Swiss League

Wie Garry Nunn in seiner Heimat den Corona-Sommer erlebte – und warum er jetzt noch glücklicher ist in Olten

Garry Nunn will in seinem zweiten EHCO-Jahr ohne persönlichen Fehlstart in die Saison.

Garry Nunn will in seinem zweiten EHCO-Jahr ohne persönlichen Fehlstart in die Saison.

Der EHCO-Importspieler kehrte im Frühling nach Kanada zurück und erlebte in der Heimat auf Vancouver Island einen aussergewöhnlichen Sommer. Nun packt er mit neuem Elan sein zweites Jahr an – und erklärt, warum ihm das nun einfacher fällt.

Das vergangene Saisonende vor leeren Zuschauerrängen war selbst für Garry Nunn, der schon Eishockey in Alaska, in der AHL, in Italien, in Norwegen oder auch in Schweden spielte, aussergewöhnlich und wird ihm noch lange in Erinnerung bleiben. «Wir schieden zwar regulär aus, aber es war speziell, sowohl was auf dem Eis geschah, aber auch alles rundherum. Niemals hätten wir damals beim Saisonende ausmalen können, was noch auf uns zukommen würde», blickt er zurück.

Noch heute bedauert er das sportliche Scheitern, dass sie «alle Fähigkeiten der Welt» im Team gehabt hätten für den Titel, aber nicht auf das Eis umsetzen konnten. Immerhin: Meister hätte der EHCO mit dem darauffolgenden kompletten Saisonabbruch ohnehin nicht werden können. «Es passte zur gesamten Situation, die wir erlebten.»

Garry Nunns EHCO-Lieblingsbild: Der Kanadier trifft gegen Langenthal und jubelt mit den Fans.

Garry Nunns EHCO-Lieblingsbild: Der Kanadier trifft gegen Langenthal und jubelt mit den Fans.

Ein gut ausgerüsteter Fitnessraum im Haus des Kollegen

Garry Nunn blieb nach Saisonende für eine weitere Woche in der Schweiz, «um das Saisonende zu verarbeiten und allen Tschüss zu sagen.» Doch als sich erste Reisebeschränkungen abzeichneten, wurde er nervös. «Ich war dann schon erleichtert, als ich endlich meine Familie und Freunde zu Hause wiedersehen konnte.» Viel Zeit konnte er mit all ihnen in der Folge aber nicht verbringen, der Frühling in Kanada glich jenem der Schweiz. «Es wurde empfohlen, zu Hause zu bleiben, was ich strikt befolgte.»

Für Garry Nunn war das Coronavirus noch präsenter als manch anderen. «Meine Frau ist Krankenschwester. Es war für uns für lange Zeit ziemlich beängstigend, weil wir nicht wussten, was noch auf uns zukommt und sie im Spital alles unternahmen, um sich auf eine schlimme Zeit einzustellen. Gleichzeitig hatten wir selbst grossen Respekt davor. Denn hätte meine Frau das Virus eingefangen, hätte ich es wohl auch bekommen. Aber wir hatten das Glück, dass wir auf Vancouver Island etwas abgeschottet sind, für lange Zeit wurde kein einziger Fall aufgezeichnet.»

Es wurde letztlich zum Glück ein ruhiger Sommer bei den Nunns, auch was die Vorbereitung des ­EHCO-Ausländers betraf. «Normalerweise bereite ich mich mit fünf, sechs Kollegen auf die Saison vor. Das fiel in diesem Jahr aus. Wir trainierten vor allem individuell», bedauert Garry Nunn, der die Sommermonate in Victoria auf Vancouver Island sonst besonders geniesst. Nur mit seinem Jugendfreund Tayson Barrie, der bei Toronto spielt, verbrachte er die eine oder andere Trainingseinheit. Und zum Glück, erzählt Nunn, habe ein Kollege ein gut ausgerüsteter Fitnessraum in seinem Haus, weshalb er dort oft trainieren konnte.

Unbeschwerter im zweiten Jahr in Olten

Anfang August kehrte Garry Nunn mit neuem Elan nach Olten zurück. Er tat es etwas unbeschwerter als noch vor einem Jahr. Den Klub, die Leute, die Stadt, er kannte sein zweites Zuhause bereits. «Es ist immer etwas einfacher, in eine bereits vertraute Umgebung zu kommen.» Denn wechsle man an einen neuen Ort, lerne man nicht nur oft eine neue Sprache, eine neue Stadt und viele neue Leute kennen, sondern auch eine neue Eishockey-Kultur. «Es fiel mir letztes Jahr zu Beginn schwer, ich musste mich nicht zuletzt auch auf dem Eis anpassen, bis ich etwas den Tritt fand.»

Das soll ihm in diesem Jahr nicht mehr passieren. Vor allem auch nicht wegen seiner Frau Whitney. Sie entschied sich nämlich, als Krankenschwester ein halbes Jahr unbezahlten Urlaub zu nehmen, um ihren Mann Garry in der Schweiz zu begleiten. «Ich bin immer glücklich, wenn ich Eishockey spielen kann. Aber nach einem Training oder Spiel nach Hause zu kommen und zu wissen, dass sie da ist, macht mich umso glücklicher», sagt Nunn und ergänzt: «Ich hoffe, dass ich mein Glück auf das Eis bringe und ich dem Team helfen kann.»

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Enjoying my first month overseas with @whitneynunn

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Garry Nunn mit seiner Frau Whitney

Für das Ehepaar ist die Situation eine Premiere. Weil sich Whitney in den letzten fünf Jahren noch in Ausbildung befand und sich nach ihrem Abschluss verpflichtete, ein Jahr weiterzuarbeiten, war Garry Nunn oft von ihr getrennt. «Es war keine einfache Zeit, aber wir haben einen Weg gefunden, diese Zeit zu meistern. Ich bin überglücklich, dass sie nun hier ist.» An den freien Tagen würden sie als Touristen gerne die Schweiz bereisen – Zermatt, Tessin, Montreux, Böötlen auf dem Oeschinensee oder Wandern im Berner Oberland: «Es ist ein Privileg, hier zu sein. Die Schweiz ist einfach wunderschön.»

Fast schon ins Schwärmen gerät Garry Nunn auch im Gespräch über das aktuelle Team. «Ganz ehrlich: Ich mag wirklich, was ich sehe. Wir hatten schon in der vergangenen Saison ein sehr talentiertes Team, aber ich denke, wir sind in der Mischung nochmals stärker geworden, haben an Grösse zugelegt, aber auch an jugendlichem Spielwitz.»

Garry Nunn bei einem Ausflug am Oeschinensee

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