Solothurner 2. Liga
Noch einmal den Pokal stemmen vor dem Karriereende

Am Sonntag beginnt die neue Saison in der Solothurner 2. Liga. Der FC Härkingen gastiert zum Auftakt beim FC Wangen bei Olten. Verteidiger Raphael Büttiker spielt bereits seit mehr als zehn Jahren in der ersten Mannschaft des FC Härkingen und hat schon alles erlebt.

Raphael Wermelinger
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Raphael Büttiker (hintere Reihe, 3.v.l.) und seine Kollegen haben die Top 5 ins Visier genommen.

Raphael Büttiker (hintere Reihe, 3.v.l.) und seine Kollegen haben die Top 5 ins Visier genommen.

Patrick Lüthy

Er hat mit dem FC Härkingen schon alles erlebt, was einem Regionalfussballer während der Laufbahn widerfahren kann. Gleich zu Beginn seiner Aktivkarriere gewann er das Double – Solothurner Cupsieger, 2.-Liga-Meister und Aufstieg in die 2. Liga inter. 2010 folgte der Wiederabstieg in die höchste Regionalliga, ein Jahr später sogar der Fall in die 3. Liga. 2012 ging es wieder aufwärts. Der FC Härkingen gewann die Meisterschaft der 3. Liga und kehrte ins Oberhaus zurück. Insgesamt elf Saisons absolvierte er mittlerweile in der 2. Liga. Zweimal gewann der den Solothurner Cup – 2009 in Subingen gegen Fulenbach mit 3:0 und 2015 in Kestenholz mit 4:1 gegen den FC Bellach.

«Beim ersten Cupsieg war ich sehr jung, erst den zweiten habe ich dann richtig mitbekommen», blickt Raphael Büttiker zurück. Die Erinnerungen an den Fanmarsch des Härkinger Anhangs nach Kestenholz und an den Cupfinal selbst sind noch deutlich präsent. «Wir zeigten eine starke Leistung auf dem Platz und haben nach dem Sieg auch beim Feiern Vollgas gegeben», sagt er und muss lachen. «Ich wusste damals nicht mehr, wie ich nach Hause kam.» Richtige Tiefpunkte habe er bisher keine erlebt mit dem FC Härkingen. Auch der kurzzeitige Fall in die 3. Liga sei kein Untergang gewesen. So durfte er immerhin auch die spezielle Atmosphäre der Aufstiegsspiele einmal miterleben.

Mit Jahrgang 1991 ist Raphael Büttiker knapp der älteste Spieler im Kader des FC Härkingen – Mario Stecher ist 15 Tage jünger. Und keiner seiner Teamkollegen hat nur annähernd so viele Spielzeiten auf dem Buckel. «In der vergangenen Saison habe ich erst so richtig realisiert, dass ich jetzt zu den Ältesten gehöre. Wahrscheinlich wollte ich es lange Zeit gar nicht wahrhaben», sagt er. «Es ist ein komisches Gefühl, weil ich schon sehr früh in die erste Mannschaft kam und einige Jahre lang der Jüngste, oder zumindest einer der Jüngeren, war.» Den Anschluss verloren an die neue Generation habe er aber nicht. Dabei helfen ihm auch seine beiden Cousins Jan und Tim Büttiker, die ebenfalls schon längere Zeit Teil des Härkinger Fanionteams sind.

«Als junger Spieler schaute ich zu den Älteren hoch, denen ich nacheiferte. Jetzt sollte ich ein Vorbild sein, meinen Mitspielern vorangehen und sie mitreissen», antwortet Büttiker auf die Frage, wie sich seine Rolle im Team verändert hat. Komplett anders sei heute das Kabinenleben. «Früher hat man vor den Spielen gemeinsam Musik gehört, war ruhig und konzentriert», schildert er. «Heute hört jeder seine eigene Musik, jeder läuft umher und im Raum nebenan wird noch massiert. Nach den Spielen kommt es schon immer noch vor, dass wir zusammen in der Garderobe sitzen und ein, zwei Bierchen trinken, früher waren es eher drei oder vier.»

Die vergangene Saison 2019/20 bescherte Härkingen allerdings wenig Grund zum Feiern – 8. Platz nach der Vorrunde. Damit ist Büttiker nicht wirklich zufrieden, er findet aber, dass das Team unter seinem Wert klassiert war. «Wir haben uns teilweise etwas dumm angestellt und unglücklich Punkte verloren, obwohl wir nicht das schlechtere Team waren», führt er aus. «Auf die Rückrunde hin wollten wir vor allem unsere Defensive stabilisieren. Am Abwehrverhalten haben wir auch während der Zwangspause viel gearbeitet.» In der anstehenden Saison peilt der FC Härkingen im Minimum den fünften Schlussrang an. Als härteste Brocken stuft Büttiker die FC Olten, FC Iliria, FC Bellach oder auch den FC Mümliswil ein – es gebe heuer einige Kandidaten für die Spitzenplätze.
Der Innenverteidiger spielt seit mehr als einer Dekade vorwiegend in der 2. Liga. Diese sei heute viel mehr durch die Technik geprägt als früher. «Auch das Tempo ist deutlich höher», ergänzt er. «Früher waren die Spiele kampfbetonter und gerade auch der FC Härkingen stand für einen simplen Fussball: lange Bälle und seckle, ­seckle, seckle.» Liegt ihm der modernere Fussball? «Mir liegt die Innenverteidigung», antwortet er lachend. «Dafür brauche ich keine grossartige Technik, solange ich den Gegner abmelden und gescheite Bälle hinten rausspiele. Wenn das mal nicht mehr reicht, sagt es mir hoffentlich der Trainer und dann höre ich auf.»

Der frischgebackene Vater sieht sein Karriereende allmählich am Horizont auftauchen. «Jetzt, da ich eine Familie habe, schaue ich die Dinge nochmals etwas anders an und geniesse die Zeit zu Hause immer mehr.» Doch bevor sich Raphael Büttiker in Richtung zweite Mannschaft oder Senioren verabschiedet – oder sich gänzlich vom Fussball verabschiedet und wieder mehr Zeit auf dem Tennisplatz verbringt – verfolgt der Bayern-München-Fan, der bei der Jomos Brandschutz AG als Techniker arbeitet, noch ein grosses Ziel: «Ich möchte unbedingt noch einmal den Solothurner Cup gewinnen.»

Kader FC Härkingen

Trainer: Roger Stöckli
Assistent: Steven Schuler

Tor: Marco Bättig (95), Simon Morgenthaler (97).
Abwehr: Raphael Büttiker (91), Marco Heim (95), Tobias Heutschi (99), Manuel Müller (98), Manuel Nünlist (92), Lino Schmidt (97), Mario Stecher (91), Marco von Arx (94), Niklaus Wermuth (98).
Mittelfeld: Jan Büttiker (94), Sandro Gasser (96), Jan Marti (01), Loris Micelli (98), Marco Nünlist (95), Ralf Wyss (99).
Angriff: Tim Büttiker (98), Silvan Gasser (92), Sacha Kissling (99), Silvan Oeggerli (96), Yanick Oumaray (95), Chris Rauber (99), Joel Rietschin (98).

Zuzüge: Kissling (FC Kestenholz).
Abgänge: Kilian Näf (FC Wangen bei Olten).

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