Der Flyer ist gedruckt, das Angebot den Fans schmackhaft gemacht: Nur wenige Stunden, nachdem der sportliche Aufstieg in die Swiss League Tatsache geworden war, preist der HC Sierre die Abonnemente der Saison 19/20 an: Sitzplatz für 700 Franken, Stehplatz für 400 Franken. Ein zeitnahes Zugreifen wird den Fans angeraten. Denn im Gegensatz zu den aktuellen Swiss-League-Farmteams Ticino Rockets, GCK Lions oder EVZ Academy, darf der traditionsreiche HC Sierre auf ein überaus begeisterungsfähiges Umfeld zählen. Die wilden Fans sind auch nach dem finanziellen Untergang geblieben.

Der Flyer des HC Sierre

Der Flyer des HC Sierre

Nicht weniger als 4500 Zuschauer wurden in der altehrwürdigen, restlos ausverkauften Grabenhalle Zeuge des MySports-League-Meistertitels. Gegen Valais Chablais kam der HC Sierre im entscheidenden fünften Playoffspiel zu einem 4:3-Sieg nach Penaltyschiessen und sicherte sich damit den sportlichen Aufstieg. Sierre rettete sich nach einem 1:3-Rückstand dank zwei Toren in den letzten fünf Spielminuten in die Verlängerung. Den Ausgleich erzielte Siders 38 Sekunden vor Spielende, den Torhüter längst durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzt.

Valais Chablais stand dann in der Verlängerung trotz Auferstehung von Sierre dem Siegtreffer nahe. Doch im Penaltyschiessen hatten die beiden fleissigsten Sierre-Skorer Rémy Rimann und Auguste Impose die Nerven behalten, während Valais nur einmal traf.

Die Reaktion von Sierre-Torhüter Remo Giovannini nach dem letzten Penalty

HC Sierre, das Farmteam

Vom ehemaligen HC Sierre ist nicht mehr viel geblieben. In Tat und Wahrheit ist das heutige Siders nicht mehr als das Farmteam des National-League-Klubs Servette-Genf, das seit dem Konkurs von Red Ice Martigny 2017 eine kooperative Organisation fehlte. Mit den bekannten Swiss-League-Farmteams hat Sierre aber nicht viel gemeinsam. Der sportliche Anspruch dürfte im Wallis – nicht zuletzt wegen des euphorischen Publikums im Rücken – nicht mit jenem der Ticino Rockets zu vergleichen sein. Sierre soll in der Swiss League nicht Kanonenfutter sein. Dafür hat sich auch Servette-Manager Chris McSorley höchst persönlich eingesetzt. Auf Geheiss des Kanadiers wurde in Siders sein Kollege Dany Gelinas als Cheftrainer installiert. Gelinas hat es im Blut, mit jungen, wilden Spielern zu arbeiten. Nebst unzähligen Juniorenteams coachte er einst auch Lausanne, Ajoie und Basel.

Auch im erfolgreichen MySports-League-Kader floss viel Servette-Blut: 38 Spieler zählte die ungemein breite Mannschaft von Sierre, davon waren nicht weniger als 19 Spieler von den Genfern ausgeliehen. McSorley sagte bereits vor dem entscheidenden fünften Finalspiel: «Kaderbreite ist alles. Ambri, Lugano, Zürich und Zug verfügen über Farmteams, ihr Vorteil ist immens. Es liegt uns viel daran, dass Siders aufsteigt.»

Und dennoch gibt es insbesondere drei Figuren, die für den Aufstieg Sierres stehen: Torhüter Remo Giovannini (27-jährig, 2,02 Gegentore/Playoff-Spiel) sowie die Stürmer Auguste Impose (21-jähriges Talent, 1,64 Skorerpunkte/Playoff-Spiel!), Rémy Rimann (30-jährig, 1,63m klein, 1,09 Skorerpunkte/Playoff-Spiel!). Sie alle verfügen bereits über Swiss-League-Erfahrung und dürften entsprechend im zukünftigen Sierre-Kader eine Rolle spielen.

Im Bild: Romano Pargätzi, Sandro Tschuor, Marco Truttmann

Unvergesslich: Der EHC Olten fertigt Sierre im Jahr 2012, vor dem finanziellen Untergang der Walliser, mit 13:0 ab

Im Bild: Romano Pargätzi, Sandro Tschuor, Marco Truttmann

Neue Verwaltungsräte

Sierre hat es also geschafft! Auf die Vereinsverantwortlichen wartet nun viel Arbeit neben dem Eis, um im September gerüstet in die Swiss-League-Saison zu starten. Am Montag gab der Verein bekannt, dass der Verwaltungsrat mit vier neuen Mitgliedern aufgerüstet wird. Es handelt sich dabei um Versicherungsberater Julien Rey (31), Olivier Hugo (47), Finanzdirektor & IT, Architekt Claude Fabrizzi (43) und Ingenieur Pierre Favre (41). Dem Klub steht ein heisser Sommer bevor – nicht nur wegen der zahlreichen Saisonabo-Anfragen.