Spielerwechsel
Lewandowski, Mbappé, Núñez – das sind die spannendsten Geschichten des jungen Transfer-Sommers

Der Transfersommer nimmt allmählich Fahrt auf. Das sind die besten Geschichten – und das sagen sie über den Fussball aus.

Dominic Wirth
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Neu bei Liverpool: Darwin Núñez, uruguayischer Stürmer, hier noch im Dress von Benfica Lissabon.

Neu bei Liverpool: Darwin Núñez, uruguayischer Stürmer, hier noch im Dress von Benfica Lissabon.

Keystone

Seit ein paar Tagen ist das Transferfenster wieder offen - und es gibt schon einige gute Geschichten her.

Tchouameni, Núñez und das heftige Preisschild

Steht für die Zukunft des Mittelfelds von Real Madrid: Aurélien Tchouameni.

Steht für die Zukunft des Mittelfelds von Real Madrid: Aurélien Tchouameni.

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Die Fussballverbände haben das Transferfenster eben erst aufgestossen, doch es ist schon zu zwei grossen Geschäften gekommen. Solchen, die sich in Richtung der 100-Millionen-Grenze bewegen, wenn man alles mitrechnet, die fixe Ablösesumme und allfällige zusätzliche Zahlungen.

Die beiden Fussballer, für die das viele Geld geflossen sind, heissen Darwin Nunez und Aurélien Tchouameni. Das sind zwar Namen, die in der Szene schon länger hoch gehandelt werden, aber beide haben noch längst nicht den Star-Status erreicht, der früher nötig war, um derlei Ablösesummen zu rechtfertigen. Fix sind das im Fall von Núñez 75 Millionen Euro, in jenem von Tchouameni 80.

Tchouameni gab zuletzt im Mittelfeld von Monaco einen vorzüglichen Sechser. Er steht im Ruf, ein Balljäger zu sein, der aber auch ganz gut mit dem Ball umzugehen weiss. In Madrid trifft er auf Kroos, Modric, und Casemiro, das Mittelfeldtrio, das seit 2015 die Champions League dominiert hat, aber auch in die Jahre gekommen ist. Tchouameni, 22 Jahre alt, steht für die Zukunft des Real-Mittelfelds.

Darwin Núñez wechselt von Benfica Lissabon, wo er in der vergangenen Saison in 41 Spielen auf 34 Tore kam, nach Liverpool. Dort sitzt mit Jürgen Klopp ein Trainer, der in der Regel ziemlich genau weiss, was er will - und auch, wer ihm das geben kann. Das spricht dafür, dass der 22-jährige dem stolzen Preisschild gerecht wird. Fest steht aber auch, dass derlei Summen Fussballer auch schon erdrückt haben.

Dybala, Rüdiger, Pogba: Ablösefrei wechseln wird zum Trend

Verteidigt künftig für Real Madrid: Antonio Rüdiger, der deutsche Innenverteidiger.

Verteidigt künftig für Real Madrid: Antonio Rüdiger, der deutsche Innenverteidiger.

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Ablösefrei waren viele Jahre nur jene Fussballer zu haben, die niemand so richtig wollte. Doch das hat sich in den letzten Jahren geändert. Immer mehr namhafte Spieler lassen jetzt ihren Vertrag einfach auslaufen. Und können dann neben einem schönen Fixsalär auch ein saftiges Handgeld verlangen.

Im letzten Sommer haben das etwa Sergio Ramos, Gianluigi Donnarumma oder Lionel Messi so gemacht. Sie alle landeten bei Paris Saint-Germain. David Alaba ging ablösefrei zu Real Madrid, Jerome Boateng wechselte nach in Lyon. In diesem Jahr ist die Liste nun noch einiges namhafter. Und ein Beleg dafür, wie sehr sich die Macht gerade weg von den Vereinen und hin zu den Fussballern verschiebt.

Paul Pogba steht nun zum Beispiel auf dieser Liste, der Mittelfeldspieler, der bei Manchester United nicht glücklich wurde und jetzt vor einer Rückkehr zu Juventus Turin stehen soll. Oder Paulo Dybala, der argentinische Offensivspieler, der knapp 300 Spiele für Juventus machte und dabei in jedem zweiten an einem Tor beteiligt war. Er könnte bei Inter Mailand landen.

Wechselt wohl zu Inter Mailand: Paulo Dybala.

Wechselt wohl zu Inter Mailand: Paulo Dybala.

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Andere haben sich schon entschieden, Antonio Rüdiger beispielsweise, einer der besten Verteidiger der letzten Premier-League-Saison. Ihn zieht es zu Real Madrid. Niklas Süle wechselt von Bayern zu Dortmund. Franck Kessié (Milan) und Andreas Christensen (Chelsea) dürften bei Barcelona landen. Dort läuft der Vertrag von Ousmane Dembélé, dem französischen Flügel, aus. Für den bezahlte Barcelona einst über 100 Millionen Franken. Übrig bleibt davon, nun: nicht mehr allzu viel.

Mbappé, Haaland und die Wut der Spanier

Künftiger Weltstar, aber nicht in Spanien: Erling Haaland, neu bei Manchester City.

Künftiger Weltstar, aber nicht in Spanien: Erling Haaland, neu bei Manchester City.

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Es schien ja eigentlich schon ausgemacht: Kylian Mbappé geht von Paris Saint-Germain nach Madrid, zu Real. Doch dann, Ende Mai, trat der junge Franzose im Parc des Princes auf, zusammen mit Nasser Al-Khelaifi, dem Präsidenten von PSG. Es gab Feuerwerk und ein T-Shirt, auf dem Mbappé stand und die Zahl 2025. So lange wird der Stürmer nun bleiben.

Beim verschmähten Real war es indes weniger die Zahl 2025, die für Aufregung sorgte. Sondern die hunderten von Millionen Euro, mit denen der Rivale aus Paris Mbappé zu einer Vertragsverlängerung bewegte. 600 Millionen schwer soll das Paket sein. Bezahlt wird es von den katarischen Besitzern des französischen Meisters.

600 Millionen Euro für die Vertragsverlängerung: Fussballer Mbappé, Präsident al-Khelaifi.

600 Millionen Euro für die Vertragsverlängerung: Fussballer Mbappé, Präsident al-Khelaifi.

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Deren Gebaren stösst der Konkurrenz in Spanien schon länger sauer auf. Vor allem stellt man sich dort die Frage, wie die Kataris das hinkriegen: So unendlich viel Geld ausgeben und doch die finanziellen Spielregeln der Uefa, das Financial Fairplay, einhalten. Auch an der Rechtsmässigkeit des Schaffens bei Manchester City, wo die katarischen Rivalen aus dem Emirat Abu Dhabi am Steuer sitzen, gibt es Zweifel. Beide Vereine, PSG und Manchester City, sind in der Vergangenheit auch schon ins Visier der Uefa geraten.

In Manchester ist der zweite Spieler gelandet, der als künftiger Weltstar gilt: der Norweger Erling Haaland. Lange Jahre galt es als ausgemacht, dass es Spieler von diesem Format nach Spanien zieht, wie Ronaldo, wie Messi. Jetzt nicht mehr. Letzte Woche wurde nun bekannt, dass die spanische Liga offiziell Beschwerde eingereicht hat gegen Paris SG und Manchester City. Der Vorwurf: Irregulärer Finanzierung, die dem gesamten Fussball-Ökosystem schade.

Lewandowski und Bayern München: Szenen einer gescheiterten Ehe

Knackte sogar den Rekord von Vereinslegende Gerd Müller: Robert Lewandowski, der die Bayern nun unbedingt verlassen will.

Knackte sogar den Rekord von Vereinslegende Gerd Müller: Robert Lewandowski, der die Bayern nun unbedingt verlassen will.

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35, 41, 34: So viele Tore hat Robert Lewandowski in den letzten drei Jahren für Bayern München erzielt, und das alleine in der Bundesliga. Der polnische Stürmer und der bayerische Rekordmeister: Das war lange eine überaus glückliche Ehe.

Sogar den Tor-Rekord von Bayern-Legende Gerd Müller hat Lewandowski geknackt. Seit er 2014 von Dortmund nach München wechselte, wurden sein Klub jedes Jahr Meister, gewann zudem dreimal den deutschen Pokal und einmal die Champions League. Lewandowski schaffte es sogar, zweimal Weltfussballer zu werden.

Doch derzeit spielt sich in München ein veritabler Rosenkrieg ab. So bekundete Lewandowski etwa, dass seine Gefühle für den FC Bayern «erloschen» seien. Der Pole will unbedingt nach Barcelona wechseln, auch, weil er sich in München zu wenig wertgeschätzt fühlt. Zu derlei Formulierungen greifen Fussballer in der Regel, wenn es um Geld geht. Bei Bayern gibt man sich bisher unnachgiebig - und pocht darauf, dass Lewandowski bleibt, bis sein Vertrag nächsten Sommer ausläuft.

Liverpool verliert mit Sadio Mané einen Helden

Hier noch im Trikot von Liverpool: Sadio Mané, Neuzugang bei Bayern.

Hier noch im Trikot von Liverpool: Sadio Mané, Neuzugang bei Bayern.

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Es ist gut möglich, dass sie in München dann doch noch nachgeben und Lewandowski ziehen lassen. Das liegt auch daran, dass in der nächsten Saison Sadio Mané dort spielen wird. Der Senegalese kommt aus Liverpool nach München, und weil sich die Kräfte zuletzt immer mehr Richtung England verlagerten, ist dieser Transfer für den deutschen Meister durchaus ein Coup.

In Liverpool dagegen sind alle sehr traurig, dass es Mané wegzieht. Seit 2016 stürmte er dort, bildete mit Mohamed Salah und Roberto Firmino jenes legendäre Trio, das Meisterschaft und Champions League gewann. Alle drei sind sie Helden der Ära von Trainer Jürgen Klopp. Mané ist nun der erste, der weggeht. Auf Nachfolger Darwin Núñez warten grosse Fussstapfen.

Christian Eriksens wunderbares Comeback

Vor einem Jahr stand sein Herz still, jetzt könnte er zu Manchester United wechseln: Christian Eriksen, dänischer Nationalspieler.

Vor einem Jahr stand sein Herz still, jetzt könnte er zu Manchester United wechseln: Christian Eriksen, dänischer Nationalspieler.

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Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass das Herz von Christian Eriksen still stand, mitten im Parken, dem Stadion in Kopenhagen, lag der Däne plötzlich regungslos auf dem Rasen. Weil Teamkollegen und Ärzte alles richtig machen, gelingt es, Eriksen wieder ins Leben zurückzuholen.

An Fussball denkt in jenen Minuten niemand, schon gar nicht daran, dass Eriksen dereinst wieder spielen wird. Doch dann steht der Mittelfeldspieler am 26. Februar, ein paar Tage nach seinem 30. Geburtstag und ein paar Monate nach dem Herzstillstand an der EM, wieder auf dem Platz. Er steckt im Trikot des englischen Premier-League-Vereins Brentford.

Brentford, das ist eigentlich eine Nummer zu klein für Eriksen. Er ist beim Aufsteiger wegen alter Beziehungen gelandet. Bald prägt Eriksen das Spiel der Londoner. Im März spielt er wieder für Dänemark, trifft schon zwei Minuten nach seiner Einwechslung.

Jetzt geht es für Eriksen um den nächsten Schritt, der Vertrag bei Brentford läuft bald aus. Und es sind schon wieder die ganz grossen Vereine, die als nächste Station gehandelt werden, Manchester United etwa.