Frauen-Super-League
Zürich holt das «Triple»: FCZ-Frauen sind nach Penaltykrimi im Playoff-Final gegen Servette Meister

Der FC Zürich holt sich den Titel in der Frauen-Super-League im Playoff-Final nach 120 Minuten gegen Servette. Doch selbst bei den Siegerinnen gibt der ungewöhnliche Modus zu reden.

Raphael Gutzwiller, Lausanne
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Pure Freude: Die FCZ-Spielerinnen jubeln über den Meistertitel.

Pure Freude: Die FCZ-Spielerinnen jubeln über den Meistertitel.

Urs Lindt / freshfocus

Der sechste Penalty sorgt für die Entscheidung. Laura Felber nimmt für Servette Anlauf, setzt ihren Schuss über das Tor, wenig später netzt Marie-Therese Höbinger den Matchball zur Meisterschaft ein. Der FC Zürich setzt sich im ersten Schweizer Fussball-Playoff-Final der Geschichte mit 7:6 nach Penaltyschiessen durch. Die abtretende Martina Moser vom FC Zürich soll dazu später sagen: «Es ist ein bisschen unglücklich, dass die Meisterschaft ausgerechnet im Penaltyschiessen entschieden wird.»

Nötig wird dieses nervenaufreibende Ende im Playoff-Final der Frauen-Super-League, weil sich die Teams während der 120 Spielminuten ein Duell auf Augenhöhe liefern. Wie schon die ganze Saison über ist es extrem eng, Servette hatte die reguläre Spielzeit zwei Punkte vor dem FCZ abgeschlossen. In diesem ersten Playoff-Final ist es schliesslich ein munteres Hin und Her. Am Ende mit dem glücklicheren Sieger FC Zürich.

Umkämpftes Final: Zürichs Meriame Terchoun (vorne) gegen Servettes Natalia Padilla-Bidas.

Umkämpftes Final: Zürichs Meriame Terchoun (vorne) gegen Servettes Natalia Padilla-Bidas.

Urs Lindt / freshfocus

Servette hadert mit harten Entscheidungen

Zunächst geht es gut los für Servette: Michèle Schnider bringt die Genferinnen in der 18. Minute mit 1:0 in Front. Vielleicht wären die Genferinnen frühzeitig Meister geworden, wäre die Innerschweizerin in der zweiten Halbzeit nicht zur ersten tragischen Akteurin avanciert. Zunächst vergibt sie eine Topchance, nur zwei Minuten später fliegt sie nach einem Foul an Riesen mit einer harten gelb-roten Karte vom Platz.

Jubelt über ihr Tor zum 1:0: Michèle Schnider (rechts) jubelt gemeinsam mit Alyssa Lagonia (links) und Monica Mendes.

Jubelt über ihr Tor zum 1:0: Michèle Schnider (rechts) jubelt gemeinsam mit Alyssa Lagonia (links) und Monica Mendes.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Aus der Überzahl können die Zürcherinnen zunächst aber wenig Kapital schlagen. Das ändert sich erst in der 82. Minute und mit einem erneut harten Penaltypfiff. Nach einem Zupfer an Lydia Andrade lautet das Verdikt Penalty, Martina Moser trifft vom Punkt zum Ausgleich. In der Verlängerung geht, obwohl in Unterzahl, wieder Servette in Führung. Captain Alyssa Lagonia erobert den Ball, spielt ihn in den Lauf Padillas. Diese flankt wieder auf Lagonia, die den Ball ins Tor abschliesst.

Doch diesmal dauert es nur kurz, ehe der FCZ zurückschlägt: Fabienne Humm trifft nach einer tollen Vorlage von Kim Dubs über die rechte Seite zum 2:2. So müssen die Penaltys entscheiden, wo es wieder ein Auf und Ab gibt. Zunächst hält FCZ-Goalie Livia Peng gegen Servettes Jade Boho Sayo. Doch als Martina Moser die Entscheidung auf dem Fuss hat, scheitert auch sie an Servettes Torhüterin Inês Pereira. Doch wenig später setzen die Zürcherinnen doch noch zum Meister-Jubel an.

Jubeln über den Titel (von links): Fabienne Humm, Martina Moser und Livia Peng.

Jubeln über den Titel (von links): Fabienne Humm, Martina Moser und Livia Peng.

Urs Lindt / freshfocus

Double aus Meisterschaft und Cupsieg

Damit holt der FC Zürich bei den Frauen das Double aus Meisterschaft und Cupsieg. 2009 war der FCZ schon mal bei den Frauen und Männern gleichzeitig Meister geworden. Martina Moser spricht von einer unglaublichen Saison: «Mit dem FCZ drei Titel in einer Saison feiern zu dürfen, ist wunderschön.» Und Captain Fabienne Humm meint strahlend: «Nach dem Cupsieg auch noch Meister zu werden, das ist natürlich unglaublich. Jetzt können wir auf der Rückfahrt ein wenig feiern.»

Grosse Enttäuschung bei Servette.

Grosse Enttäuschung bei Servette.

Salvatore Di Nolfi / KEYSTONE

Bei Servette ist die Gefühlslage nach dem verlorenen Final derweil anders. Trainer Eric Sévérac sagt, dass Schiedsrichter-Fehlentscheide zur Niederlage geführt hätten. Thaïs Hurni meint etwas diplomatischer:

«Wenn man weiss, dass man die reguläre Saison als Erster abgeschlossen hat, ist es extrem bitter, den Meistertitel auf diese Art zu verlieren.»

Selbst bei den siegreichen Zürcherinnen ist der neue Modus umstritten. Humm meint: «Es ist schwierig, weil der erste Teil der Saison nichts zählt und die Meisterschaft dann in einem Spiel entschieden wird.» Torhüterin Peng kommt mit dem Pokal zu den Journalisten und sagt dann: «Dieser Modus ist eine grosse Herausforderung. In jedem Spiel geht es um alles.»

Die Freude über den Titel ist beim FCZ deshalb aber wohl noch grösser. «Die Freude ist riesig», so Peng. Riana Fischer ergänzt: «Es war bis zur letzten Minute extrem nervenaufreibend. So dann doch noch das Double holen zu können, ist unglaublich.» Die erste Fussball-Meisterschaft, die im Penaltyschiessen entschieden wird, sorgt für grosse Emotionen.