Fussball-Nati
Sommers Antwort, Freulers Entwicklung und Joker Edimilson – drei Erkenntnisse aus dem Spanien-Spiel

Was nimmt die Schweiz nach dem 1:1 gegen Spanien für die Zukunft mit? Drei Namen stehen für die erfreulichen Fakten, die Nationaltrainer Vladimir Petkovic hinsichtlich der EM mitnehmen darf.

Etienne Wuillemin
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Torschütze gegen Deutschland, jetzt auch Torschütze gegen Spanien –aber Remo Freuler überzeugt nicht nur deswegen.

Torschütze gegen Deutschland, jetzt auch Torschütze gegen Spanien –aber Remo Freuler überzeugt nicht nur deswegen.

Marc Schumacher/freshfocus

Nach dem 1:1 der Schweiz gegen Spanien kommt es nun am Dienstag in Luzern gegen die Ukraine zum Endspiel um den Abstieg aus der Liga A der Nations League. 1:0, 2:1 oder mit zwei Toren Differenz muss die Schweiz gewinnen. Nico Elvedi wird gesperrt sein, für ihn kommt Schär zurück. Doch zunächst stellt sich die Frage: Welche wichtigsten Erkenntnisse kann Nationaltrainer Vladimir Petkovic aus dem Unentschieden gegen Spanien ziehen?

1. Yann Sommer, die Antwort des Kritisierten

Der Held des Abends: Yann Sommer hält gleich zwei Penaltys von Sergio Ramos. Es ist seine Antwort nach einigen schwächeren Spielen in diesem Herbst.

Der Held des Abends: Yann Sommer hält gleich zwei Penaltys von Sergio Ramos. Es ist seine Antwort nach einigen schwächeren Spielen in diesem Herbst.

Marc Schumacher / freshfocus

Plötzlich kam diese Frage auf: Muss man sich Sorgen machen um Yann Sommer? Über Jahre hat er mit beständigen Leistungen überzeugt. Rettete auch die Nati immer wieder mit tollen Paraden. Doch in diesem Herbst war alles anders. Sommer spielte ungewohnt fehlerhaft. Sei es in der Bundesliga. Oder auch mit dem Nationalteam. Zweimal war er in dieser Nations-League-Kampagne direkt an entscheidenden Gegentoren beteiligt. Beim 1:2 in der Ukraine gleich zu Beginn. Und dann auch beim 0:1 in Spanien.

Doch nun: welch grossartige Antwort! Endlich wieder einmal ein Sommer-Abend. Gleich zwei Penaltys von Sergio Ramos pariert er. Und rettet damit die Schweiz vor dem vorzeitigen Abstieg aus der Liga A. Vielleicht ist es nicht nur Zufall, dass Sommer ausgerechnet in dieser kapitalen Partie derart starke Paraden gelingen. Er war schon immer dann am besten, wenn die wichtigen Partien anstanden. Ein WM- oder EM-Spiel war es zwar nicht gerade. Aber ein wenig süss ist es schon, Sergio Ramos seinen Rekordabend zu vermiesen. Ramos absolvierte gestern sein 177. Länderspiele, Europarekord.

Die gehaltenen Penaltys und der souveräne Auftritt vor allem in der zweiten Hälfte lassen auch vergessen, dass es selbst gestern einen kleinen Schreck-Momente gab: Früh im Spiel liess Sommer einen Weitschuss durch die Hände rutschen, konnte aber gerade noch klären.

2. Remo Freuler, wie ein neuer Spieler

Torschütze gegen Deutschland, jetzt auch Torschütze gegen Spanien –aber Remo Freuler überzeugt nicht nur deswegen.

Torschütze gegen Deutschland, jetzt auch Torschütze gegen Spanien –aber Remo Freuler überzeugt nicht nur deswegen.

Marc Schumacher/freshfocus

Klar: Wenn einer gegen Deutschland und gegen Spanien je ein Tor schiesst, und das, obwohl er kein Stürmer ist, dann fällt das ziemlich auf. Doch wer die Leistungen von Remo Freuler in seinen letzten Nati-Spielen alleine auf seine Tore reduziert, übersieht einiges.

Es hat einige Zeit gedauert, ehe der Mittelfeld-Motor von Atalanta Bergamo auch im Nationalteam so richtig angekommen ist. Warum das so ist? Das weiss wohl nicht einmal Freuler selbst. Fakt ist aber: In diesem Herbst hat sich Freuler endgültig neben Captain Granit Xhaka etabliert. Das Duo ergänzt sich mit jedem Spiel besser. Während Xhaka etwas weiter hinten agiert und das Schweizer Spiel mit seinen Pässen ankurbelt, besticht Freuler mit einem riesigen Lauf-Volumen, starken Zweikämpfen, aber auch mit klugen, kurzen Zuspielen. Dazu rückt er immer wieder in den gegnerischen Strafraum auf – und belohnt sich selbst mit Toren.

Sein unaufgeregtes, solides Auftreten tut dem Team gut – und vor allem Captain Xhaka. Dieser weiss einen verlässlichen Partner neben sich, der ihm viel Arbeit abnimmt und den Rücken freihält. Eine weitere Erkenntnis bei Freuler ist: Er fühlt sich wohler, wenn das zentrale Mittelfeld aus einem Duo und nicht aus einem Trio besteht. Mit der Rückkehr von Xherdan Shaqiri hat sich Nationaltrainer Petkovic nun regelmässig für die Variante mit dem Duo Xhaka/Freuler entschieden. Gespannt darf man sein, wie sich die Hierarchien entwickeln, wenn Denis Zakaria zurückkehrt – einfach so wird ihm Freuler den Platz nicht überlassen.

3. Edimilson Fernandes, der Joker für überall

Viele Grätschen, das Tor eingeleite

Viele Grätschen, das Tor eingeleite

Marc Schumacher / freshfocus

Silvan Widmer war der nächste Coronafall. Nach Shaqiri, Akanji, Steffen, Edimilson Fernandes, Cömert, Lotomba und von Ballmoos bereits der achte in der Schweizer Nati. Das bedeutete: Petkovic musste erneut umstellen. Plötzlich hatte er anstatt drei rechte Aussenläufer (Mbabu ist verletzt) gar keinen mehr zur Verfügung. Und so durfte sich Edimilson beweisen.

Das Fazit ist erfreulich. Edimilson gelingt ein grundsolider Auftritt. Gleich zu Beginn des Spiels gibt er mit seinen Grätschen den Tarif durch. Er ist ballsicher, verteidigte ohne Hektik. Und er leitet mit seinem schönen Steilpass auf Embolo den Schweizer Treffer ein. Dass er am Ende auch beim Schweizer Gegentor beteiligt ist, weil er sich zur falschen Zeit vorwärts statt rückwärts orientiert und so den Spaniern den Raum öffnet, gibt zwar leichte Abzüge. Doch es ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Schweizer Abwehr nach Elvedis Platzverweis komplett neu gebildet werden muss.

So richtig festgebissen hat sich Edimilson im Nationalteam noch nicht. Und das ist auch noch nicht absehbar. Bei seinem Klub Mainz spielt er im offensiven Mittelfeld, es ist die Position, die ihm eigentlich am besten behagt. Diese ist in der Nati besetzt. Doch mit seiner Polyvalenz hat er sich zu einem wertvollen, verlässlichen Joker entwickelt.