EHC Olten

Wenn das Vaterland unverhofft ruft: Wie Dion Knelsen Spengler-Cup-Sieger wurde

Dion Knelsen nach dem Halbfinal gegen Turku. Bild: Keystone

Dion Knelsen nach dem Halbfinal gegen Turku. Bild: Keystone

Oltens Kanadier Dion Knelsen erlebte einen aufregenden Jahreswechsel. Plötzlich stand er in Davos in der Garderobe von Team Canada - und wurde als Zugabe noch Spengler-Cup-Sieger. Trotz Nebenrolle hat der EHCO-Topskorer die Tage in den Bündner Bergen in vollen Zügen genossen.

Es war ein aufregender Jahreswechsel für die Familie Knelsen. Und das ist vermutlich noch eine Untertreibung. Am 29. Dezember kehrte Dion Knelsen nach dem Gastspiel des EHC Olten beim EHC Kloten nach Hause zurück, als das Telefon klingelte. Am anderen Ende war ein Vertreter des Teams Canada – mit der Frage, ob der Kanadier in Diensten der Powermäuse nicht kurzfristig an den Spengler Cup reisen könnte, da sich bei den Ahornblättern ein Personalengpass abzeichnete. Wenn das Vaterland ruft, dann gibt es für einen Kanadier keine Alternative – schon gar nicht als Eishockeyspieler. Also packte die Familie Knelsen am 30. ihre Koffer und dislozierte um 8 Uhr morgens nach Davos. Angesichts von drei (Klein-)Kindern eine logistische Meisterleistung.

Der Spengler Cup als Privileg

In den Bündner Bergen stiess Dion Knelsen zu einer Mannschaft, die das Turnier bis zu diesem Zeitpunkt dominiert hatte. Und im Wissen, dass er nur als Ergänzungsspieler eingeplant ist. Für ihn aber kein Problem: «Ich war letztes Jahr schon Teil des Teams. Allein das wieder erleben zu dürfen, diese Professionalität, diese Mentalität, ist ein Privileg.» Zumal ja noch andere Faktoren mitspielen: «Die Atmosphäre am Spengler Cup ist einmalig. Eishockey, die Berge, der Schnee, die kanadische Hockeyfamilie. Das ist sehr speziell, das muss man geniessen.»

Immerhin: Knelsen war nicht nur Statist in Davos, sondern kam im Halbfinal gegen Turku im letzten Drittel sogar zu ein paar Einsätzen. «Das Spiel war beim Stand von 5:0 schon entschieden, aber ich habe ein paar lange Shifts erhalten. Das war anstrengend», erzählt der 30-Jährige. Als es am Tag darauf um den Turniersieg ging, da war Dion Knelsen nur noch Tribünengast. Und freute sich trotzdem über den äusserst souveränen Auftritt seiner Teamkollegen, die den Turniersieg mit einem 5:0 über Trinec ins Trockene brachten.

Den Jahreswechsel schlafend erlebt

Der Oltner Topskorer und dessen Familie erhielt durch die Blitz-Stippvisite am Spengler Cup auch noch die Gelegenheit, den Silvester-Abend mit der kanadischen Delegation in Davos zu feiern. «Es war ein toller Abend mit gutem Essen, guten Gesprächen und wunderbarer Atmosphäre», schwärmt Knelsen.

Das stressige Programm der Altjahrswoche ging jedoch auch am dreifachen Familienvater nicht spurlos vorbei. Den Jahreswechsel erlebte er nicht mehr live. Um 22.30 Uhr fiel er todmüde ins Bett. «Unsere kleine Tochter hatte in der vorherigen Nacht nur drei Stunden geschlafen und uns auf Trab gehalten. Da waren wir einen Tag später einfach zu müde», erzählt der Mittelstürmer und fügt schelmisch lächelnd an: «Ich weiss, es ist ein wenig peinlich.»

Beim EHC Olten ist man froh, wenn man im Hinblick auf die beiden Duelle gegen Ajoie, heute Freitag in Pruntrut und am Sonntag im Kleinholz, auf einen frischen Dion Knelsen zählen kann. Wie wichtig der Kanadier für die Mannschaft ist, hat er in den letzten Wochen eindrücklich unter Beweis gestellt. Selbst wenn die Knochen also etwas müde sein sollten, so ist zumindest der Kopf des Schlüsselspielers frisch und vor allem inspiriert. «Es war für mich eine riesige Ehre, in Davos dabei zu sein. So etwas ist ein Privileg, das nicht vielen Menschen zuteil wird. Entsprechend habe ich jede Minute genossen – auf und neben dem Eis. Und einmal mehr habe ich gelernt, dass man nie weiss, welche Überraschungen das Leben bereithält.» Ja, es war wirklich ein aufregender Jahreswechsel.

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