Playoffs
Drei Geschenke, aber viel Herz, Biss und Leidenschaft – und 6 Tore! Der EHC Olten erkämpft sich gegen Kloten ein fünftes Playoffspiel

Mit dem Rücken zur Wand sendet der EHC Olten ein grosses Lebenszeichen und schlägt den EHC Kloten 6:3. Weil die Powermäuse endlich wahres Playoffeishockey spielen, kommen sie zu ihrem verdienten ersten Sieg. Damit kommt es am Montagabend in Kloten zu einem Spiel fünf.

Silvan Hartmann
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Hängende Köpfe beim EHC Kloten nach der 3:6-Niederlage gegen den EHC Olten.
11 Bilder
Stanislav Horansky (Olten) schiesst gegen Kloten-Goalie Dominic Nyffeler das Tor zum 5:3
Fredrik Soederstroem kann wieder lachen.
Grosser Jubel bei Olten nach dem Tor von Leonardo Fuhrer.
Esbjoern Fogstad Vold gleicht die Partie im ersten Drittel aus.
Stanislav Horansky beschäftigt die Defensive des EHC Kloten.
Der EHC Kloten behält im ersten Abschnitt die Oberhand.
Voller Einsatz bei Oltens Cedric Hüsler, der nach seinem Wadenbeinbruch im Dezember das Comeback gibt.
Der EHC Olten zeigt im vierten Spiel gegen Kloten ein anderes Gesicht.
Cédric Hüsler sucht den Abschluss.
Garry Nunn bringt den EHCO in Führung.

Hängende Köpfe beim EHC Kloten nach der 3:6-Niederlage gegen den EHC Olten.

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Die Spielzusammenfassung

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Das Spiel

Erstes Drittel: Der Arbeitstag von Eric Faille dauert keine vier Spielminuten, dann wird er unter die Dusche geschickt: Der Kloten-Ausländer trifft EHCO-Topskorer Dion Knelsen mit dem Stock am Hals. Die Schiedsrichter taxieren die Aktion als schwerwiegender Schlag – eine äusserst hart gepfiffene Strafe. Nun gut, der EHC Olten weiss es auszunutzen, Garry Nunn trifft mit einem gezogenen Schuss zentral von der blauen Linie. Doch zu mehr als dieser 1:0-Führung reichte es in der 5-Minuten-Überzahl nicht, Elsener trifft lediglich noch die Latte. Eine 2:0-Führung wäre ein willkommenes Polster gewesen. Doch stattdessen reiht der EHC Olten in der Defensive Fehler an Fehler: Erst lässt Verteidiger Maurer nach einem Befreiungsschlag der Klotener in der neutralen Zone die Scheibe via Bande passieren, Figren sagt Danke und setzt Forget am langen Pfosten stehend ein, der Torhüter Rytz zwischen den Beinen erwischt. Und danach verliert Simon Lüthi im dümmsten Moment die Kontrolle, fällt hin, Klotens Kellenberger ergattert sich die Scheibe, worauf Figren eiskalt vollendet. Immerhin weiss der EHCO darauf zu antworten: Fogstad Vold findet plötzlich im Slot viel Platz vor, kommt nach einem Schwab-Schuss an die abgeprallte Scheibe, umspielt Goalie Nyffeler und trifft zum 2:2. Was erstaunlich ist: Dieser 2:2-Ausgleich ist Oltens erstes Tor bei Fünf-gegen-Fünf in dieser Halbfinalserie. Doch das ist kaum etwas wert, wenn sich der EHCO weiterhin defensiv kapitale Fehler erlaubt: Kellenberger kommt im Slot liegend zum Abschluss, die Scheibe hüpft auf die Grundlinie, auf der Verteidiger Lüthi verzweifelt die Scheibe zu befreien versucht. Erst schlägt er über den Puck, im zweiten Anlauf trifft er Goalie Rytz’ Schlittschuh, von dort landet die Scheibe im Tor – 2:3.

Zweites Drittel: Auch dieses Missgeschick wirft den EHC Olten nicht aus der Bahn, bringt im zweiten Drittel in der Verteidigung wieder etwas mehr Stabilität aufs Eis. Und er startet in Überzahl in den Mittelabschnitt - es bleibt nicht die einzige im zweiten Drittel. Zwar können die Oltner aus insgesamt drei Powerplays keinen Profit ziehen, doch die Powermäuse sind jeweils in den Minuten danach präsent – und erfolgreich: Erst fälscht Dion Knelsen im Slot mit seinem Körper einen Elsener-Schuss ins Tor ab und gleicht damit aus. Und nach Spielmitte vollendet Leonardo Fuhrer einen Angriff sehenswert zur 4:3-Führung, nachdem Fogstad Vold abgelegt hatte.

Drittes Drittel: Dieser 4:3-Lead weiss Olten nach der zweiten Pause auszubauen: Horansky bleibt im Zweikampf ohne Scheibe im Slot standhaft, setzt sich durch und schiebt den ideal getimten Pass von Nunn ein. In der Folge kann Weisskopf seinen eigenen Fehler nur noch mit einer Notbremse ausbügeln, weshalb es zu einem Penalty kommt. In diesem zeigt Goalie Rytz Klotens Figren den Meister. Der EHC Olten rutscht daraufhin in eine gefährliche Passivität, während Kloten einen Gang höher schaltet. Drei Minuten vor Ende der Partie macht Kloten-Torhüter Nyffeler einem Feldspieler Platz, die Luft wird zusätzlich dünner, als Wyss auf die Strafbank muss. Doch eine Minute vor Schluss trifft Schirjajew ins leere Tor.

Cédric Hüsler geht dorthin, wo es wehtut.

Cédric Hüsler geht dorthin, wo es wehtut.

Marc Schumacher / freshfocus

Die Schlüsselszene

Drei Geschenke serviert der EHC Olten seinem Gast, der EHC Kloten weiss sie eiskalt anzunehmen. Drei individuelle Fehler in der Defensive, drei Gegentore. Doch die Oltner - und das ist der grosse Schlüsselmoment des Spiels 4 - lassen sich dadurch nicht verunsichern, glauben an sich und powern weiter mit Playoffeishockey. Die Belohung: Der erste Sieg im vierten Halbfinal-Duell.

Die drei Besten

1. Cédric Hüsler: Der Comeback-Mann, der erstmals seit seinem Wadenbeinbruch am 23. Dezember 2020 wieder mitdabei ist. Sein spielerischer Einfluss bleibt nach fast viermonatiger Absenz überschaubar, doch er sorgt für die Emotionen, macht die Checks fertig, bittet zum Trashtalk. Das ist die Basis zum Sieg!

2. Philipp Rytz: Sein Saisonende wurde bereits verkündet, dann steht er überraschenderweise doch wieder auf dem Eis. Auch er geht den Gegnern mächtig unter die Haut, holt sich mit kernigen Checks

3. Esbjörn Fogstad Vold: Endlich! Ja, endlich gelingt ihm der lang ersehnte Treffer. Schon über die ganze Serie ist er mit seinem Sturmkollege Fuhrer ein Aktivposten, in Spiel drei verpasst er zwei hochkarätige Chancen. Doch nun, im vierten Spiel, trifft er und gibt seine Freude mit einem lauten Schrei durch die Halle kund.

EHC Olten - EHC Kloten 6:3 (2:3, 2:0, 2:0)

Kleinholz. – Keine Zuschauer. – SR: Eichmann/Staudenmann (Micheli/Stalder). – Tore: 5. Nunn (Lüthi/Ausschluss Faille) 1:0. 10. Forget (Figren) 1:1. 16. Figren (Kellenberger/Ausschluss Forget!) 1:2. 17. Fogstad Vold (Schwab) 2:2. 19. Kellenberger (Spiller) 2:3. 24. Knelsen (Elsener) 3:3. 31. Fuhrer (Fogstad Vold) 4:3. 43. Horansky (Nunn, Philipp Rytz) 5:3. 59. Schirjajew (Horansky, Weisskopf/Ausschluss Wyss!, Kloten ohne Goalie) 6:3. – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Olten. 8-mal 2 plus 5 Minuten plus Spieldauer-Disziplinarstrafe (Faille) gegen Kloten.

Olten: Simon Rytz; Suleski, Lüthi; Elsener, Philipp Rytz; Weisskopf, Maurer; Gurtner, Nater; Horansky, Knelsen, Nunn; Hüsler, Schirjajew, Wyss; Weder, Schwab, Oehen; Schwab, Fuhrer, Fogstad Vold.

Kloten: Nyffeler; Kindschi, Ganz; Bartholet, Gähler; Seiler, Oejdemark; Back, Steiner; Altorfer, Marchon, Obrist; Figren, Faille, Forget; Meyer, Kellenberger, Spiller; Knellwolf, Füglister, Leone.

Bemerkungen: Olten ohne Rexha (verletzt), Stämpfli, Halberstadt (beide nicht spielberechtigt) sowie Portmann, Daneel und Heughebaert(alle überzählig). Kloten ohne Simek (verletzt), Kälin, Brace, Guntern, Staiger, Gian Janett (alle überzählig) und Truttmann (abwesend). 9. Lattenschuss Elsener. 36. Lattenschuss Oehen. 45. Figren verschiesst Penalty. – 57. Timeout Kloten, ab 56:37 bis 58:49 ohne Goalie.