Super League
Vorhang auf für die Super League: Das sind die wichtigsten 10 Fragen zu den 10 Klubs zum Saisonstart

Zwei Wochen nach dem Ende der Europameisterschaft startet die Super League in ihre neue Spielzeit. Wir stellen bei jedem der zehn Verein jene Frage, die zum Saisonstart am meisten zu reden gibt.

Raphael Gutzwiller, Jakob Weber, Roman Lareida, Patricia Loher, Daniel Wyrsch und Céline Feller
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Endlich sind wieder Zuschauer zugelassen, wie hier im Berner Wankdorf-Stadion im April 2019.

Endlich sind wieder Zuschauer zugelassen, wie hier im Berner Wankdorf-Stadion im April 2019.

Toto Marti / Freshfocus

Die Super League startet heute mit dem Eröffnungsspiel in ihre neue Saison. Die Serienmeister der Young Boys bekommen es zum Start auswärts mit Cupsieger Luzern zu tun. Es ist das erste von vielen spannenden Duellen, die Spannung versprechen in dieser Saison. Und all das geschieht wieder vor Publikum. Nach eineinhalb Jahren des Leidens scheint dank Covid-Zertifikaten die Rückkehr zum Alltag wieder realistisch. Jedoch lassen die Teams aus der Westschweiz die Gästesektoren vorerst noch geschlossen.

Sportlich dürfte es eine äusserst spannende Saison werden. Alle Teams wurden schon einmal Meister. Nach der Rückkehr des Rekordmeisters GC und dem Abstieg von Vaduz sind die Kleinen sind aus der höchsten Liga verschwunden. Die Ziele sind bei allen Teams grösser als nur den Ligaerhalt. Und so gibt es viele Fragen, welche in dieser Spielzeit beantwortet werden: Wird Luzern von einer Euphorie getragen? Hat beim FC Sion neu Gelson Fernandes das Sagen? Ist der Rekordmeister das beste Farmteam? Und bleiben die Young Boys auch unter einem neuen Trainer das Mass aller Dinge in der Super League?

FC Luzern

Torhüter Marius Müller ist einer von vielen deutschen  Leistungsträgern beim FC Luzern.

Torhüter Marius Müller ist einer von vielen deutschen
Leistungsträgern beim FC Luzern.

Martin Meienberger

Kann der Latino Celestini die Ex-Bundesliga-Grössen führen?

Fabio Celestini hat sich beim FC Luzern mit dem ersten Titelgewinn seit 29 Jahren einen Namen gemacht. Trotz dem überraschenden Cup-Triumph vor genau zwei Monaten, baut man für den Erfolgstrainer in der Innerschweiz aber kein Denkmal. Obwohl Celestini offen und in passablem Deutsch kommuniziert, hat er die Herzen der FCL-Fans (noch) nicht erobert. Sein Fast-Vertragsabschluss vor einem Jahr mit dem FC Basel und das nicht verheimlichte Interesse für die Nachfolge von Gerardo Seoane beim Meister YB haben Spuren hinterlassen.

Dennoch muss allen, die den FC Luzern lieben, klar sein: Blau-Weiss hat einen aussergewöhnlichen Trainer, einen Fachmann, der das konstruktive Spiel bevorzugt und fördert. Die Mannschaft hat unter ihm Fortschritte erzielt – nicht zuletzt in Sachen Mentalität. Der Cupsieg war kein Zufallsprodukt.

Mit der neuen Saison fängt für den Klub eine neue Zeitrechnung an. Sportchef Remo Meyer hat die langjährigen FCL- Teamleader David Zibung und Christian Schwegler durch die deutschen Routiniers Holger Badstuber und Christian Gentner ersetzt. Grosse Namen aus der Bundesliga, die total achtmal die Meisterschale stemmten. Kann es der Latino Celestini, der geprägt ist vom französischen und vor allem spanischen Fussball, mit «Los Alemanes»? Das ist die entscheidende Frage. Performt das Duo Badstuber/Gentner unter ihm, steht der FCL in den Top 3 und ist wieder heiss für den Cupsieg. Dann wäre ein Celestini-Denkmal zumindest nicht mehr fern.

FC Sion

Gelson Fernandes (links) ist der neue Vizepräsident im Verein und der alt bewährte Christian Constantin hat das Zepter weiterhin in der Hand.

Gelson Fernandes (links) ist der neue Vizepräsident im Verein und der alt bewährte Christian Constantin hat das Zepter weiterhin in der Hand.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Ist Christian Constantin altersweise geworden?

Keine Angst, es geht hier nicht um die Wahrscheinlichkeit, ob aus Christian Constantin ein anderer Mensch wird. Trotzdem sind im Wallis feine Risse in einem Konstrukt erkennbar, das ansonsten ein Gefühl von Endgültigkeit vermittelt. Das Klubbudget des FC Sion dreht sich zu einem Grossteil um seine Bau- und Immobiliengeschäfte. Von den Trainings- und Ausbildungsplätzen bis zum Kopiergerät gehört alles einem einzigen Mann. Nachhaltigkeit geht anders, irgendwann ist selbst ein Constantin nicht mehr Präsident.

Offenbar wird jetzt sogar dem Erzeuger dieser Sonderbarkeit Angst und Bange. In einem Interview mit dem «Walliser Bote» äussert er sich erstmals kritisch über die Zukunft seiner Politik. Constantin: «So gehts nicht mehr. Ich muss den Klub auf eine neue wirtschaftliche Basis stellen. Dafür habe ich noch sieben bis zehn Jahre Zeit.» Alleine für die Infrastruktur brauche es 50 Millionen Franken, rechnet er vor. Der Mann wird noch lange die Lokomotive sein, aber die Transformation in eine Nach-Constantin-Ära wird zu seiner grössten Herausforderung. Kein Wunder, nennt er Gelson Fernandes, für den er eigens das Amt des Vizepräsidenten geschaffen hat, einen «Stern». Der Meister sagt, er wolle dem Lehrling beibringen, wie man einen Klub wirtschaftlich unabhängig gestalte, wie schlaues Verhandeln gehe. Constantin startet einen Versuch, den FC Sion von sich selbst zu befreien. Und Fernandes könnte sein bester, weil wichtigster Transfer werden.

Grasshoppers

Ist jetzt beim «besseren »Farmteam als noch bei Lausanne: Giorgio Contini.

Ist jetzt beim «besseren »Farmteam als noch bei Lausanne: Giorgio Contini.

Martin Meienberger

Warum ist GC das bessere Farmteam?

Giorgio Contini ist zu Spässen aufgelegt. «Ich schaue jeden Morgen in den Spiegel und wünsche mir Haare. Aber da sind keine», antwortet der neue GC-Trainer auf die Frage, ob er sich noch neue Spieler wünsche. Tatsächlich ist beim Aufsteiger kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Acht Zuzügen – drei davon vom grossen Bruder Wolverhampton – stehen vierzehn Abgänge gegenüber. Doch mindestens genauso einschneidend ist für GC die neue sportliche Führung mit Trainer Contini und Sportchef Seyi Olofinjana, der ebenfalls aus Wolverhampton kam.

Contini kennt das Arbeiten in einem Farmteam bestens. Denn was Fosun und Wolverhampton für GC sind, sind Ineos und Nizza für Lausanne. Dort arbeitete Contini in den letzten drei Jahren. Auch mit Lausanne schaffte er nach dem Aufstieg den Klassenerhalt. Doch dort war er in die Pläne seiner Vorgesetzten zum Schluss nicht mehr involviert. «In Lausanne war ich der Trainer, den nicht der Präsident und nicht der Sportchef geholt hat. Das ist bei GC ganz anders. Hier bin ich der Trainer, den die Führung ausgewählt hat. Wir sitzen täglich zusammen und haben einen guten Austausch», erklärt Contini.

Jeden Spieler, der den Weg nach Zürich gefunden hat, hat Contini vorher persönlich gesprochen. «Das ist das Mindeste, auf das ich als Trainer Anrecht habe», sagt er. Das Saisonziel des Aufsteigers lautet: «Nichts mit dem Abstieg zu tun haben und einen Steigerungslauf hinlegen.»

BSC Young Boys

Der neue YB-Trainer David Wagner (links) mit Spieler Miralem Sulejmani.

Der neue YB-Trainer David Wagner (links) mit Spieler Miralem Sulejmani.

Peter Schneider / KEYSTONE

Führt Wagner die Serie weiter?

Erfolgstrainer Gerardo Seoane ist jetzt in Leverkusen, fast das ganze Kader aber ist geblieben: Und so steigen die Young Boys nach vier Meistertiteln in Serie erneut als Favoriten in die neue Saison. Anstelle von Seoane hat David Wagner das Zepter übernommen. Die Frage, die sich stellt, ist, ob der ehemalige Huddersfield- und Schalke-Trainer seinen Spielstil entsprechend dem eines Meisters anpassen kann. Bei seinen vorherigen Stationen zeichneten sich Wagners Teams nämlich vor allem durch defensive Kompaktheit und schnelle Umschaltmomente aus. Zudem stellt sich die Frage, ob YB zum zweiten Mal nach 2018 der Sprung in die Champions League gelingt.

FC Basel

Spricht vom Kader eines Meisters: FCB-Neuzugang Michael Lang.

Spricht vom Kader eines Meisters: FCB-Neuzugang Michael Lang.

Christian Merz / EPA

Ist das ein Meisterteam?

Der Umbau der neuen Führung war gross. Gleich sieben neue Spieler hat der FC Basel verpflichtet, darunter bekannte Grössen wie Michael Lang. Auch ein Taulant Xhaka ist wie eine Neuverpflichtung. Und der Rest der Einkäufe ist allesamt vielversprechend, hoch veranlagt und wusste im ersten Spiel sehr zu gefallen. Der Trainer spricht von einer guten Mischung. Und Lang sagt, «dass dieses Team vom Potenzial und den technischen Möglichkeiten nahe dran ist an einem Meisterteam». Wenn nicht gar mehr. Wächst in Basel also alles so, wie man es im Klub zu spüren glaubt, dann ist diese neue Mischung eine, die so nahe dran sein könnte, YB herauszufordern wie lange nicht.

FC St. Gallen

Der Anführer des FC St. Gallen am Ball: Lukas Görtler.

Der Anführer des FC St. Gallen am Ball: Lukas Görtler.

Claudio Thoma/Freshfocus

Erzielt das Team mehr Tore?

6261 Zuschauer am Testspiel gegen Bilbao und 10'000 verkaufte Saisonkarten, was Vereinsrekord bedeutet: Das Vertrauen der Anhänger in die Klubführung ist ungebrochen. Dabei war die vergangene Saison schwierig und der Cupfinal ging verloren. Euphorie löste in der Sommerpause vor allem die Vertragsverlängerung mit Lukas Görtler bis 2026 aus, dankbare Anhänger stellten dem 27-jährigen Bayer eine Kiste Bier vor die Haustüre. Görtler ist Leaderfigur einer erneut jungen Mannschaft. Entscheidend wird sein, dass die St. Galler um Neuzugang Fabian Schubert mehr Tore erzielen. Präsident Matthias Hüppi jedenfalls verspricht «begeisternden, mutigen Fussball».

FC Zürich

Andre Breitenreiter muss den Umbruch beim FC Zürich moderieren.

Andre Breitenreiter muss den Umbruch beim FC Zürich moderieren.

Andy Mueller / Freshfocus

Gelingt der Umbruch?

Geräuschlos ging er nicht über die Bühne: der Abgang der Identifikationsfigur Marco Schönbächler. Er beklagte sich, wie stillos der FCZ nach der langen gemeinsamen Zeit mit ihm umgegangen sei. Neben dem Publikumsliebling sind auch Toni Domgjoni, Benjamin Kololli, Nathan, Adrian Winter und Lasse Sobiech weg. Insgesamt bestritten sie mehr als 720 Ligaspiele für den FC Zürich. Der neue Trainer André Breitenreiter ist sogleich gefordert, soll den Umbruch moderieren. Mit der Erfahrung seiner Arbeit bei Paderborn, Schalke und Hannover im Rücken, schwärmt er jedoch von seinem neuen Arbeitgeber: «Der FCZ ist ein spannender Verein, ein bisschen wie Mini-Schalke.»

FC Lugano

Bleibt nun doch Präsident: Angelo Renzetti.

Bleibt nun doch Präsident: Angelo Renzetti.

Marusca Rezzonico/Freshfocus

Wie müde ist der Präsident?

Eigentlich hätte Angelo Renzetti nach elf Jahren als Präsident endlich abtreten wollen. Den 67-Jährigen belasten gesundheitliche Probleme. Für ihn schien die Zeit gekommen, abzutreten. Im brasilianischen Unternehmer Thyago Rodrigo De Souza hatte er vermeintlich einen neuen Besitzer gefunden. Doch dieser bezahlte keinen Rappen. Renzetti blieb Mehrheitsaktionär, regiert deshalb noch immer den FC Lugano. Der prominente Neuzugang Demba Ba durfte dennoch genauso bleiben wie der neue Trainer Abel Braga. Seit 36 Jahren ist der 68-Jährige Trainer, Braga hat in Brasilien fast alle grossen Klubs einmal trainiert.

Lausanne-Sport

Ilija Borenovic ist neuer Übungsleiter bei Lausanne und trainiert die neusten Talente von Partnerklub Nizza.

Ilija Borenovic ist neuer Übungsleiter bei Lausanne und trainiert die neusten Talente von Partnerklub Nizza.

Jean-Christophe Bott / Keystone

Welches Talent schlägt ein?

Es ist das Los eines Farmteams: Spielt ein Akteur gut, ist er bereits in der nächsten Transferperiode wieder weg. So geschehen bei Lucas Da Cunha oder Evann Guessand, beide sind nach einer guten Saison in Lausanne wieder in Nizza. Als Ersatz schickte der Klub von der Côte d’Azur neue Talente wie Jean N’Guessan (18), Hicham Mahou (21) oder Armel Zohouri (20). Jugend forscht ist angesagt bei Lausanne: von zwölf Neuzugängen sind elf unter 23 Jahre alt. Funktioniert dieses Konzept? Mit Ilija Borenovic hat LS immerhin einen neuen Mann an der Linie, dessen Stärke der Umgang mit Talenten ist. Zuletzt war er drei Jahre lang Trainer des Team Vaud U21.

Servette

Sind Anthony Sauthier und seine Servettiens erneut gut für eine erfolgreiche Saison?

Sind Anthony Sauthier und seine Servettiens erneut gut für eine erfolgreiche Saison?

Pascal Muller/Freshfocus

Klappt der nächste Schritt?

Die Erwartungshaltung ist gestiegen am Genfersee. Nach dem 4. und dem 3. Rang in den letzten beiden Saisons erhofft man sich bereits den nächsten Schritt. Sportchef Philippe Senderos spricht vom Meistertitel als mittelfristiges Ziel. Verantwortlich für den Genfer Erfolg ist Kontinuität. Während es anderorts rumorte, blieb es auch in dieser Sommerpause in Genf erstaunlich ruhig. Wenig hat sich verändert, das Kader blieb zum grossen Teil beisammen, wurde unter anderem durch Stürmer Ronny Rodelin ergänzt. Doch wie gut ist dieses Servette wirklich? In der Conference-League-Qualifikation tauchten die Genfer zum Start gleich mit 0:3 bei Molde.

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