EHC Olten

Zwischen Teamleader und zweiter Geige: Jewgeni Schirjajews Rolle im Schatten des EHCO-Topsturms

Keiner jubelt ausgelassener: EHCO-Stürmer Jewgeni Schirjajew.

Keiner jubelt ausgelassener: EHCO-Stürmer Jewgeni Schirjajew.

EHC-Olten-Stürmer Jewgeni Schirjajew absolviert eine Saison im Schatten des Oltner Traumsturms, punktet aber bei den Trainern mit seiner Loyalität.

Die Stimmung im Montagstraining könnte nach dem souveränen 5:1-Heimsieg über Angstgegner Ajoie kaum besser sein: Im abschliessenden 3-gegen-3- Trainingsspielchen verwandelt «Team Grün» den entscheidenden Puck, worauf «Team Weiss», belustigt von den Siegern, zur Strafe einige Liegestützen absolvieren muss. Mittendrin im Siegerteam: Jewgeni Schirjajew.

Er, der am Vorabend mit seinem Powerplaytor den Heimsieg ebnete. Aber auch er, der mitten im Oltner Aufwärtstrend der letzten Monate zwischen Stuhl und Bank gefallen ist. Denn seit der Traumsturm um Horansky, Knelsen und Nunn gefunden wurde, bestens harmoniert und auch sonst die Rollen im Team gefestigt wurden, spielt Jewgeni Schirjajew, in der letzten Saison mit 54 Punkten aus 43 Spielen der absolute Reisser im Team, plötzlich nur noch die zweite Geige.

Und trotzdem spult der drittbeste Skorer des Teams im Schatten des Traumsturms in der zweiten Sturmlinie neben Diego Schwarzenbach und Silvan Wyss sein Programm ab (12 Tore, 16 Assists).

Zufrieden mit der Situation? Jewgeni Schirjajew: «Im Moment spiele ich nicht mein Eishockey, das ich gerne spielen würde. Aber ich arbeite jeden Tag hart an mir und versuche, mein Bestes zu geben», sagt er überraschend selbst­kritisch.

«Wie eine zweite Waffe zur Hand»

Auf Nachfrage lässt der 30-Jährige, der unlängst seinen Vertrag beim EHC Olten mit einer klaren Botschaft vorzeitig bis Ende Saison 22/23 verlängert hatte, etwas tiefer blicken. Die Verunsicherung, die Konfusion, der Frust – alles auf seine Weise spürbar. Nur zu gerne würde er wiederum jene Skorerrolle inne haben, die ihn in letzter Saison so stark machte.

So feiert er seine Tore jeweils besonders ausgelassen, als könnte jeder seiner Treffer als persönlicher Befreiungsschlag gedeutet werden. Auch wenn «Gino», wie er in der Garderobe von allen genannt wird, ganz professionell stets das Team in den Vordergrund rückt und nicht zuletzt auch die herausragende Arbeit der ersten Sturmlinie herausstreicht.

«Es war am Anfang sicher nicht einfach für mich. Aber von Spiel zu Spiel konnte ich mich besser damit abfinden und habe meine Rolle akzeptiert. Es gibt nun mal Linien, die schiessen Tore und andere sind für die etwas weniger auffällige Arbeit verantwortlich. Ich helfe, so gut ich kann», sagt er und ergänzt: «Das Wichtigste ist, dass wir als Team gewinnen. Und wir holen die Punkte, die wir brauchen. Das ist alles, was zählt.»

Trainer Fredrik Söderström  sieht in Jewgeni Schirjajew jenen Typ Spieler mit starkem Charakter, der auf dem Markt so gefragt ist und das Team auch auf der Bank stärker macht. Er führe deshalb auch stets gute, offene und ehrliche Gespräche mit ihm. «Gino ist einer, der diese lachenden Augen hat. Ein sehr loyaler Mensch, der von mir, von den Teamkollegen und auch den Fans sehr geschätzt wird», sagt der Headcoach.

Sie alle würden Schirjajews Fähigkeiten bestens kennen, aber nun hätten sie im Team eine andere führende Einheit ohne ihn gefunden. «Das war natürlich kein Entscheid gegen Gino», stellt Söderström klar, «ganz im Gegenteil: Ich hoffe, dass wir ihm bald noch mehr Eiszeit geben können. Denn er hat diese Eigenschaften, in den Playoffs den Unterschied ausmachen zu können. Mein Wunsch ist, dass wir rund um ihn eine zweite starke Einheit bilden können, die offensiv besonders effizient ist.»

Aber es ist eben auch kein Geheimnis, dass Jewgeni Schirjajew den typischen Schweizer Spieler verkörpert, der eher die offensive Chance sieht als die defensive Absicherung. «Er spielt oft etwas zu riskant. Geht es gut, dann ist es fantastisch und sieht wunderbar aus. Aber geht es schief, so sorgt das bei mir für graue Haare», sagt ­Söderström schmunzelnd.

Der Schwede sieht Schirjajews Situation als grosses Luxusproblem an, einen solchen Spieler mit grossen Teamleader-Qualitäten in der zweiten Linie auflaufen lassen zu können. «Für einen Trainer ist das grossartig. Man hat wie eine zweite Waffe zur Hand. Ich schätze ihn sehr. Gino ist und bleibt ein sehr wichtiger Spieler dieses Teams.»

Meistgesehen

Artboard 1