Swiss League
Der nächste Akt im Oltner Drama: Der EHC Olten kassiert beim HC Thurgau eine 2:6-Klatsche

Der EHC Olten kann die Negativserie beim HC Thurgau nicht beenden und verliert deutlich mit 2:6. Drei Minuten Zerfallserscheinungen führen zur 6. Niederlage in Serie. Die Luft für Trainer Fredrik Söderström wird dünner.

Silvan Hartmann
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Der EHC Olten, im Bild Stürmer Dominic Weder, am Boden.

Der EHC Olten, im Bild Stürmer Dominic Weder, am Boden.

Claudio Thoma / freshfocus

Die Schlusssirene in der Güttingersreuti kam für den EHC Olten schon fast einer Erlösung gleich. Eine Schlusssirene, die man sich eigentlich schon nach 40 Minuten herbeisehnte: 2:6 steht am Ende auf der Anzeigetafel. Ein Resultat, das eine deutlichere Sprache kaum sprechen könnte. Insbesondere die Art und Weise, wie dieses Resultat zustande kam, muss zu denken geben: Einmal mehr hatte der EHC Olten engagiert begonnen. Man notierte ein halbes Dutzend Abschlüsse, noch bevor der HC Thurgau einen ernsthaften Torschuss abgeben konnte. Jewgeni Schirjajew als Torschütze und Silvan Wyss als Passgeber eröffneten schliesslich verdient das Skore – auch in der Folge noch die hellsten Sterne am Oltner Nachthimmel.

Und dann? Ja, dann nahm das Desaster seinen Lauf. Verteidiger Simon Lüthi vertändelte im Powerplay als letzter Mann die Scheibe an der offensiven blauen Linie, worauf Thurgaus Hobi entwischte und den Konter eiskalt ausnutzte. Ein Fehler, der das derzeit so fragile Gerüst des EHC Olten zusammenstürzen lässt. Zwar retten sich die Powermäuse noch schadlos in die Pause, doch im Mitteldrittel sollten drei Minuten und 21 Sekunden folgen, in denen der EHC Olten regelrechte Zerfallserscheinungen zeigt. Thurgaus Spannring und dessen neuste Swiss-League-Importspieler Ang nutzten das unkoordinierte Defensivspiel der Oltner innert 20 Sekunden rigoros aus, worauf drei Minuten später der zweite Ausländer Brennan auch noch zum 4:1 nachdoppelte.

Eine Hypothek, auf die der EHC Olten in dieser Verfassung ausser Schirjajews 2:5-Treffer keine Antworten mehr findet, sodass man nur noch mit Frustbewältigungen, insgesamt 31 Strafminuten im Schlussabschnitt, auf sich aufmerksam machte.

Was nun? Es bleibt die wesentliche Frage nach dem nächsten Akt im Oltner Eishockey-Drama, die man sich im Umfeld des EHC Olten immer deutlicher fragt. Die sechste Niederlage in Folge wird den Ruf nach einem Trainerwechsel noch einmal verstärken.

In einer ohnehin schon schwierigen Saison, in welcher es für professionelle Eishockeyklubs um so viel mehr geht als um sportlichen Erfolg – und falscher Aktionismus daher gefährlich sein könnte – bleibt die Frage, ob sich der EHC Olten einen Trainerwechsel überhaupt leisten könnte und möchte. Nun, die Ansätze von Zerfallserscheinungen dürften bei den Klubverantwortlichen bestimmt emotionale Gespräche hervorrufen.

Klar ist, dass die Luft für Trainer Fredrik Söderström immer dünner wird. Vom EHC Olten ist unmittelbar nach dem Spiel zu erfahren, dass man derzeit «über alles Mögliche» diskutiert und verschiedene Szenarien prüft. Möglich erscheint auch, dass sich Marc Grieder als Assistenztrainer zurückzieht und sich seiner wesentlichen Arbeit als Sportchef widmet. Zumindest hatte der EHC Olten bereits vor der sechsten Niederlage in Serie ein Zeichen gesetzt, dass seine Arbeit fernab der Bande nicht weniger gefragt ist und man nichts unversucht lassen möchte: Quasi über Nacht engagierte Marc Grieder der bei Kloten nicht mehr glücklich gewordene Verteidiger David Stämpfli sowie Klubkollege und Stürmer Greg Halberstadt.

Mittendrin im Kampf um einen Playoffplatz

So oder so: Ein Blick auf die Tabelle dürfte beim einen oder anderen EHCO-Anhänger langsam aber sicher Schnappatmungen auslösen. Mit 1,49 Punkten pro Spiel klassieren sich die Powermäuse auf Platz 7. Und mittlerweile lauert sogar der EHC Visp auf Rang 8 verlustpunktlos im Nacken. Beim Rennen um einen fixen Playoffplatz der ersten sechs Teams steht der EHC Olten also plötzlich mittendrin.

Am Mittwoch gastiert der EHC Kloten im Kleinholz. Gegen den Leader hatten die Oltner letztmals drei Zähler verbuchen können – vor 24 Tagen. Das ist schon ein gutes Weilchen her.

Telegramm

Thurgau – Olten 6:2 (1:1, 4:0, 1:1)

Güttingersreuti. – Keine Zuschauer. – SR Eichmann/Weber, Gurtner/Baumgartner. – Tore: 6. Schirjajew (Wyss, Gurtner) 0:1. 9. Hobi (Ausschluss Hinterkircher!) 1:1. 24. (23:10) Spannring 2:1. 24. (23.:30) Ang 3:1. 27. Brennan (Hobi, Spannring) 4:1. 34. Brändli (Ausschluss Schirjajew) 5:1. 45. Schirjajew (Elsener, Schwarzenbach 5:2. 48. Spannring (Ang, Hobi; Ausschluss Schwarzenbach, Schirjajew) 6:2. – Strafen: 4-mal 2 Minuten plus 10 Minuten Disziplinarstrafe (Hinterkircher) gegen Thurgau, 5-mal 2 Minuten, 5 Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe (Schirjajew) sowie 10 Minuten unsportliches Verhalten (Othmann) gegen Olten.

Thurgau: Aeberhard (Messerli); Brennan, Wildhaber; Fechtig, Scheidegger; Schmuckli, Soracreppa; Schnyder; Bischofberger, Hobi, Spannring; Hinterkircher, Rundqvist, Rehak; M. Loosli, Brändli, J. Loosli; Wetli, Ness, Ang; Baumann.

Olten: Matthys (Stauffacher); Elsener, Nater; Philipp Rytz, Lüthi; Suleski, Weisskopf; Stämpfli, Gurtner; Schwarzenbach, Schirjajew, Wyss; McTavish, Knelsen, Nunn; Othmann, Fuhrer, Portmann; Fogstad Vold, Weder, Oehen.

Bemerkungen: Olten ohne Paupe, Racciatti (beide abwesend), Rexha, Simon Rytz, Daneel, Hüsler (verletzt) sowie Halberstadt, Heughebaert, Maurer (überzählig). Thurgau ohne Schmutz, Hulak, Mosimann, Moser, Rüegger, Parati, Hollenstein, Molina, Moor (verletzt), Wetter, Bader, Mark, Schweri (abwesend) sowie Fritsche, Lanz, Kellenberger (überzählig).

Das Bild spricht Bände: Thurgau jubelt, Olten ist ratlos.
16 Bilder
Evgueni Chiriayev kann im dritten Drittel noch etwas Resultat-Kosmetik betreiben.
Garry Nunn im Zweikampf mit Cyrill Bischofberger.
Thurgaus Terrence Brennan verbucht das 4:1.
Die Oltner versuchen eine Reaktion zu zeigen.
Dion Knelsen kommt nicht an Nicola Aeberhard vorbei.
Olten will im zweiten Abschnitt kein Tor gelingen.
NHL-Prospect Mason McTavish kommt mit dem EHCO arg in Bedrängnis.
Leonardo Fuhrer muss einen Hit einstecken.
Der HC Thurgau hat den EHC Olten im Griff.
Topskorer Garry Nunn findet keine Antwort auf die vier Gegentreffer.
Oltens Rihards Melnalksnis muss einstecken.
Olten-Keeper Silas Matthys ist im zweiten Drittel nicht zu beneiden.
Thurgau schenkt dem EHCO im zweiten Drittel vier Tore ein.
Mit einem 1:1-Unentschieden gehen die beiden Teams in die Pause.
Die Partie gestaltet sich im ersten Drittel noch ausgeglichen.

Das Bild spricht Bände: Thurgau jubelt, Olten ist ratlos.

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