Hornussen
Nach dem Eidgenössischen sind die Höchstetter im «Höch»

Sieg mit der Mannschaft und Dreifach-Triumph im Schlägerkönig- und Einzel-Festsieger-Wettbewerb – die HG Höchstetten feiert am Eidgenössischen in Limpach den totalen Triumph.

Michael Schenk
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Schlägerkönig Simon Erni von der HG Höchstetten feierte seinen Festsieg.

Schlägerkönig Simon Erni von der HG Höchstetten feierte seinen Festsieg.

Marcel Bieri

Nur wenige Meter vom Schwingerdorf Alchenstorf, der Heimat von König Sempach und alt König Käser, liegt das Bauerndorf Höchstetten. Der Gasthof Kreuz direkt an der alten Zürich-Bern-Strasse ist die populärste Adresse der 280-Seelen-Gemeinde, in deren Nachbarschaft drei Höfe auf Solothurner Boden liegen. Wie Wimbledon im Tennis oder Aachen im Reitsport ist Höchstetten aktuell das Mekka seiner Zunft – in dem Fall der Hornusser.

Die Krone für den König

«Es ist einfach unglaublich – ich kann es noch gar nicht fassen», stammelt der 23-jährige Simon Erni. Soeben ist der Sanitär-Installateur, der vor zwei Jahren aus Gondiswil in die «Stratosphären-Pingpong-Hochburg» wechselte, Schlägerkönig 2015 geworden. Nur wenige Stunden zuvor hatte er sich den Festsieg mit der Gesellschaft gesichert. Den ersten für die Schweizer Meister von 2013 und 2014. «Dabei bin ich eigentlich immer nervös – aber diesmal lief es wie von allein», strahlte der Sieger mit der Sonne um die Wette.

Und Letztere knallte vom Himmel, dass selbst die Maulwürfe im Boden einen «Brönner» abkriegten. Mit einem famosen Schnitt von 23,8 Punkten – was einer Schlagweite von über 330 m pro Streich entspricht – deklassierte Erni im Königsausstich die Konkurrenz. Die Rivalen, die da vorab aus Teamkollegen bestanden. Auf dem zweiten Platz landete Jan Kindler, der Einzelsieger aus dem Teamwettkampf (Festsieger), – und auf Platz drei kam Michael Kummer, der Captain der Höchstettener NLA-Equipe.

Schon in Windeln am Bock

Simon Erni, der wie Bruder Jörg berichtet, wie jener selbst und ihre Schwester «schon in Windeln am Bock standen», zählte zum erweiterten Favoritenkreis im Kampf um die Schlägerkrone. In der Meisterschaft, welche die Oberaargauer heuer infolge einer Nummer im Wasen «nur» auf Platz zwei beendeten, kam der kräftige Weitschläger bei 60 Streichen auf einen Schnitt von 318 m (21,8). Einen Meter weniger als Teamkollege Stefan Studer.

Der Topfavorit fiel in Limpach indes nach einem 1er am ersten Tag punkto Goldkranz und Königskrone ausser Rang und Traktanden. «Wir haben fünf, sechs Spieler, die sofort in der Lage sind, in die Bresche zu springen», sagt Jan Kindler. Der 27-Jährige war über die acht Streiche, die fürs Mannschaftsklassement zählen – der Schlägerkönigs-Ausstich ist ein Wettkampf für sich – der Beste. 184 totalisierte der Elektromonteur aus Kirchberg, was einem 23er-Durchschnitt entspricht.

Auf den Plätzen zwei und drei finden sich Michael Kummer und Simon Erni. Das genau gleiche Trio also wie in der Königs-Konkurrenz – allein mit unterschiedlicher Positionierung.

Dass er das Double verpasste, ärgert Jan Kindler nicht wirklich: «Natürlich wäre es schön gewesen, aber ich mag es meinem Teamkollegen gönnen.» Bei ihm sei die Anspannung nach dem Festsieg «vielleicht ein bisschen draussen gewesen.» Gegen einen Simon Erni, der mit drei 25er-Streichen zum Auftakt der Königskonkurrenz förmlich über sich hinauswuchs, war dieses «Bisschen» ein bisschen zu viel.

Besser gehts nicht

«Ich wollte mehr, wollte auch einmal Schweizer Meister werden», sagt Kindler zu seinem Wechsel von der HG Burgdorf zu Höchstetten anno 2012. Burgdorf, wo übrigens der Eidgenössische Hornusserverband 1901 im Schützenhaus gegründet wurde, spielten damals in der NLB mit Tendenz nach unten. Inzwischen ist Kindler schon zweifacher Meister und seit neustem eben auch Goldkranz- und 1.-Trinkhorn-Gewinner mit der Equipe am Eidgenössischen.

«Der Sieg mit der Gesellschaft steht für mich immer vor dem Abschneiden im Einzel», betont Kindler. Und weil es in Limpach der erste Triumph der HG Höchstetten in höchster hornusserischer Sphäre war, ist «dieser Sieg noch ein ‹bitzeli› schöner als er es eh schon ist.» Ein Tag voller Glanz und Gloria also für die HG Höchstetten und die Mannen, die den neuen Weltmeister in ihrer Sportart würdig repräsentieren.

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