Kestenholz

Triathlon-Profi Max Studer nach hervorragendem Top-10-Platz: «Ich habe mein Limit noch nicht erreicht»

Max Studer aus Kestenholz beisst sich an der Triathlon-WM in Hamburg beim Team Relay ins Ziel.

Max Studer aus Kestenholz beisst sich an der Triathlon-WM in Hamburg beim Team Relay ins Ziel.

Triathlon-Profi Max Studer aus Kestenholz übertrifft an der WM in Hamburg mit Platz 10 seine Erwartungen – und hat Motivation getankt für mehr.

Ein Rang in den Top 20 war das Ziel, am Ende ist es ein 10. Platz an der Triathlon-WM in Hamburg geworden. Sie müssen zufrieden sein?

Max Studer: Ja, ich kann mit meiner Leistung zufrieden sein, die Form hat gepasst. Es ist meine Bestleistung an einem WTS-Rennen (Anm.: World ­Triathlon Series), ich war zuvor noch nie besser klassiert als 13. Es zeigt mir auf, dass der Weg stimmt, die Tendenz zeigt aufwärts, was mich sehr positiv stimmt, auch für die kommende Trainingszeit im Winter.

750 Meter Schwimmen, 18,9 km Rennvelofahren, 5 km Laufen. Wie bilanzieren Sie Ihr Rennen?

Das Rennen fand in einem abgesperrten Park statt, alles war sehr eng, weshalb das Rennen besonders technisch war. Man musste zu jedem Zeitpunkt fokussiert sein. Auf der Schwimmstrecke konnte ich mich dann leider im grossen Feld nicht durchsetzen, die Form im Schwimmen wäre eigentlich gut gewesen, aber ich konnte mich von Anfang an nie ideal positionieren.

Sie sind als 51. von 65 Teilnehmern aus dem Wasser gekommen.

Es ging sehr schnell auf die erste Boje zu, dort wurde ich dann etwas eingeklemmt, es fand ein Gerangel um die besten Plätze statt, und weil ich da körperlich etwas unterlegen war, konnte ich mich nicht durchsetzen. Das Positive war aber, dass ich trotz allem nicht gross Zeit eingebüsst hatte.

Sie machten in der Folge als laufstarker Triathlet viele Plätze gut.

Ja, obwohl der erste Wechsel eigentlich gut war, konnte ich mich in der Velogruppe zunächst ebenfalls nicht so gut platzieren. Es gab dann auch vor dem zweiten Wechsel ein, zwei Momente, in denen ich mehr hätte investieren müssen, um weiter vorne auf die Laufstrecke gehen zu können. Denn insbesondere bei den Wechseln verliert man schnell einmal einige Sekunden, weil man Zeit verplempert. Beim nächsten Mal werde ich versuchen, etwas aggressiver zu sein in diesen Momenten, damit ich meine gute Laufzeit in noch bessere Resultate umsetzen kann. Das habe ich auch bereits mit meinem Coach Brett Sutton so analysiert.

Wenn man Ihre Zeiten mit denjenigen von Sieger Vincent Luis vergleicht, fehlt eigentlich nicht viel bis ganz nach vorne an die Spitze.

Die Leistung und die Form waren sicher vorhanden. Vielleicht fehlte etwas die Erfahrung bei dieser engen Strecke, bei der die Platzierung und Positionierung gegenüber der Konkurrenz besonders wichtig war. Der Speed war in allen Disziplinen da, ich fühlte mich gut. Vielleicht hätte es mit etwas grösserem Fokus in den entscheidenden Momenten noch weiter nach vorne gereicht.

Am Sonntag, einen Tag nach Ihrem 10. Rang, erreichten Sie mit dem Schweizer Team im Mixed Team Relay (4× 300 m Schwimmen, 6,3 km Rennvelo, 1,7 km Laufen) den 7. Rang.

Wir gingen mit einem sehr jungen Team an den Start. Ich denke, wir haben das bestmögliche Resultat herausgeholt. Mit meiner persönlichen Leistung bin ich zufrieden. Ich griff als Teamletzter auf Position 11 ein und kam als Siebter ins Ziel. Auf dem Velo konnten wir in einer Gruppe gut Tempo machen und arbeiteten gut zusammen, um Zeit wettzumachen.

Auf der Laufstrecke waren Sie am Sonntag der Schnellste aller Männer – ein grosses Ausrufezeichen.

Das war erfreulich für mich. Ich konnte zeigen, dass ich über diese Distanz zu den Weltbesten gehöre. Es war wichtig, um mich für einen Startplatz zu empfehlen. Ich erhoffe mir, dass wir im Schweizer Triathlon unser Potenzial im Mixed Team Relay erkennen, wir müssen uns noch stärker darauf konzentrieren – vor allem auch, weil es eine olympische Disziplin ist, damit wir schon bald um die Top-5-Plätze kämpfen können.

Die Austragung des einzigen WTS-Rennens in diesem Jahr stand unter einem besonderen Stern. Sie waren in einer Athleten-Blase, das Gelände war abgesperrt, überall war Maskenpflicht. Wie haben Sie die Coronamassnahmen vor Ort erlebt?

Es war sehr gut organisiert, und es war im Vergleich zu einem normalen Wettkampf sicher speziell. Aber nichtsdestotrotz waren die Massnahmen nicht etwas, was mich beeinflusst oder beschäftigt hätte. Es hatte nie einen Einfluss auf meine Leistung. Als Athlet hatten wir uns sehr schnell an die Umstände gewöhnt, sodass ich mich wie immer seriös auf den Wettkampf vorbereiten konnte. Die Organisatoren haben grossen Aufwand betrieben, und auch vom Verband her war alles sehr gut reglementiert. Ich bin froh, konnte ich wieder mal an einem Rennen teilnehmen. Das Wochenende hat uns allen auch aufgezeigt, dass es trotz Corona möglich ist, Triathlon-Wettkämpfe durchzuführen.

Was nehmen Sie mit von Ihrem Auftritt?

Die Wettkämpfe waren nach einer langen Trainingszeit sehr positiv für mich, ich konnte dort anknüpfen, wo ich vor Corona aufgehört hatte. Die Wettkämpfe haben mir aufgezeigt, dass ich auf einem guten Weg bin und auch das intensive Training, das wir in Coronazeiten gemacht haben, funktioniert hat. Wir haben die wettkampffreie Zeit gut genutzt. Ich bin belohnt worden und konnte mich weiterentwickeln. Das motiviert mich nun umso mehr, diesen Weg weiterzugehen. Denn das Positivste, was ich gemerkt habe, ist: Ich habe mein Limit noch nicht erreicht.

Wie sehen Ihre nächsten Wochen aus? Verbringen Sie den Winter in der Schweiz?

Nun stehen erst mal ein paar Tage Erholung bei der Familie auf dem Programm, bevor es dann wieder nach St. Moritz geht. Dort, in meiner Trainingsbasis, werde ich den Winter verbringen und auch weiterhin mit Trainer Brett zusammenarbeiten. Es wird viel mit Alternativtraining zu tun haben, aber das hat mir im vergangenen Winter schon recht gegeben. Und dann hoffe ich, dass das nächste Jahr tatsächlich ein Olympia-Jahr sein wird.

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