PRO von Silvan Hartmann: «Chris Bartolone hat eine zweite Chance verdient»

Ein Blick zurück kann nicht schaden, um verstehen zu können, was Trainer Chris Bartolone bei den Powermäusen erreicht hat. Am 4. Februar 2018 entlässt der EHC Olten seinen genügsamen Trainer Bengt-Ake Gustafsson. Nur wenige Tage zuvor polterten einige Spieler: «Wir waren 22 Einzelkämpfer.» Assistent Chris Bartolone wurde zum Headcoach befördert. Es erwies sich als der richtige Schritt, hatte er doch umgehend erkannt, wo der Hebel anzusetzen ist. Der 49-Jährige schaffte es, aus Einzelkämpfern ein Team zu formen. Der Italo-Amerikaner forderte Einsatzbereitschaft, Leidenschaft, Herz und vor allem ein Denken, bei dem der Kampfgeist für den Teamerfolg als Ganzes im Vordergrund steht. Das zeichnete die Mannschaft 18/19 aus, da war ein Zusammenhalt spürbar. Man konnte dem Team nie ernsthaft unterstellen, nicht präsent zu sein. Die Resultate stimmten für lange Zeit, man spielte bis zur letzten Minute um den Qualifikationssieg.

Natürlich sind Bartolone die taktischen Defizite nicht abzusprechen. Aber seien wir ehrlich: Wer hat schon in seinem ersten Job in einer neuen Funktion die Anforderungen umgehend übertrumpft? Man muss auch bedenken, dass in diesen Playoffs viel gegen Bartolone sprach. So ist er nicht derjenige, der 49 Sekunden vor Spielende eine kapitale Strafe einfängt. Er ist auch nicht der Mann, der ein faules Ei kassiert und erst recht nicht einer, der seine Spieler vor Playoffstart verletzt.

Chris Bartolone ist ein ehrlicher, aufrichtiger, loyaler Mensch. Er hat Goodwill vom Oltner Publikum verdient. Die Kommunikation ist bei ihm das A und O. Die Tür zum Coaching-Büro stand für die Spieler stets offen, sowohl in beruflichen wie auch privaten Belangen. Chris Bartolone selbst ist stolz auf seine Arbeit, widerspricht aber auch der Aussage nicht, wonach er noch längst nicht ausgelernt hat. Warum die nächste Saison also nebst Bartolone nicht mit einem Assistenzcoach starten, der dem Headcoach bei taktischen Fragen zur Seite steht und behilflich sein kann. Der EHC Olten tut gut daran, nachhaltig zu arbeiten. Chris Bartolone hat eine zweite Chance verdient.

KONTRA von Marcel Kuchta: «Es bringt nichts, an einer brüchigen Beziehung festzuhalten»

Schon wieder ein neuer Mann hinter der Bande des EHC Olten? Nach Heikki Leime, Maurizio Mansi, Bengt-Ake Gustafsson nun mit Chris Bartolone der nächste Trainer, der die Erwartungen nicht erfüllt? Die Muster gleichen sich. Deshalb liegt der Reflex nahe, es diesmal anders zu machen, diesmal am Trainer festzuhalten. Es wäre durchaus erstrebenswert, dass dieser unheilvolle Trend, dieser ewige Kreislauf endlich gebremst und endlich mal die Mannschaft in die Pflicht genommen wird. Nur ist jetzt der falsche Zeitpunkt dafür.

Wieso? Der EHC Olten befindet sich punkto Sport in einer Phase des Umbruchs, welcher von Sportchef Marc Grieder, der erst seit einem Jahr im Amt ist, eingeleitet wurde. Grieder ist dabei, die Mannschaft nach seinem Gusto umzubauen. Und dabei spielt der Trainer eine wichtige Rolle. In Olten will man vermehrt auch auf jüngere, hungrige Spieler setzen, die sich zu Leistungsträgern entwickeln können. Dafür braucht es einen Mann an der Bande, der diese Talente fordert und fördert. So gut Chris Bartolone an den Kampfgeist und die Geschlossenheit seiner Spieler zu appellieren vermochte, so wenig gelang es ihm, sie in taktischen Belangen weiterzubringen. Die Kritik am Oltner Trainer wurde im Verlauf der Playoffs immer lauter. Seine fehlenden Impulse von der Bank waren in der Tat oft rätselhaft und unbegreiflich. Es schien bisweilen, dass er in seinem Schema gefangen war und keinen Plan B zur Hand hatte, wenn die Mannschaft Hilfe gebraucht hätte. Eine klare Handschrift des Trainers war selten erkennbar, oft machte nur die individuelle Klasse der Spieler die Differenz zugunsten der Powermäuse aus. Und das ist unter dem Strich ganz einfach zu wenig, um eine Vertragsverlängerung in Betracht zu ziehen. Es bringt nichts, an einer Beziehung festzuhalten, wenn das Fundament von Anfang an brüchig ist.

Natürlich gibt es keine Garantie, dass ein neuer Mann an der Bande sofort mehr Erfolg bringt. Zumal der nicht immer über alle Zweifel erhabene Kern der Mannschaft zusammenbleibt. Aber man könnte zumindest eine gesunde Basis bauen.