Wimbledon
Novak Djokovic schwebt an seinem Hochzeitstag im siebten Himmel – und jagt Roger Federer und Rafael Nadal

Novak Djokovic bezwingt an seinem Hochzeitstag Nick Kyrgios in vier Sätzen und gewinnt zum siebten Mal in Wimbledon, zum vierten Mal in Folge. Nun nimmt Djokovic Roger Federer und Rafael Nadal ins Visier.

Simon Häring
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Novak Djokovic gewinnt zum siebten Mal in Wimbledon.

Novak Djokovic gewinnt zum siebten Mal in Wimbledon.

Tolga Akmen / EPA / keystone-sda.ch

Nach einem 4:6, 6:3, 6:4, 7:6 (7:3) gegen den Australier Nick Kyrgios (ATP 40) krönt sich Novak Djokovic zum vierten Mal in Folge zum Wimbledon-Sieger. Das ist vor dem Serben nur drei Männern gelungen: Pete Sampras (1997 bis 2000), sowie Björn Borg (1976 bis 1980) und Roger Federer (2003 bis 2007), die das bedeutendste Tennisturnier der Welt sogar fünf Mal in Folge gewannen. Mit seinem siebten Titel zieht Djokovic mit Sampras gleich. Und er nimmt damit Roger Federer ins Visier, der mit acht Erfolgen noch Rekordsieger ist. Es ist seine letzte bedeutende Rekordmarke.

Für Djokovic ist es der 21. Grand-Slam-Titel. Damit lässt er Federer hinter sich – und rückt bis auf einen Titel an den Führenden Rafael Nadal heran.

Zwar gibt Djokovic wie schon im Viertelfinal gegen den Italiener Jannik Sinner sowie im Halbfinal gegen den Briten Cameron Norrie den Startsatz ab, gerät danach aber kaum mehr in Bedrängnis. Im zweiten Satz muss Kyrgios beim Stand von 1:2 und nach einer 40:0-Führung das Break hinnehmen. Während Djokovic seine einzige Chance nutzt, vergibt der Australier seine vier Chancen beim Stand von 3:5, davon drei in Folge.

Grand-Slam-Final-Debütant Nick Kyrgios kann Djokovic nur im ersten Satz fordern.

Grand-Slam-Final-Debütant Nick Kyrgios kann Djokovic nur im ersten Satz fordern.

Tolga Akmen / EPA / keystone-sda.ch

Novak Djokovic nahm Kyrgios damit im dritten Duell und im fünften Satz erstmals dessen Aufschlag ab. Die zwei ersten Begegnungen hatte Kyrgios 2017 gewinnen können. Neben Marat Safin und Jiri Vesely war er bisher der einzige Spieler, der Djokovic mehrfach hatte bezwingen können – ohne selbst je gegen den 35-jährigen Serben verloren zu haben.

Die Geschichte wiederholt sich im dritten Satz. Diesmal kann Kyrgios bei eigenem Aufschlag beim Stand von 4:4, 40:0 drei Spielbälle nicht verwerten. Im vierten Satz fällt die Entscheidung zwar erst im Tiebreak. Dieses ist mit 7:3 aber ebenfalls eine sichere Beute für Novak Djokovic.

Ab dem zweiten Satz war Djokovic Kyrgios in allen Belangen überlegen.

Ab dem zweiten Satz war Djokovic Kyrgios in allen Belangen überlegen.

Neil Hall / EPA / keystone-sda.ch

Bei den US Open kann Djokovic kaum antreten

Für Djokovic ist es der erste Grand-Slam-Titel in diesem Jahr, der erste seit Wimbledon 2021. Anfang Jahr hatte er bei den Australian Open seinen Titel nicht verteidigen können, weil er nicht gegen das Coronavirus geimpft ist. Die australischen Behörden hatten ihm daraufhin das Visum entzogen. Djokovic hatte diese Entscheidung gerichtlich angefochten, war damit zunächst erfolgreich. Daraufhin hatte ihm der Einwanderungsminister das Visum allerdings erneut entzogen. In der zweiten Verhandlung konnte Djokovic das Gericht nicht davon überzeugen, dass er keine Gefahr für Gesundheit und Sicherheit der australischen Bevölkerung darstelle.

Bei den French Open in Paris scheiterte Djokovic als Titelverteidiger im Viertelfinal am späteren Sieger und Rekordtitelhalter Rafael Nadal.

Weil für die Einreise in die USA eine Impfung gegen das Coronavirus erforderlich ist und Novak Djokovic nicht beabsichtigt, das noch zu tun, wird er höchstwahrscheinlich nicht bei den US Open antreten können. 2021 hatte er im Final gegen Daniil Medwedew verloren und damit auch den Kalender-Grand-Slam verpasst. Nur zwei Männern ist es gelungen, alle vier Major-Turniere innerhalb einer Saison zu gewinnen. 1938 dem Amerikaner Don Budge sowie 1962 und 1969 dem Australier Rod Laver.

2021 fehlte Novak Djokovic nur noch ein Finalsieg bei den US Open zur Vollendung des Kalender-Grand-Slams.

2021 fehlte Novak Djokovic nur noch ein Finalsieg bei den US Open zur Vollendung des Kalender-Grand-Slams.

John G. Mabanglo / EPA / keystone-sda.ch

Djokovic rutscht in der Weltrangliste ab

Obwohl Djokovic seinen Titel in Wimbledon erfolgreich verteidigt hat, wird er in der Weltrangliste vom dritten auf den siebten Rang abrutschen. Wimbledon hatte wegen des Ukraine-Kriegs russische und belarussische Spieler von der Teilnahme ausgeschlossen, was Djokovic kritisiert hatte. Die Profiorganisation ATP vergibt als Reaktion darauf keine Punkte für die Weltrangliste. Djokovic war letztmals im August 2018 so schlecht klassiert.

Djokovic kostet vom Wimbledon-Gras.

Djokovic kostet vom Wimbledon-Gras.

Alastair Grant / AP / keystone-sda.ch

Djokovic führte das Ranking während 373 Wochen an - und damit länger als jeder andere. Doch das dürfte am Tag, an dem er zum siebten Mal in Wimbledon triumphierte, nur von untergeordneter Bedeutung sein.

Nach dem verwandelten Matchball tat er, was er immer tut, wenn er im Südwesten Londons den Titel gewinnt: in die Knie gehen, und einige der auf 8 Millimeter Höhe getrimmten Grashalme degustieren. Den Pokal nahm er von Herzogin Kate in Empfang, lobte Finalgegner Kyrgios in den höchsten Tönen und erklärte die einstige Feindschaft zur «Bromance».

Novak Djokovic wird von seiner Frau Jelena beglückwünscht.

Novak Djokovic wird von seiner Frau Jelena beglückwünscht.

Keystone

Den Sieg aber widmete er seiner Frau Jelena, die Tochter Tara auf dem Schoss sitzen hatte. Die beiden feierten am Tag, an dem Novak Djokovic im siebten Wimbledon-Himmel schwebt, ihren achten Hochzeitstag.