Swiss League

Wie weiter? Wie der EHC Olten gegen die Corona-Folgen ankämpft

Tristesse im Kleinholz: Der EHC Olten erlebte das Viertelfinal-Aus gegen den SC Langenthal im heimischen Stadion vor leeren Rängen.

Tristesse im Kleinholz: Der EHC Olten erlebte das Viertelfinal-Aus gegen den SC Langenthal im heimischen Stadion vor leeren Rängen.

Der EHC Olten kämpft im Hintergrund kräftig gegen die Corona-Folgen. Grosse, existenzielle Gefahr droht jedoch von der nächsten Saison, die Swiss-League-Topklubs womöglich paradoxerweise einmalige Chancen bieten könnte.

18. September – es ist das Datum, auf das die ganze Eishockeybranche hinfiebert. Dann, in exakt fünf Monaten sollte die Saison 2020/21 ihren Startschuss erleben. Fünf Monate bleiben noch – eigentlich eine lange Zeit. Doch spätestens seit dem Entscheid in diesen Tagen aus Deutschland, wo Gross­veranstaltungen wegen des ­Coronavirus bis mindestens Ende August untersagt werden, fängt auch bei den Schweizer Eishockeyklubs das grosse Zittern an – mittendrin: der EHC Olten.

Auf die Frage, wo beim EHC Olten derzeit der Schuh drückt, weiss Geschäftsführer Patrick Reber gar nicht so recht, womit er beginnen soll. Zu viel ist aktuell noch unklar. Planungsunsicherheit ist das derzeitige Schlüsselwort, das ziemlich penetrant über der Powermaus umherkreist. So ist schlicht nicht absehbar, wie die nächste Eishockeysaison aussieht.

Geht es Mitte September tatsächlich los? Wenn ja: Findet der Saisonstart mit oder ohne Fans statt? Oder wird eine Begrenzung von etwa 1000 Fans zum Thema? Beginnt die Saison erst im November, ja sogar im neuen Jahr mit einer verkürzten Saison? Allenfalls sogar mit verkürzten Playoffs? Und welcher Modus wird überhaupt gespielt?

Fragen über Fragen. CEO Patrick Reber atmet tief durch und sagt: «Wir sind noch guten Mutes, dass wir die Saison im September mit Fans starten können.»

Kurzarbeit und Überbrückungskredit

Der EHC Olten hat unlängst für alle Festangestellten Kurzarbeit beantragt – Spieler, Staff und Mitarbeitende auf der Geschäftsstelle. Dabei sind die Pensen je nach Zuständigkeit unterschiedlich. CEO Patrick Reber arbeitet im 70-Prozent-Pensum, ihm geht die Arbeit trotz Stillstand nicht aus: «Es ist sehr viel abwarten, zuhören, informieren, Szenarien ausarbeiten, sich gegenseitig unterstützen», sagt Reber.

Solidarität schreibt der EHC Olten in diesen schwierigen Zeiten ohnehin mit besonders grossen Buchstaben. Online stellt der Klub seine Sponsoren vor und zeigt auf, was die Krise für sie bedeutet. Oder er schafft mit «Frag den EHCO» den Fans die Möglichkeit, Spielern eine Frage zu stellen, die sie dann im Video beantworten.

Der EHC Olten kämpft selbst, wie derzeit fast jedes andere Unternehmen in dieser Grösse auch, um Liquiditätsengpässe. Der Überbrückungskredit hilft Firmen in der Coronakrise über die Runden zu kommen.

Reber bestätigt, dass auch beim EHC Olten als KMU mit 40 bis 45 Mitarbeitenden auf der Lohnliste über einen solchen Kredit diskutiert wird. Konkret könnte ein solcher Kredit von 500000 Franken noch zum Thema werden. «Engpässe entstehen, solange keine Umsätze generiert werden können», so Reber.

In den Sommermonaten werden üblicherweise aus zwei Sparten Einnahmen generiert: Ticketeinnahmen sowie abgeschlossene Sponsoringverträge. In den Monaten Mai, Juni und Juli werden in der Regel am meisten Saisonabos verkauft. Doch das Schreiben an die Saisonabo-Besitzer wurde nun vorerst zurückgestellt. Reber sagt: «So lange nicht klar ist, wohin die Reise führt, wollen wir auch nicht ein Produkt verkaufen, von dem wir derzeit nicht mal wissen, wie es aussieht.»

Vor allem auch beim Sponsoring gibt es viele offene Fragen. Selbst weiterlaufende Verträge müssen aus der Schublade geholt werden. Können teils arg wirtschaftlich gebeutelte Partner die Sponsoring-Zahlungen aufrechthalten? Ausserdem werden neue Partnerschaften äusserst defensiv angegangen.

Und dennoch: Ein Klub, wie der EHC Olten, der von vielen kleinen und mittleren Unternehmen lebt, ist auf sie angewiesen. Reber sagt: «Uns ist bewusst, dass viele Unternehmen derzeit grundlegendere Probleme zu lösen haben, als mitten in der Krise über ein Engagement beim EHC Olten zu diskutieren. Ich gehe davon aus, dass wir erst nach weiteren Lockerungen Sponsoringgelder quantifizieren können.»

Noch scheint beim EHC Olten alles im grünen Bereich zu sein. Aber CEO Reber gibt zu bedenken: «Es werden die verrücktesten Prognosen thematisiert, wonach bis Ende Jahr kein Publikum an die Spiele zugelassen werden könnte. Wir müssen nicht diskutieren: Trifft das zu, dann wird es grosse, existenzielle Probleme für Sportklubs geben, auch für uns.»

Geschäftsabschluss mit roten Zahlen?

Als wäre die Baustelle Coronakrise nicht schon gross genug, steht der EHC Olten derzeit auch noch mittendrin, die Scherben der vergangenen Saison zusammenzukehren, die bekanntlich äusserst enttäuschend mit einem Geister-Heimspiel im Playoff-Viertelfinal endete.

Der Abschluss des Geschäftsjahres steht in den nächsten Wochen bevor. Wie sich die Zahlen präsentieren, will der EHC Olten erst an der GV am 20. August bekannt geben. Reber sagt lediglich: «Wir haben die sportlichen Ziele nicht erreicht. Es wird dann äusserst schwierig, wirtschaftliche Ziele erreichen zu können.»

Vereinfachter Aufstieg nach der Krise?

Hinzu kommt nun mitten in der Krise, dass der EHC Olten einen grossen Spagat mit all möglichen sportlichen Szenarien zu meistern hat. Allen voran diskutieren die National-League-­Klubs darüber, in der kommenden Saison auf einen Absteiger zu verzichten und die Liga mit dem Swiss-League-Meister auf 13 Teams aufzustocken, um Kostenexplosionen zu minimieren. Damit könnte der B-Meister den beschwerlichen Weg zum Aufstieg über die Ligaqualifikation umgehen.

Nur: Die Kostenexplosionen würden wohl bloss eine Liga tiefer stattfinden. Denn das Wettrüsten würde dann bloss beim einen oder anderen Swiss-League-Topklub stattfinden, um reelle Chancen für den vereinfachten Aufstieg nach der Krise zu schaffen.

Ligadirektor Denis Vaucher bestätigte in dieser Woche gegenüber «MySports» entsprechende Modus-Überlegungen: «Es geht nun darum, Risiken zu minimieren, Kosten zu senken und Chancen zu erkennen. Jede Krise bietet auch eine Chance – und die wollen wir nutzen. Wir haben Szenarien entwickelt, auch längerfristige, vielleicht über einen Vierjahreshorizont, die wir mit den Klubs diskutieren möchten», sagte Denis ­Vaucher.

Beim EHC Olten will man sich dazu noch nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen. Noch sei man nicht so weit, eine klare Position zu beziehen, sagt Patrick Reber. Klar ist: Die Klubs haben bereits den Auftrag erhalten, sich über dieses Szenario Gedanken zu machen.

Ende April könnte sich in einer Telefonkonferenz eine Tendenz abzeichnen. Reber lässt durchblicken: «Erst einmal ist für uns klar, dass es ein Modus sein muss, der Sinn macht, der attraktiv und interessant für alle Beteiligten ist.»

Es stellt sich für den EHC Olten auch die Frage: Wäre die National League überhaupt bereit, einen Modus mit 13 Teams zu führen oder ist es bloss im Sinne eines Überbrückungsjahrs?

«Wir möchten sicher auch wissen, was die sportlichen und wirtschaftlichen Kriterien wären. Sind die Rahmenbedingungen für uns machbar, dann werden wir wohl einem solchen Modus zustimmen», sagt Reber.

Irgendwie ist beim EHC Olten trotz allem ein bisschen Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

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