Am 22. März ging für Luca Zanatta die Swiss-League-Saison mit einer 2:3-Niederlage in Langenthal plötzlich zu Ende. Auch er gehörte zu den Spielern des EHC Olten, die das Eis in der Schorenhalle mit hängenden Köpfen und Tränen in den Augen verliessen. Doch während der Grossteil seiner Teamkollegen nach dem äusserst schmerzvollen Ausscheiden erst einmal den Kopf lüften und die Beine hochlagern konnten, ging es für Zanatta weiter.

Schon am 1. April rückte er ins erste WM-Trainingscamp der italienischen Nationalmannschaft ein. Mit einer klaren Mission vor Augen: Sich erneut einen Platz in der WM-Auswahl der Azzurri zu sichern. So wie schon 2015, 2017 und 2018. Auch deshalb sah der 27-Jährige für sich gute Chancen, das gesteckte Ziel zu erreichen. «Ich war schon ein paarmal dabei. Das hat mir sicher geholfen», sagt Zanatta im Anschluss an das Freitagstraining in Bratislava.

Luca Zanatta (l.) im Gerspräch mit Giovanni Morini

Luca Zanatta (l.) im Gerspräch mit Giovanni Morini

Er hat es also geschafft. Gut fünf Wochen nach dem ersten Nationalmannschaftszusammenzug gehört er zum Kreis der Auserwählten, der in der slowakischen Hauptstadt ein Ziel hat: Den Klassenerhalt zu schaffen. Als Luca Zanatta 2017 in Köln zum ersten Mal an einer WM auf höchster Leistungsstufe teilnahm, da konnten er und seine Teamkollegen den direkten Wiederabstieg nicht verhindern.

Wie schwierig dieses Unterfangen für jeden Aufsteiger ist, zeigt ein Blick auf die Statistik. Seit der WM 2008, als Frankreich den Klassenerhalt schaffte, gelang es lediglich einer einzigen Mannschaft, nicht postwendend wieder in die B-Gruppe abzusteigen: im Vorjahr in Kopenhagen den Österreichern.

Diese wenig ermutigenden Statistiken vermögen Luca Zanatta allerdings nicht einzuschüchtern. Einerseits sind er und seine Teamkollegen genug realistisch, um sich auf den zu erwartenden sportlichen Überlebenskampf einzustellen. Auf der anderen Seite wissen die Italiener auch, dass sie sich vor allem auf ein Duell konzentrieren müssen: jenes gegen Österreich. Dort wird sich wohl entscheiden, wohin die Reise geht.

Luca Zanatta.

Luca Zanatta.

Das heisst aber nicht, dass die «Azzurri» nicht auch gegen die anderen Kontrahenten ans Limit gehen werden. Zum Beispiel heute (12.15 Uhr) im Spiel gegen die Schweizer. Eine Affiche, die natürlich auch für Luca Zanatta eine ganz spezielle ist. «Ich habe mein halbes Leben in der Schweiz verbracht. Sie ist für mich eine zweite Heimat geworden», erzählt er lächelnd. Im Gegensatz zu seinen beiden anderen «Schweizer» Teamkollegen Giovanni Morini (Lugano) und Diego Kostner (Ambri) spielt Zanatta allerdings «nur» in der zweithöchsten Liga.

Während er mit dem EHC Olten auch mal auf deutlich schwächere Teams wie die Ticino Rockets trifft, kommt es für ihn in Bratislava plötzlich zum Zusammentreffen mit den russischen Raketen. Dann gilt es für Luca Zanatta, sich gegen Superstars wie Alex Owetschkin, Jewgeni Malkin oder Nikita Kutscherow zu behaupten. «Am Anfang hatte ich schon etwas Mühe, mich dem höheren Niveau anzupassen. Aber nach fünf Wochen Trainingslager ist man wieder im Rhythmus drin», ist der EHCO-Verteidiger zuversichtlich, dass er seinen Job nach bestem Wissen und Gewissen ausüben kann.

Die Chance auf ein Happyend

Im Gegensatz zu seinen Oltner Teamkollegen, die seit dem 1. Mai wieder offiziell im Sommertraining schwitzen, läuft die Saison von Luca Zanatta also immer noch auf Hochtouren. Er hofft, dass er den WM-Schwung dann mit zurück zu seinem Arbeitgeber nehmen kann. Nach der WM ist dann aber auch für den Italiener mit Schweizer Lizenz erst einmal eine Pause angesagt. «Es wird guttun, mal ein paar Tage Abstand vom Eishockey zu haben», sagt Zanatta. Aber eben: Vorher ist noch WM. Und die Chance, die Saison doch noch mit einem Happyend abzuschliessen.