Unihockey

So funktioniert eine Meisterschaft trotz Coronavirus

Das Covid19-Reglement von Swiss Unihockey regelt Spielabsagen und führt ein neues Punktesystem für die Tabelle ein.

Das Covid19-Reglement von Swiss Unihockey regelt Spielabsagen und führt ein neues Punktesystem für die Tabelle ein.

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation hat Swiss Unihockey ein Covid19-Reglement erarbeitet, welches die Durchführung der Meisterschaften gewährleistet. Dabei wird festgelegt, wann ein Team Spiele coronabedingt absagen darf und wie neu die Tabellen berechnet werden.

Spiel ohne Wertung. Dieses Szenario könnte sich im Sport in den nächsten Wochen und Monaten häufen. Wie trotz Spielabsagen ein Meisterschaftsbetrieb durchgeführt und gewertet werden kann, macht das Unihockey vor. Vergangenen Sonntag fiel die Begegnung zwischen dem STV Spreitenbach und White Horse Lengnau in der 1. Liga auf dem Kleinfeld dem Coronavirus zum Opfer. Die Spreitenbacher befinden sich seit dem Cupspiel gegen den UHC Mutschellen vom 13. September in zehntägiger Quarantäne, da der Corona-Test eines Spielers positiv ausfiel. Dank des für diese Saison erarbeiteten Covid19-Reglements droht jedoch kein Abbruch der Saison.

Anlehnung an das Punktesystem in der NBA

Wie kann eine Qualifikation gewertet werden, bei der nicht alle Teams gleich viele Spiele bestritten haben? Mit dieser Frage beschäftigte sich Swiss Unihockey diesen Sommer. «Uns war klar, dass es ein griffiges Reglement braucht», sagt Reto Balmer, Leiter Sport von Swiss Unihockey. Bei der Umsetzung hat man sich auch von anderen Sportarten inspirieren lassen. In der NBA, der besten Basketballliga der Welt, wird die Tabelle innerhalb einer Conference nicht nach absoluten Punkten berechnet, sondern nach einem Punktequotienten. Dabei wird die Gesamtpunktzahl durch die Anzahl der absolvierten Partien geteilt. Auf diese Weise wird die Vergleichbarkeit gewährleistet, auch wenn nicht alle gleich viele Spiele absolviert haben.

Sportliche Fairness als wichtige Prämisse

Diesen Ansatz wurde für das Covid19-Reglement übernommen, das für alle Ligen im Unihockey Gültigkeit besitzt. «Die sportliche Fairness war eine wichtige Prämisse», sagt Balmer über die Ausarbeitung des Reglements. Er gibt aber auch zu: «Hundert Prozent fair ist es nicht. In Anbetracht der Umstände ist es aber die fairste Variante.» So wird für die Platzierung in der Tabelle neu der Quotient der durchschnittlichen Punkte pro Spiel entscheidend und nicht wie bisher die total erreichten Punkte. Damit kann die Qualifikation auch gewertet werden, ohne dass alle Begegnungen stattgefunden haben. Es galt eben, einen Kompromiss zu finden, dass überhaupt gespielt werden kann.

Natürlich kann nie von Chancengleichheit ausgegangen werden, wenn nicht alle Partien gespielt wurden. An diesen Zustand wird man sich aufgrund der aktuellen Situation jedoch gewöhnen müssen. Es wird vorkommen, dass gewisse Teams nicht alle Duelle gegen die Topmannschaften ausgefochten haben, während andere gegen «einfachere» Gegner nicht spielen konnten. Dieser Umstand wird sicherlich für Unmut bei den betroffenen Vereinen sorgen. Es stellt sich jedoch die Frage, welchen anderen Weg es momentan gibt. «Eine perfekte Fairness ist in der Corona-Saison eine Utopie», sagt Balmer. Jedoch wollte man das Möglichste machen, dass die Meisterschaften gespielt werden können.
Ausgeschlossen ist, dass Teams Coronafälle vortäuschen, um nicht gegen die Topgegner antreten zu müssen. So heisst es im Reglement: «Mindestens sieben (Kleinfeld: fünf) Spieler müssen aufgrund von Krankheit, angeordneter Isolation, Quarantäne oder aus behördlichen Gründen ausfallen. Swiss Unihockey behält sich vor, die Angaben durch einen Vertrauensarzt prüfen zu lassen.» Ohnehin ist davon auszugehen, dass alle sich einfach darauf freuen, wieder spielen zu können.

Berechenbarkeit der Tabelle leidet unter neuer Regel

Ein Makel bleibt dennoch. Nach erst zwei Spieltagen sind die Tabellen noch übersichtlich und nachvollziehbar. Gegen Ende der Qualifikation wird es dann aber zur Rechenspielerei, wenn man herausfinden möchte, wie viele Spiele gewonnen werden müssen, um einen besseren Quotienten als der Gegner zu haben. Auch deswegen sind nicht alle Vereine glücklich über die neuen Regeln. «Es ist aber jedem klar, dass gewisse Kompromisse gemacht werden müssen, um eine Meisterschaft durchzuführen», sagt Reto Balmer. Sein Fazit lautet deshalb: «Mit diesem Reglement haben wir eine gute Grundlage, möglichst lange spielen zu können.» Wie sich die Lage mit dem Coronavirus weiterentwickelt und welche Auswirkungen das auf den Sport haben wird, ist sowieso nur schwer absehbar. Im Unihockey wurden aber die Weichen gestellt, um eine erfolgreiche Saison durchzuführen.

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