Tour de Suisse
Der magische Mathieu van der Poel: Wie der Alleskönner zum Start die Tour de Suisse dominiert

Mathieu van der Poel dominiert die ersten Etappen der Tour de Suisse. In jeder anderen Disziplin gehört er auch zu den Besten. Olympiagold will er aber auf dem Mountainbike.

Raphael Gutzwiller
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Erneuter Jubel bei Mathieu van der Poel.

Erneuter Jubel bei Mathieu van der Poel.

Urs Lindt / freshfocus

Es sieht so einfach aus. Mathieu van der Poel setzt 200 Meter vor dem Ziel zum Schlusssprint an, entledigt sich mühelos seinen Verfolgern und fährt schliesslich alleine die letzten Metern ins Ziel. Vor der Linie ballt er die rechte Faust in die Luft. Wieder hat er es geschafft. Dieser unglaubliche fliegende Holländer.

Nach der zweiten gewinnt van der Poel auch die dritte Etappe der diesjährigen Tour de Suisse. Selbst Weltmeister Julian Alaphilippe und von vielen als Topfavorit auf den Tour-Sieg gehandelt, kann van der Poel im Schlusssprint wenig entgegen setzen. Van der Poel übernimmt von Stefan Küng das gelbe Leadertrikot, ist gleichzeitig neuer Punkteleader. Der Mann der ersten Tagen der Tour de Suisse.

In jeder Disziplin ist er Weltklasse

Ein gefragter Mannn: Mathieu van der Poel.

Ein gefragter Mannn: Mathieu van der Poel.

Koen Van Weel / EPA

Aber «Magic Mathieu», wie ihn der Tour-Sprecher ausruft, ist so viel mehr. Er ist der Alleskönnern unter den Velofahrern. Egal bei welcher Unterlage: van der Poel ist Weltklasse. Anfang Jahr krönte er sich bereits zum vierten Mal zum Weltmeister im Radquer. Im Sommer greift er an den Olympischen Spielen nach Gold im Mountainbike. Zuvor absolviert er aber noch die Tour de France. Ein Mamutprogramm. Obwohl viele Experten im ewigen Wechseln der Disziplinen eine Gefahr sehen: Der Erfolg bleibt bisher konstant da. Wie es möglich ist, so viele Rennen zu absolvieren und in jeder Disziplin zu den besten zu gehören, ist unglaublich.

Doch die Erfolge des in Belgien geborenen Holländers kommen nicht von ungefähr. Als Sohn von Adrie van der Poel, dem Sieger der Flandernrundfahrt 1986, und als Enkel der französischen Radsportlegende Raymond Poulidor wurde ihm das Talent in die Wiege gelegt. Dazu kommt die richtige Ausbildung. Statt früh auf eine Disziplin zu setzen, absolvierte van der Poel vieles nebeineinader. Er steht sinnbildlich für die junge Generation der Radfahrer. In der Saison 2012/13 bestreitet er in Juniorenkategorien insgesamt 32 Rennen – und siegt 32 Mal. Mit 20 krönt er sich in der Elite seiner Lieblingsdisziplin Radquer zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten. Das Gewinnen ist Van der Poel längst gewohnt.

Im Radquer ist van der Poel vierfacher Weltmeister.

Im Radquer ist van der Poel vierfacher Weltmeister.

Claudio Thoma / Freshfocus

Was Schurter über seinen Konkurrenten sagt

Und so kann sein Ziel für Tokio auf dem Mountainbike nur Gold lauten. Seine ärgsten Konkurrenten dazu sind neben dem Briten Tom Pidcock die beiden Schweizer Mathias Flückiger und Nino Schurter. Wenn der langjährige Bike-Dominator Schurter über van der Poel spricht, ist der Respekt gross: «Was Mathieu zeigt, ist schon extrem eindrücklich. Er ist überall Weltklasse und enorm schwierig zu schlagen.»

Auf der Strasse fällt van der Poel immer wieder durch seine freche Fahrweise auf. Manchmal geht er ungewohnt grosse Risiken. In dieser dritten Etappe der Tour de Suisse wird dies ebenfalls sichtbar. Obwohl sich van der Poel auf seinen guten Schlusssprint verlassen könnte, der ihn schon am Vortag zum Sieg verholfen hat, greift er im Feld schon 25 Kilometer vor dem Ziel an – wird einen Teil des Feldes aber nicht los. Genug Körner für den Schlusssprint hat er gleichwohl noch.

Hat genug Körner für den Schlussprint: Mathieu van der Poel.

Hat genug Körner für den Schlussprint: Mathieu van der Poel.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Gefragt zu ähnlichen Angriffen erklärte van der Poel auch schon, dass ihm einfach kalt gewesen sei. Von aussen wirkt es auch mal so, dass es ihn langweile gemütlich im Feld zu fahren. Diesmal erklärt er, dass er das Rennen habe härter machen wollen für seine Konkurrenten. «Ich habe im Schlusssprint die besten Chancen, wenn nur noch wenig übrig sind», sagte er.

Die 4. Etappe von St. Urban nach Gstaad gilt als leichtere bevor es in die Berge geht. Was ist da für ihn möglich? «Alles. Einer muss ja gewinnen. Warum nicht wieder ich?», fragt Mathieu van der Poel und lächelt.

Resultate

84. Tour de Suisse. 3. Etappe (Lachen SZ – Pfaffnau, 185 km): 1. van der Poel 4:24:26. 2. Laporte gleiche Zeit. 3. Alaphilippe. Ferner: 18. Hirschi. 32. Küng. 33. Thalmann.

Gesamtwertung: 1. Van der Poel 8:49:14. 2.Alaphilippe 0:01. 3. Küng 0:04. 14. Hirschi 0:52. 40. Mäder 2:06.

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