«Das war für uns natürlich ein wichtiger Befreiungsschlag», kommentiert Solothurns Captain Marcel Fischer den 7:1-Erfolg seines Teams im Bahnhofbuffet Olten, dem Klublokal des Schachklubs Olten. Der Absteiger holte in der fünften Runde der NLB-Ostgruppe endlich seine beiden ersten Mannschaftspunkte. Obwohl sie bei ihrem letztjährigen NLA-Abenteuer alle neun Partien verloren und obwohl ihr langjähriger Stammspieler Christian Berchtold für diese Saison eine Auszeit ankündigte, galten die Solothurner als erklärte Favoriten für den sofortigen Wiederaufstieg.

Doch es kam anders. Die Solothurner verloren die vier ersten Matches allesamt 3½:4½ – vier Mal mit dem knappmöglichsten Resultat. «Jeder nahm sich seine Auszeit in einem anderen Match», analysiert Marcel Fischer den Fehlstart mit leicht ironischem Unterton. Doch der Solothurner Captain ortet einen zusätzlichen Grund für die Niederlagenserie: «Nachdem wir unser grosses Ziel, einmal in der Nationalliga A spielen zu können, erreicht hatten, gab es bei einigen von uns eine gewisse Leere. Wir setzten zum Teil auch neue Prioritäten, bei denen Schach nicht mehr eine so grosse Rolle spielt. So verloren wir Matches, die wir in der Aufstiegssaison noch 4½:3½ gewonnen hatten, plötzlich 3½:4½.»

Rangliste nach 5 von 9 Runden:

1. Winterthur II 10 (24/nicht aufstiegsberechtigt).
2. St. Gallen 8 (22½).
3. Baden 7 (22).
4. Zürich II 5 (21½/nicht aufstiegsberechtigt).
5. Luzern II 5 (20/nicht aufstiegsberechtigt).
6. Olten 4 (17½).
7. Wettswil 3 (19).
8. Solothurn 2 (21).
9. Tribschen 2 (17½).
10. Schwarz-Weiss Bern 2 (15).

Olten überraschte zum Auftakt

Und so kam es, dass die Solothurner das Derby plötzlich gewinnen mussten, um nicht schon in der Sommerpause mit einem Bein in der 1. Liga zu stehen. Ganz anders die Oltner. Obwohl nach ELO-Rating lediglich die Nummer 10 unter den zehn Teams der NLB-Ostgruppe, gewannen sie überraschend die beiden ersten Matches. Dass es im Derby keinen weiteren Punktezuwachs gab, führt Adrian Kamber primär auf die individuelle Klasse des Gegners zurück: «Solothurn war an allen acht Brettern stärker besetzt.» Dem 1:7-Debakel versucht der SKO-Captain auch etwas Positives abzugewinnen: «Eine klare Niederlage ist einfacher zu verdauen, als wenn wir unglücklich 3½:4½ verloren hätten.»

Noch haben die auf Rang 6 liegenden Oltner, die in den beiden vergangenen Saisons jeweils auf wundersame Art und Weise dem Abstieg entronnen sind, doppelt so viele Zähler im Trockenen wie das achtplatzierte Solothurn. Doch für Adrian Kamber, der schon beim letzten Kantonalderby im Jahr 2007 in der 1. Liga dabei war und dank seines Siegs gegen Marcel Fischer massgeblichen Anteil am damaligen 4½:3½-Erfolg der Oltner hatte, ist klar: «Wir brauchen noch Punkte, um oben zu bleiben. Warum nicht in den beiden nächsten Partien gegen St. Gallen und Zürich II – obwohl wir auch gegen die als Aussenseiter antreten?»

Noch mindestens vier Zähler aus den restlichen vier Runden braucht nach Ansicht von Marcel Fischer auch das mit den beiden letztplatzierten Tribschen und Schwarz-Weiss Bern punktgleiche Solothurn, um den direkten Absturz von der Nationalliga A in die 1. Liga zu verhindern. «Ich hoffe, der Knopf hat sich nun gelöst. Wir haben zwar noch starke Gegner. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir den Klassenerhalt schaffen.»