Diese Zeitung hat Ihnen zur Halbzeit der NLB-Qualifikation die Note 5-6 verliehen und Sie damit zu den besten Spielern des EHC Olten gekürt. Die herausragenden Fangquoten von 93.82 (Matthias Mischler) und 92.19 Prozent (Simon Rytz) untermauern diese Einschätzung.

Simon Rytz: Auf diese Zahlenspiele gebe ich nicht allzu viel. Am Ende zählen nur die Siege. Es ist zwar schön, eine hohe Fangquote zu haben, wichtiger ist aber, dass das ganze Team funktioniert.

Sie kontrollieren Ihre statistischen Werte also nicht regelmässig?

Rytz: Ich schaue sie mir nur zwischendurch an. Ohne jemandem ans Bein pinkeln zu wollen: Ich habe oft das Gefühl, dass ich mehr Schüsse gehalten habe, als notiert wurden. Es gibt immer Abweichungen bei diesen Werten und bis zum Saisonende können diese viel ausmachen. Zu wissen, in welchen Bereichen ich mich noch verbessern kann, bedeutet mir mehr als eine starke Fangquote.

Matthias Mischler: Die Zahlen sagen sehr wenig über den effektiven Verlauf eines Spiels aus. Wenn man drei Gegentore kassiert und eine tiefe Fangquote hat, heisst das noch lange nicht, dass es ein schlechter Match war. Gerade die Schussstatistik widerspiegelt ein Spiel überhaupt nicht, weil die Qualität der Abschlüsse nicht berücksichtigt wird. Daher sehen wir Goalies die Matches wohl etwas anders als die Journalisten.

In den letzten Spielen haben Sie im Vergleich zum Saisonstart sehr wenige Gegentore kassiert. Wie erklären Sie sich das?

Mischler: Wegen den vielen Verletzten ist die Mannschaft noch näher zusammengerückt. Jeder hat noch eine Schippe draufgelegt.

Rytz: Wir spielten zuletzt allgemein ein bisschen kompakter und konzentrierten uns aufs Wesentliche. Der dritte Mann stand in den vergangenen Spielen jeweils hoch, was den Verteidigern die nötige Sicherheit gab, auch einmal vorzudringen. Zugleich stehen wir dadurch viel massierter in der Mittelzone, was uns das Leben erleichtert.

Simon Rytz (links) und Matthias Mischler kennen sich seit sieben Jahren.

Simon Rytz (links) und Matthias Mischler kennen sich seit sieben Jahren.

Der EHC Olten liegt nach etwas mehr als der Hälfte der Qualifikation auf dem zweiten Platz hinter Rapperswil-Jona. Wie lautet Ihr bisheriges Fazit?

Rytz: Wir starteten gut in die Meisterschaft, hatten dann aber ein kleines Tief. Bei insgesamt 15 neuen Spielern ist es logisch, dass jeder zuerst seine Rolle im Team finden, oder seine bisherige Position stärken will. Deshalb gibt am Anfang jeder 120 Prozent. Nach den ersten Spielen kommt man dann halt zwischenzeitlich ein bisschen in den Blues des Meisterschaftsbetriebs. Wir haben eine gewaltige Offensivpower, weshalb es vielleicht schwieriger ist, dass jeder Spieler seine Rolle findet und genug Eiszeit bekommt. Zuletzt stimmte das Mannschaftsgefüge.

Haben Sie das Gefühl, Sie werden teilweise etwas zu harsch kritisiert?

Mischler: Manchmal belächeln wir die Kritiker schon ein bisschen. Klar haben wir Punkte liegengelassen, weil wir halt oft in die Verlängerung mussten. Doch dass wir diese Spiele in der Overtime dann meistens gewinnen konnten, ist ein sehr positives Zeichen, was den Siegeswillen des Teams betrifft.

Das Publikum in Olten gilt als besonders kritisch. Die Stimmung kippt rasch. Wie gehen Sie als Torhüter damit um?

Mischler: Die Fans sind immer kritisch. In Olten in meinen Augen nicht mehr als anderswo. Wenn es der Mannschaft nicht läuft, ist es nur verständlich, dass Kritik aufkommt.

Rytz: Da bin ich nicht ganz gleicher Meinung. Die Ajoie-Fans zum Beispiel sind in erster Linie glücklich, wenn du alles gegeben hast auf dem Feld. Wenn du dann noch Erfolg hast, umso besser. Beim EHCO sind die Erwartungen höher. Man hat ein gutes Team, kommuniziert auch entsprechend nach aussen. Deshalb die kritischen Stimmen. Aber das ist das Recht der zahlenden Fans.

Lassen Sie die Kritik an sich heran?

Rytz: Ich handhabe die Stimmung im Umfeld wie die Seite eines Buches: Ich lege es hin und blättere weiter. Ob gerade positive oder negative Stimmen dominieren, ist egal. Am Ende hast du als Goalie einen Match mit dem Puck zu absolvieren. Ob 17 000 oder 150 Leute zusehen, sollte dich nicht interessieren.

Beim EHCO gibt es in dieser Saison keine klare Nummer 1 auf der Torhüterposition. Wie kommen Sie mit der Konkurrenzsituation zurecht?

Rytz: Wichtig ist in so einem Fall die Kommunikation des Trainers. Ich hatte schon Headcoaches, welche die beiden Goalies gegeneinander ausspielten. Das erhöht den Druck enorm, nach der Saison bist du komplett ausgesaugt. Bei Gustafsson musst du nicht nach jedem Gegentor zur Bank rüber schauen. Er gibt jedem genug Raum zum Spielen, aber auch zum Verschnaufen. Voraussetzung dafür ist, dass die beiden Goalies ehrgeizig genug sind, zu schuften und einander zu unterstützen.

Mischler: Wenn einer von uns ein fauler Hund wäre, würde es nicht funktionieren. Aber wir geben beide in jedem Training Vollgas und pushen einander. Eine Rivalität um die Nummer 1 gibt es bei uns nicht, höchstens im Sommer bei einem Badminton-Match (lacht).

EHCO Torhüter Simon Rytz und Matthias Mischler

Simon Rytz spielt erstmals im EHCO-Dress, Matthias Mischler bestreitet seine dritte Saison in Olten.

EHCO Torhüter Simon Rytz und Matthias Mischler

Und diesen gewinnt Matthias Mischler, weil er sieben Jahre jünger ist?

Rytz: Ich fühle mich noch blutjung.

Also sind die sieben Jahre Altersunterschied nicht spürbar?

Rytz: Ich finde nicht, nein.

Mischler: Simon ist eigentlich noch ein Kind.

Rytz: Das Kind im Manne. Wie gesagt, ich fühle mich noch recht jung und verhalte mich auch so. In der Garderobe ist man ohnehin viel mit Jungen zusammen - dass ich das mal sage, hätte auch ich nicht gedacht. Matthias ist auf dem Eis schon so routiniert, dass man die sieben Jahre Differenz nicht merkt.

Was macht Sie als Duo stark?

Mischler: Wir treiben uns gegenseitig an. Wir helfen uns aber auch bei technischen Sachen und besprechen, wie wir Probleme lösen können. Wir sind wie ein Beachvolley-Duo.

Rytz: Das stimmt. Wenn ich im Sommer alleine im Kraftraum trainieren müsste, würde ich wohl auch mal ein Gewicht weniger nehmen. Aber gegenseitig können wir uns motivieren.

Gibt es eine Eigenschaft, um die Sie den anderen beneidet?

Rytz: Mir gefällt seine Position im Butterfly. Ich habe ein bisschen mehr Mühe, das Gesäss unten zu halten. Das versuche ich zu trainieren. Er kann ausserdem das Spiel lesen und ist sehr agil auf den Schlittschuhen.

Mischler: Simon ist einer, der viel spricht, auch auf dem Eis. Das braucht es und darin kann ich mich noch verbessern.

Haben Sie sich schon vor der gemeinsamen Zeit beim EHC Olten gekannt?

Matthias Mischler: Wir spielten sogar schon im gleichen Team. Ich verbrachte 2011/12 meine erste NLB-Saison beim HC Ajoie – zusammen mit Simon. Es war für mich also definitiv kein neues Gesicht, das im Sommer zum EHCO kam.

Sind Sie befreundet oder gehen Sie sich neben dem Feld aus dem Weg?

Mischler: Es ist ein spezielleres Verhältnis als zu anderen Goalies, mit denen ich während meiner Karriere in einem Team war. Wir spielten wie gesagt vor bald sieben Jahren erstmals zusammen. Seither hielten wir den Kontakt. Im Sommer bereiteten wir uns in den vergangenen Jahren immer gemeinsam in Magglingen auf die Saison vor.

Zurück zu Ihrer Patt-Situation: Ein Torhüter kämpft während seiner gesamten Karriere um die Nummer-1-Position. Ist das nicht frustrierend?

Rytz: Von einem Spieler in Fribourg lernte ich: Versuche nur zu beeinflussen, was du verändern kannst. Ich habe immer alles gegeben und alles probiert. Mein Vertrag in Biel wurde um zwei Jahre verlängert, dann kam Jonas Hiller. Das musste ich akzeptieren und nach vorne schauen. Schliesslich bin ich gesund und verdiene mit dem, was ich einst Hobby nannte, meinen Unterhalt. Es wird viel zu viel über die Nummer-1-Position geredet, dabei ist es doch ein Mannschaftssport. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb über fünfzig Spiele hinweg immer derselbe Goalie im Tor stehen soll.

Aber spätestens in den Playoffs braucht es eine klare Nummer 1.

Rytz: Nicht zwingend. Bis jetzt hat es gut funktioniert mit dem Wechseln. Die Entscheidung liegt beim Trainer. Doch wenn beide Goalies gesund bleiben, sehe ich keinen Grund, etwas zu ändern. Es bringt aber nichts, so weit vorauszuschauen. Im Januar und Februar steht uns noch eine intensive Phase bevor.

Was erwarten Sie von der zweiten Hälfte der Qualifikation?

Mischler: Eine Wunsch-Platzierung gibt es nicht. Wir müssen die positive Stimmung in die zweite Saisonhälfte mitnehmen. Wichtig ist, wie der Weg Richtung Playoffs verläuft, nicht der Schlussrang.

Gibts eigentlich Konkurrenten, gegen die Sie lieber pausieren?

Mischler: Das hängt von der Infrastruktur des Stadions ab. Entweder ist es angenehm, oder dann halt ein wenig kälter zum Zuschauen (beide lachen). In der Ajoie zieht der Wind ziemlich rein.

Rytz: Ich war in La Chaux-de-Fonds Ersatz. Dort gibt es auch mal Temperaturen von minus 20 Grad. Nach dem ersten Drittel hatte ich gefrorene Zehen und Finger.

Ihnen ist es egal, ob Sie gegen den Leader oder einen Underdog ran müssen?

Mischler: Das nächste Spiel ist das wichtigste, hat mal einer gesagt. So sehe ich das auch. Der Gegner spielt keine Rolle. Ich freue mich einfach auf das Spiel und will gewinnen.

Rytz: Früher spielte ich lieber gegen die starken Gegner. Weil die Herausforderung gross ist und die Mitspieler in diesen Matches motiviert sind. Jetzt schätze ich auch die Duelle mit den kleineren Teams. Wenn du nicht bereit bist, hagelt es auch gegen sie Tore. Mental braucht es fast einen grösseren Effort als gegen ein Spitzenteam.

Stimmt es eigentlich, dass Sie beide mit dem Zug ins Training kommen?

Mischler: Ja. Auf der Fahrt von Bern nach Olten habe ich genug Zeit, die Zeitung zu lesen. Und nach einem Match die Erlebnisse zu verarbeiten.

Rytz: Die Verbindungen Aarberg-Olten sind gut. Auf der Heimfahrt nach einem Match schaue ich meistens noch ein bisschen Sport und kann daheim direkt ins Bett - oder noch rasch zum Wickeln.

«Hornussen ist eher ein Beruf statt ein Hobby», sagt Simon Rytz und lacht. Der Aarberger ist seit einem Jahr Präsident der Hornussgesellschaft Lyss. Die ur-schweizerische Sportart hat in seiner Familie Tradition. «Wir sind neu in der NLA und ich versuche, auch dort Gas zu geben», so der EHCO-Goalie. Rytz vergleicht das Hornussen mit den Aspekten des Torhüter-Seins: «Du hast eine Mannschaft, mit der du Erfolg haben möchtest, und gleichzeitig zeigt dein Einzelresultat, ob du herausstichst oder eben nicht.» Wenn Simon Rytz nicht schon in Aarberg ein Haus gebaut hätte, könnte er es sich gut vorstellen, in Olten zu leben. «Es ist einer der schöneren Orte der Schweiz, die Stadt hat ihren Charme», sagt er. Ja, er meint es ernst. Zur Person: Geburtsdatum: 14. September 1983. – Spitzname: Ryser, Ryse. – bisherige Klubs: SC Lyss, EHC Biel, HC La Chaux-de-Fonds, HC Neuchâtel Sprinters, HC Ajoie, HC Fribourg-Gottéron. – beim EHCO seit: 2017 (Vertrag bis 2020). – Einsätze aktuelle Saison: 12.

Simon Rytz

«Hornussen ist eher ein Beruf statt ein Hobby», sagt Simon Rytz und lacht. Der Aarberger ist seit einem Jahr Präsident der Hornussgesellschaft Lyss. Die ur-schweizerische Sportart hat in seiner Familie Tradition. «Wir sind neu in der NLA und ich versuche, auch dort Gas zu geben», so der EHCO-Goalie. Rytz vergleicht das Hornussen mit den Aspekten des Torhüter-Seins: «Du hast eine Mannschaft, mit der du Erfolg haben möchtest, und gleichzeitig zeigt dein Einzelresultat, ob du herausstichst oder eben nicht.» Wenn Simon Rytz nicht schon in Aarberg ein Haus gebaut hätte, könnte er es sich gut vorstellen, in Olten zu leben. «Es ist einer der schöneren Orte der Schweiz, die Stadt hat ihren Charme», sagt er. Ja, er meint es ernst. Zur Person: Geburtsdatum: 14. September 1983. – Spitzname: Ryser, Ryse. – bisherige Klubs: SC Lyss, EHC Biel, HC La Chaux-de-Fonds, HC Neuchâtel Sprinters, HC Ajoie, HC Fribourg-Gottéron. – beim EHCO seit: 2017 (Vertrag bis 2020). – Einsätze aktuelle Saison: 12.

Kochen ist eine von Matthias Mischlers grossen Leidenschaften. Was er denn am liebsten zubereite, fragten wir ihn. «Schoggikuchen», fällt Simon Rytz Mischler ins Wort. «Nein, backen kann ich nicht so gut.» Neulich habe Mischler dem Team einen Kuchen offeriert, und der sei sehr lecker gewesen, erklärt Rytz. Nicht als Strafaufgabe, sondern als Revanche für die Gipfeli, welche sein Torhüter-Kollege mitgebracht hatte. Saltimbocca gehöre da schon eher zu seinen Spezialitäten, so Mischler. Gemeinsam mit seiner Freundin kocht der ruhige Berner gerne vielfältig, frisch und gesund. Ein weiteres Hobby von Mischler ist das Reisen. Im Sommer zieht es ihn oft nach Skandinavien. «Die Nordlichter möchte ich unbedingt einmal sehen», sagt er. Zur Person: Geburtsdatum: 21. März 1990. – Spitzname: Matse. – bisherige Klubs: SC Lyss, HC Ajoie, SC Bern. – beim EHCO seit: 2015 (Vertrag bis 2019). – Einsätze aktuelle Saison: 15.

Matthias Mischler

Kochen ist eine von Matthias Mischlers grossen Leidenschaften. Was er denn am liebsten zubereite, fragten wir ihn. «Schoggikuchen», fällt Simon Rytz Mischler ins Wort. «Nein, backen kann ich nicht so gut.» Neulich habe Mischler dem Team einen Kuchen offeriert, und der sei sehr lecker gewesen, erklärt Rytz. Nicht als Strafaufgabe, sondern als Revanche für die Gipfeli, welche sein Torhüter-Kollege mitgebracht hatte. Saltimbocca gehöre da schon eher zu seinen Spezialitäten, so Mischler. Gemeinsam mit seiner Freundin kocht der ruhige Berner gerne vielfältig, frisch und gesund. Ein weiteres Hobby von Mischler ist das Reisen. Im Sommer zieht es ihn oft nach Skandinavien. «Die Nordlichter möchte ich unbedingt einmal sehen», sagt er. Zur Person: Geburtsdatum: 21. März 1990. – Spitzname: Matse. – bisherige Klubs: SC Lyss, HC Ajoie, SC Bern. – beim EHCO seit: 2015 (Vertrag bis 2019). – Einsätze aktuelle Saison: 15.