Beginnen wir mit der Frage, die sich am meisten aufdrängt: Wer hat sich gestern im Training verletzt?

Chris Bartolone: «Oh mein Gott, das beginnt ja gut! (lacht laut) Eigentlich ist das Thema alles andere als lustig. . .»

In der Tat! Bereits in der zweiten Playoff-Woche fehlen dem EHC Olten mit Schirjajew, Horansky und Truttmann drei Schlüsselspieler. Sind die Ausfälle auf lange Sicht zu kompensieren?

«Schauen Sie: Das «Olten Hockey» ist physisch und schnell. Wir spielen kein Ping Pong! Und darum müssen wir auch in den Trainings an unsere Grenzen gehen. Wer das nicht tut, wird in den Spielen nicht bereit sein. Verletzungen können immer passieren. Wir sind nicht die einzigen, die leiden. Entscheidend ist etwas anderes.»

Nämlich?

«Jeder in dieser Garderobe hat einen tollen Charakter! Und eines zeichnet uns besonders aus: Egal wer einspringt, macht einen super Job. Wir sind als Team zusammengerückt, es ist völlig egal, wer skort, nur die Atmosphäre ist entscheidend. Und die ist super.»

Drei Spiele, drei Siege – warum läuft es dem EHC Olten im Playoff bis anhin so gut?

«Der erwähnte Zusammenhalt ist ein Grund. Die Torhüterleistungen ein anderer. Und vielleicht auch, dass wir daran festhalten, wie wir mit unseren Emotionen umgehen.»

Was genau meinen Sie damit?

«Egal, was gerade passiert auf dem Eis, wir werden es niemals überhöhen. Nach einem Tor oder einem Sieg denken wir nicht gerade an den Titel. Und nach einem Fehler geht auch nicht die ganze Welt unter.»

Die späte Wende am Mittwochabend in Spiel drei mit dem Ausgleich zwölf Sekunden vor Schluss und dem Overtime-Tor war bis anhin das emotionale Highlight für die Fans. Hätten Sie 20 Sekunden vor dem Ende noch an eine solche Dramaturgie geglaubt?

Ja, das hätte ich.

Soll ich Ihnen das wirklich glauben?

«20 Sekunden tönt nach wenig. Aber eigentlich ist das viel Zeit. Sogar wenn der Schuss von Silvan Wyss nicht ins Tor gegangen wäre, hätten wir noch Zeit für einen letzten Versuch gehabt. Klar, so ein spätes Tor gelingt vielleicht in einem von zehn Fällen.»

Nun übertreiben Sie ein wenig! Vielleicht in einem von 100 Fällen.

«Ok, akzeptiert (lacht). Aber man muss als Trainer sowieso immer an alles glauben.»

Welches der drei Spiele hat Ihnen als Trainer bis anhin am besten gefallen?

«Das dritte! Ganz einfach, weil ich am meisten involviert und gefordert war. Es gab unplanmässige Verletzungen, ich musste reagieren, immer wieder neue Kombinationen kreieren, später ein Timeout nehmen, unseren Torhüter ersetzen – so involviert in ein Spiel bin ich selten. Das hat auch Spass gemacht.»

Nun steht es in der Serie gegen Visp 3:0 – ist die Entscheidung schon gefallen?
«Wenn ich das Video anschaue, dann fällt schon auf, dass sie nach unserem Overtime-Treffer ziemlich geknickt waren. Es ist nicht einfach, so ein Erlebnis zu verarbeiten. Wir dürfen ihnen auf keinen Fall neues Leben einhauchen. Je schneller die Serie zu Ende ist, desto besser. Und trotzdem: Ich denke, es ist noch ein weiter Weg.»