Super League
Draussen protestieren tausende Fans, drinnen siegt der FCB: Die Chronologie eines einzigartigen Abends

Während der kriselnde FC Basel im Joggeli 4:1 gegen Luzern gewinnt, protestieren tausende Fans vor dem Stadion gegen FCB-Boss Bernhard Burgener. Das sorgt auf zwei Schauplätzen für viele unvergessliche Szenen. Eine Chronologie der Ereignisse.

Jakob Weber
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Die gleichzeitige Demonstration von tausenden FCB-Fans vor dem geschlossenen Stadion machte das Spiel gegen Luzern so speziell.

Die gleichzeitige Demonstration von tausenden FCB-Fans vor dem geschlossenen Stadion machte das Spiel gegen Luzern so speziell.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

12.30 Uhr: Gegen Mittag bricht FCB-Minderheitsaktionär David Degen sein Schweigen. Die Enthüllungen dieser Zeitung, dass er vor seinem Engagement beim FC Basel auch bei GC einsteigen wollte, kommentiert er auf Instagram mit folgenden Worten: «So einen Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gehört.» Anschliessend lässt Degen über seinen Anwalt ausrichten, dass er nie die Absicht hegte, sich in irgendeiner Art und Weise an GC zu beteiligen.

19.30 Uhr: Schon eine Stunde vor dem Anpfiff des Abendspiels treffen hunderte Fans vor dem Joggeli ein. Die Trams sind gefüllt, wie bei einem normalen Heimspiel vor der Pandemie. Der Grund ist die bewilligte Demonstration der Fans, die rund um das Spiel ein gemeinsames Zeichen gegen FCB-Boss Bernhard Burgener und dessen Verkaufspläne setzen wollen. Der angesagte Regen macht freundlicherweise einen Bogen um Basel.

Um 20 Uhr sind bereits tausende Fans vor dem Stadion.

Um 20 Uhr sind bereits tausende Fans vor dem Stadion.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

20.15 Uhr: Mittlerweile sind mindestens 7000 Fans vor Ort. Vielleicht sind es sogar 10'000. Die Schätzungen sind schwierig und gehen auseinander. Mit einem Feuerwerk startet der Protest. Fahnen werden geschwenkt und Schmähgesänge gegen Burgener gesungen.

20.30 Uhr: Im Stadion laufen das beste Team der Rückrunde (Luzern) und das schlechteste Team der Rückrunde (Basel) ein. Die Gesänge von draussen sind nur leise zu hören. Dafür drückt die Pyro-Rauch-Wolke aufs Spielfeld, denn die Fans zünden draussen ohne Unterlass. Wer keine Fackel in der Hand hält, streckt seinen Schal gen Himmel. Eine einzigartige Choreografie.

21.03 Uhr: Im Stadion geht der FCB durch Petretta in Führung. Draussen jubelt die Masse, die über aufgestellte Boxen und das Fanradio über die Geschehnisse im Inneren auf dem Laufenden gehalten wird.

Raoul Petretta freut sich über sein 1:0.

Raoul Petretta freut sich über sein 1:0.

Martin Meienberger / Freshfocus

21.16 Uhr: Fedayi San pfeift zur Pause. Am Gitter des Stadions pöbeln ein paar wenige ungehaltene Fans und fordern Einlass. Die grosse Masse bleibt aber friedlich. Zum Glück, denn auch viele Kinder sind unter den Demonstranten.

21.40 Uhr bis 21.51 Uhr: Jetzt geht es im Stadion heiss zu und her. Erst vergibt der FCB zwei Hundertprozentige. Dann gleicht Luzern durch Schaub aus und feuert anschliessend im Minutentakt Bälle auf das FCB-Tor ab. Die Partie droht zu kippen, doch die Innerschweizer sündigen im Abschluss.

22.01 Uhr: Draussen jubeln erneut die Massen. So mancher vergisst in diesem Moment die Abstandsregeln und fällt dem Kollegen in die Arme. Frei ist der Auslöser, dieses lange nicht mehr im Kollektiv erlebten Ereignisses, das Fussballfans normalerweise Woche für Woche in die Stadien treibt. Das Spiel ist damit entschieden. Später sorgen die Joker Zhegrova und Durrer für den 4:1-Endstand, der etwas zu hoch ist.

22.22 Uhr: Auch die FCB-Spieler umarmen sich kurz nach Schlusspfiff geschlossen beim Mittelkreis. Petretta wird später sagen, dass eine «enorme Last» abgefallen sei. Draussen tobt ein Volksfest mit wehenden Fahnen, Protest-Gesängen, Pyrotechnik und viel Bier.

22.27 Uhr: Starker Regen setzt ein. In der Mixed Zone weht der Sturm die Werbebande um. Das Wetter ist ein sinnbildliches Zeichen. 90 Minuten war alles ganz gut, doch die Zeiten in Basel bleiben stürmisch. Bis Ende März hat Degen Zeit, von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Das wünschen sich die Fans, von denen einige der Nässe trotzen und weiter protestieren.

23.59 Uhr: Bis auf wenige Ausnahmen ist das Joggeli wieder verwaist. Die Fans sind wieder zu Hause und hoffen, dass David Degen dieses unübersehbare Zeichen wahrgenommen hat. Denn er ist der einzige, der Burgeners Pläne verhindern kann. Auch ein solcher Fanprotest wird ihn kaum zum Umdenken bringen.

1.00 Uhr: Fabian Frei widmet seinen Treffer auf Instagram Valentin Stocker. Der antwortet mit einem Herzchen. Ob diese kleine Provokation in Richtung Ciriaco Sforza auch für Frei Konsequenzen hat, bleibt offen. Doch das zeigt, dass die Zeiten auch sportlich stürmisch bleiben.

Die Bilder vom Spiel:

Die Bilder von der Demo:

Schon lange vor Spielbeginn versammeln sich die Fans.
9 Bilder
Einige hundert sind schon vor dem Stadion.
Die Demonstration ist auf 20 Uhr angekündigt
FCB-Fans haben Transparente rund um das Stadion aufgehängt.
Es sind auch vierbeinige Demonstranten unterwegs.
Vor Spielbeginn haben sich um die 5000 Personen versammelt.
Die Stimmung ist friedlich.
Obwohl vielerorts Abfallsäcke aufgehängt wurden, liegen viele Dosen am Boden.
Der Match wird auf die Wand projiziert.

Schon lange vor Spielbeginn versammeln sich die Fans.

Elodie Kolb

Die Highlights im Video: