Tor-Gate im Kybunpark
Vieles richtig gemacht: Die St.Galler erhalten nach der Torpanne Lob von der Uefa +++ Weiter bleibt offen, wie es zum Malheur kam +++ Die Nati und der FC St.Gallen kommen um eine Busse herum

Noch bevor das Spiel gegen Litauen am Sonntag starten konnte, musste im Kybunpark ein Tor ausgetauscht werden, weil es einige Zentimeter zu hoch war. Noch immer ist nicht klar, wie es soweit kommen konnte. Jedenfalls müssen sich die St.Galler nicht nur Gespött anhören. Es gibt auch Schulterklopfer. Und eine Busse von der Fifa wird es nicht geben.

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Das Tor musste ausgewechselt werden.

Das Tor musste ausgewechselt werden.

Bild: Keystone

(chs/rst) Man kennt das Problem: Der Sonnenschirm verkantet immer und immer wieder, wenn man ihn in das dafür vorgesehene Rohr stecken will. Mit einer ähnlichen Herausforderung hatten am Sonntagabend die Platzmanager im Kybunpark zu tun – mit ungleich mehr Zuschauern.

Kurz vor Anpfiff des WM-Qualifikationsspiels zwischen der Schweiz und Litauen war aufgefallen: Ein Tor steht schief, ist auf einer Seite rund zehn Zentimeter zu hoch. Versuche, das Goal wieder richtig einzustecken, scheiterten. Schnell musste ein neues Tor her. 18 Minuten zu spät wurde die Partie schliesslich angepfiffen.

Silvan Widmer: «So etwas habe ich noch nie erlebt»

Auch am Tag nach dem Spiel ist die mysteriöse Goalgeschichte Thema, mit einer guten Portion Humor in den Medien, aber auch an der Pressekonferenz der Schweizer Nationalmannschaft.

Silvan Widmer beim 1:0-Sieg gegen Litauen im Kybunpark.

Silvan Widmer beim 1:0-Sieg gegen Litauen im Kybunpark.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Verteidiger Silvan Widmer sagte: «Nach dem Spiel haben wir darüber ein wenig gewitzelt. Kurz vor dem Spiel war es natürlich nicht lustig. So etwas habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt. Wenn es dann losgeht, geht es darum, dass die Spannung trotzdem hoch ist.»

Fehler erkannt und schnell darauf reagiert

Auch jetzt, da das Gespött in sozialen Medien und der Presse langsam wieder verklingt, können die Verantwortlichen in St.Gallen nicht mit Sicherheit sagen, wo das Problem genau lag. «Wir können uns das Ganze nicht erklären», sagt David Gadze, der Mediensprecher des FC St.Gallen. Er rekonstruiert nochmals den Ablauf vor dem Spiel am Sonntag: Um 10 Uhr habe die Abnahme des Platzes durch den Uefa-Commissioner stattgefunden. Dabei sei nichts beanstandet worden. Auch beim Warmup der Mannschaften, rund eine Stunde vor Spielbeginn, hätten weder die Schiedsrichter noch der vierte Offizielle Mängel festgestellt. Erst kurz vor Ende des Warmups habe der Goalietrainer der Schweizer Nati bemerkt, dass ein Tor rund fünf Zentimeter zu hoch gewesen sei. Auch den Verantwortlichen des FC St.Gallen seien vor der Freigabe des Spielfeldes für das Warmup keine Mängel aufgefallen.

David Gadze, Leiter Medien und Kommunikation des FCSG

David Gadze, Leiter Medien und Kommunikation des FCSG

Bild: freshfocus

Im Kybunpark gibt es vier Einstecktore, die zum Einsatz kommen – zwei mit grünweissem Netz für die Meisterschaftsspiele und zwei weisse. Mit allen Toren werde schon jahrelang gespielt, so Gadze. Die weissen Tore sind bei Länderspielen im Einsatz – und waren es unter anderem auch, als der FC Lugano im Herbst 2019 die Europa-League-Gruppenspiele im Kybunpark austrug. Dort wurde die Hawk-Eye-Torlinientechnologie angewendet – beanstandet wurde nie etwas.

Kurz vor Ende des Warmups

Eine Vermutung bleibt: Durch Schüsse auf die Torumrandung beim Aufwärmen – oder durch eine Goalieaktion, zum Beispiel einen Schlag an die Latte – muss das Tor verschoben worden sein. Ein Szenario, welches die Uefa- und Fifa-Verantwortlichenden dem SFV als mögliche Erklärung geliefert haben. «Gemäss der nachträglichen Rapporte der Fifa ist es die plausibelste Erklärung», sagt Adrian Arnold, der Kommunikationsverantwortliche des Schweizerischen Fussballverbands (SFV).

Die Höhe des grünweissen Tors wird kontrolliert.

Die Höhe des grünweissen Tors wird kontrolliert.

Bild: Keystone

«Die Sache wird als Kuriosum in die Geschichte der Nationalmannschaft eingehen», sagt Arnold, der die Sache ebenfalls mit einer guten Portion Humor nimmt. Der SFV sei weit davon entfernt, den Verantwortlichen in St. Gallen einen Vorwurf zu machen. Und seitens der Uefa sei Lob eingegangen dafür, dass man in St. Gallen den Fehler erkannt und schnell darauf reagiert habe. Auch hatten sich die St. Galler umgehend bei allen Beteiligten für die entstandenen Umstände entschuldigt.

Busse soll abgewendet sein

Dennoch blieb zunächst offen, ob der SFV oder die St.Galler Stadionbetreiber noch mit einer Busse wegen des verspäteten Anpfiffs zu rechnen haben würden. Arnold betont, dass keine Proteste eingingen, auch von litauischer Seite nicht. Am Montagabend schliesslich gab es Entwarnung. Gemäss übereinstimmenden Medienberichten verzichtet die Fifa auf Sanktionen.

Mit Sicherheit werde der Vorfall die gute Zusammenarbeit mit den St.Gallern nicht belasten, sagt Arnold. Als Austragungsort für Natispiele dürfte der Kybunpark seinen guten Ruf behalten. Schon am Mittwoch ist Finnland im Testspiel im Kybunpark zu Gast. Bis dahin soll das fehlerhafte Tor wieder eingesteckt und überprüft werden und gegebenenfalls wieder zum Einsatz kommen, sagt Gadze. Immerhin: Das eigensinnige Tor wäre dann quasi rehabilitiert.

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