Tennis
Belinda Bencic beendet klammheimlich die Saison

Belinda Bencic hat die Saison beendet – und kaum einer hats bemerkt. Bezeichnend für ihre Krisen-Saison, in der sie aus den Top Ten auf Platz 43 abrutschte.

Silvan Hartmann
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Belinda Bencic beendet ihre Saison ohne grosses Aufsehen vorzeitig.

Belinda Bencic beendet ihre Saison ohne grosses Aufsehen vorzeitig.

KEYSTONE/APA/BARBARA GINDL

21 Turniere hat Belinda Bencic in dieser Saison bestritten – und dabei eine erschreckende Bilanz aufgestellt: Zwölf Mal wurde sie bereits in ihrem Startspiel bezwungen. Das nagt nicht nur am Selbstvertrauen, sondern auch arg an der Motivation.

Das war der Schweizer Tennishoffnung auch bei der zwangsläufig letzten Partie der Saison in Moskau anzusehen. Nach einem guten Start gibt Bencic gegen Daria Kassatkina sieben Games in Folge ab – lustlos, kampflos, missgelaunt. Und so verabschiedet sich Belinda Bencic für dieses Jahr still und leise durch die Hintertüre.

Das Spiel war ein Spiegelbild ihrer verkorksten Saison, die so gut begonnen hatte: Nach dem Halbfinal in Sydney, dem Achtelfinal an den Australian Open sowie dem Finaleinzug in Sankt Petersburg stiess Bencic im Februar erstmals in die Top Ten vor. Die globale Aufmerksamkeit um die Ostschweizerin nahm zu. Mit dem Erfolg intensivierten sich die Sponsoren- und Medientermine. Bencic entdeckte die Schicki-Micki-Welt und zeigte sich auf den Social-Media-Kanälen immer häufiger im Abendkleid.

Die fehlende Fitness

Doch umso steiler der Aufstieg war, desto höher ist der Fall. Denn die sportliche Erfolgssträhne endete mit dem Finalvorstoss von Sankt Petersburg jäh. Es folgten Erstrundenniederlagen und hartnäckige Verletzungen, woraus Turnierabsagen (French Open) sowie Aufgaben (Birmingham, Wimbledon) resultierten. Experten begründeten im Sommer das Tief mit fehlender Fitness. Bencic sei trainingsfaul. Dieser Kritikpunkt ging gar so weit, dass einige Gegnerinnen in den Garderoben der Frauentour über eine Gewichtszunahme Bencics tuschelten.

Nach einem Aufbäumen an den US Open, an denen Belinda Bencic immerhin die dritte Runde erreichte, akzentuierte sich im Herbst in Asien die Formkrise sogar noch – mit fünf Niederlagen in sechs Spielen. So haben die schwachen letzten Monate in der Weltrangliste zum Fall aus den Top Ten auf Platz 43 geführt.

Wie findet Belinda Bencic bloss wieder aus ihrer Krise? Die rund zweimonatige wettkampffreie Zeit wird sich um diese eine Frage drehen. Nicht zuletzt wird Bencic auch auf das sich hartnäckig haltende Gerücht reagieren müssen, wonach es zu einer Trennung zwischen ihr und Trainer Ivan Bencic kommen könnte.

Belinda und Roger

Obwohl sie sich zweifellos mit der Hilfe ihres Vaters in die Top Ten vorkämpfte, täte es ihr im Sinne eines Neustarts womöglich gut, einen neuen Ratgeber zur Seite zu haben. Vorerst tut Belinda Bencic gut daran, für einige Zeit Abstand vom Tennis zu gewinnen und den Kopf durchzulüften, damit sie im neuen Jahr wieder zu alter Stärke finden kann. So folgt bereits im Januar ein erstes Saisonhighlight: Belinda Bencic wird mit Roger Federer am Hopman-Cup in Perth teilnehmen.

So oder so: Es ist noch viel zu früh, den Stab über Bencics hoffnungsvoll gestartete Karriere zu brechen. Schliesslich hat das Talent noch jede Menge Zeit, man darf nicht vergessen: Belinda Bencic ist gerade einmal 19 Jahre alt.

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