thalmann +24.07. 53. Schär +24.12.

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