MLS
Stefan Frei gewinnt das Schweizer-Duell gegen Shkelzen Gashi und steht mit Seattle im Final

Im Final der Major Soccer League trifft Seattle auf Toronto oder Montreal. Mit von der Partie wird ein Schweizer sein: Torhüter Stefan Frei. Er besiegte mit seiner Mannschaft im Halbfinal das Team von Shkelzen Gashi, die Colorado Rapids.

Markus Brütsch
Drucken
Stefan Frei: Erstmals in seiner Karriere im MLS-Final.

Stefan Frei: Erstmals in seiner Karriere im MLS-Final.

KEYSTONE

Stefan Frei: Mit Seattle Geschichte schreiben

Eigentlich würde Stefan Frei gerne wieder einmal Ferien in Widnau im St. Galler Rheintal machen, seiner alten Heimat. Doch es scheint, dass auch dieses Jahr nichts daraus wird. Nach den beiden Siegen über die Colorado Rapids bestreitet er am 10. Dezember mit den Seattle Sounders den Final in der Major League Soccer. «Und 2017 geht es für uns dann schon bald weiter. Ich werde mit meiner Frau wohl zu Hause bleiben und relaxen. Seattle ist eine tolle Stadt mit viel Wasser und Grün und erinnert mich stark an die Schweiz», sagt Frei. Die viele Herumfliegerei seit Saisonbeginn sei an die Kräfte gegangen und habe Spuren hinterlassen.

Müde ist Frei nach einer langen Saison. Doch er will nun mit den Sounders − die hierzulande bekanntesten Spieler sind Nelson Valdez und Andreas Invanschitz − noch einmal alle Kräfte bündeln, um den Titel erstmals nach Seattle zu holen. In eine durch und durch fussballverrückte Stadt. Im Schnitt kommen 42 000 Zuschauer zu den Heimspielen. «Wir wollen Geschichte schreiben», sagt Frei. Der Gegner wird in der Nacht auf Donnerstag zwischen Montreal und Toronto ermittelt. «Weil ich fünf Jahre lang für den FC Toronto im Tor stand, wäre es reizvoll, gegen ihn zu spielen. Doch gegen die Montreal Impacts könnten wir zu Hause antreten, weil wir in der Regular Season mehr Punkte als sie geholt haben. Ausserdem ist es in Toronto Mitte Dezember bitterkalt.»

2001 war Frei mit seiner Familie in die USA ausgewandert und hatte via College-Fussball in die MLS gefunden. Dass er ein Cou-Cousin des früheren Natistars Alex Frei sei, das hat er auch schon gehört. «Aber getroffen habe ich ihn noch nie», sagt Frei. In der Freizeit beschäftigt er sich oft und gerne mit seinen beiden Hunden. Die Rasse heisst Shar-Pei und die Tiere haben viele Falten.

Frei steht nun in seiner achten Saison in der MLS, verdient 206 000 Dollar und zählt ohne Zweifel zu den besten Goalies. Den US-Pass könnte er beantragen, und im Notizbuch des neuen alten Nationaltrainers Bruce Arena steht er auch. «Schauen wir mal, was passiert. Priorität hat meine volle Konzentration auf den Final», sagt der Mann mit dem grossen Bart. «Kein Playoff-Bart! Ich trage ihn schon länger so. Und weil es meine Frau nicht stört, lasse ich ihn.»

Am 1:0-Auswärtssieg am Sonntag in Denver hatte Frei viel Freude, weil sein Team nichts zugelassen hatte. «Der Gegner suchte 16 Mal den Abschluss, aber ich musste keinen Ball halten», sagt der 30-Jährige. Auch Landsmann Shkelzen Gashi hatte 90 Minuten lang kein Rezept gegen Frei gefunden. «Am Ende hat er mich dann aber doch noch überrascht − als er mir auf Züritütsch viel Glück für den Final wünschte.» Von Bart zu Bart.

Shkelzen Gashi: Erstmals in der Major League Soccer und schon im Halbfinal.

Shkelzen Gashi: Erstmals in der Major League Soccer und schon im Halbfinal.

KEYSTONE

Shkelzen Gashi: Welch verrücktes Jahr!

Ferien, endlich Ferien! Natürlich hätte Shkelzen Gashi auch nichts dagegen gehabt, wenn diese erst am 11. Dezember, dem Tag nach dem Final in der Major League Soccer, begonnen hätten. Doch für die Colorado Rapids ist nach den beiden Niederlagen gegen Seattle die Saison zu Ende. «Ich habe nicht gewusst, dass deren Goalie ein Schweizer ist. Dann hat es mir jemand gesagt und ich konnte − auf Schweizerdeutsch − nach dem Spiel noch kurz mit Stefan sprechen und ihm fürs Endspiel alles Gute wünschen», berichtet Gashi.

Dennoch dürfen die Rapids, die in Denver beheimatet sind, im Schnitt vor 17 000 Fans spielen und 2010 das bisher einzige Mal Meister geworden waren, mit ihrer Saison hoch zufrieden sein. «Auch wenn wir es nicht in den Final geschafft haben, war es ein fantastisches Jahr mit Punkte- und Heimsiegrekord», sagt Gashi, dessen bekannteste Teamkollegen Tim Howard, der Deutsch-Amerikaner Germain Jones und der Ire Kevin Doyle sind.

Auch er selber hat voll überzeugt und gerechtfertigt, dass ihn Colorado als Designated Player für vier Jahre unter Vertrag genommen hat. Also als einen von nur drei Spielern, die über der Gehaltsobergrenze von 456 000 Dollar liegen. Hinter Goalielegende Howard (2,6 Millionen Dollar) verdient Gashi mit 1,6 Millionen am zweitmeisten bei den Rapids. Mit zehn Toren in 30 Spielen ist er der mit Abstand beste Torschütze, er stand mit einer Ausnahme immer in der Startformation und hätte, wäre er nicht mit Albanien an die EM gefahren, sogar noch eindrücklichere Statistiken vorzuweisen.

«Ich habe die neue Herausforderung mit viel Begeisterung angepackt und bin dafür belohnt worden. Ich durfte die MLS mit grossartigen Spielern wie Kaka, Lampard und Gerrard entdecken», sagt Gashi. «Aber nicht nur im Beruf lief es top, ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt.»

Der 28-Jährige blickt auf ein verrücktes Jahr zurück. Im Januar hatte er noch die Vorbereitung mit dem FC Basel aufgenommen, war dann für 2,7 Millionen Euro (Transfermarkt.de) zu den Rapids gewechselt, hatte bis zur EM durchgespielt, die EM absolviert, wieder in der MLS gekickt, in der WM-Qualifikation mitgewirkt und schliesslich die Playoffs in der MLS bestritten.
Endlich Ferien. «Nach diesem grossartigen Jahr kann ich sie nun so richtig geniessen. Bald komme ich in die Schweiz und treffe mich mit der Familie und Freunden.» Ob sie ihn auch wiedererkennen? «Stimmt, mein Playoff-Bart ist stark gewachsen. Mal schauen, was ich mit ihm mache», lacht Gashi. Ende Januar wird er dann bei Colorado die Vorbereitung auf die neue Saison aufnehmen. Mit gestutztem Bart und vollen Batterien.

Der Spielmodus

Die Major League Soccer (MLS) besteht aktuell aus 20 Mannschaften. 17 kommen aus den USA und 3 aus Kanada. Eine Saison dauert von März bis Dezember. In der Regular Season trägt jede Mannschaft 34 Spiele aus. Es gibt keinen Absteiger. Die besten sechs Mannschaften der beiden Conferences qualifizieren sich für die MLS Cup Playoffs. In der ersten Runde, der Knockout Round, tritt jeweils der Dritt- gegen den Sechstplatzierten und der Viert- gegen den Fünftplatzierten der jeweiligen Conference an (nur ein Spiel). Die Sieger qualifizieren sich für die Conference-Halbfinals, in welchen sie auf die Erst- und Zweitplatzierten der eigenen Conferences treffen. Jeweils die beiden Sieger der Conference-Halbfinals spielen in den beiden Conference-Finals, die Teilnehmer des Endspiels um den MLS Cup (Hin- und Rückspiel). Das Endspiel um den MLS Cup wird ohne Rückspiel ausgetragen. Heimrecht hat die Mannschaft, die in der regulären Spielzeit die höhere Punktzahl erreicht hat.