Es waren schwierige Momente in der Oltner «Schützi». Auf der Grossleinwand lief im Rahmen der Saisonabschlussparty des EHC Olten die Live-Übertragung des Ligaquali-Spiels zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem EHC Kloten. Die Rapperswiler, der Oltner Gegner im Swiss-League-Playoff-Final, gewannen 4:0 und sind somit nur noch zwei Siege vom Aufstieg entfernt.

Als man also die Lakers-Spieler auf der Grossleinwand jubeln sah, da kam bei so manchem EHCO-Fan, aber auch bei den anwesenden Spielern, Wehmut auf. Dieses: «Was-wäre-wenn-wir-jetzt-in-der-Situation-der-Rapperswiler-wären-Gefühl». Dort auf dem grossen Bildschirm waren Szenen zu sehen, von welchen man in Olten träumt. Und welche man unbedingt auch in näherer Zukunft erleben möchte.

Dabei sollte man sich genau den Klub, der jetzt heftig an die Tür zur National League klopft, als Vorbild nehmen: die Rapperswil-Jona Lakers. Die St. Galler haben ihre Rückkehr ins Oberhaus – so sie denn letztlich gelingt – von langer Hand geplant. Und sie mussten dabei viel Geduld beweisen. Sie scheiterten bekanntlich zweimal im Playoff-Final, ehe sie den Titel im dritten Anlauf holten und jetzt auf bestem Weg sind, den ersehnten Aufstieg zu schaffen.

Zwei Personalentscheide, die nicht frei von Risiken sind

Auch in diesem Kontext sind deshalb die personellen Entscheide, die man beim EHC Olten in der Woche nach dem letzten Saisonspiel fällte, wegweisend. Die beiden wichtigsten Personalien betrafen den Trainer und den Sportchef. Seit Samstag ist klar, wie es in dieser Beziehung weitergehen wird.

Chris Bartolone, der nach der Freistellung von Bengt-Ake Gustafsson Anfang Februar zum Headcoach befördert worden war, wird mindestens eine weitere Saison Chef hinter der Bande bleiben.

Marc Grieder, der seine Karriere als Spieler wegen einer schweren Knieverletzung sowieso beenden musste, wird den seit der Entlassung von Köbi Kölliker im Februar des vergangenen Jahres vakanten Posten des Sportchefs übernehmen. Beide Entscheide sind nicht frei von Risiken. Aber es sind letztlich die richtigen. Weil sie im Zeichen der Kontinuität und der langfristigen Planung stehen.

Marc Grieder

Marc Grieder

Zu Chris Bartolone: Es wurde an dieser Stelle schon einmal geschrieben, dass man das, was er mit dieser Mannschaft, mit einer schwierigen Ausgangslage, innert kürzester Frist herausgeholt hat, nicht hoch genug einschätzen kann.

Alles andere als eine Verlängerung des Arbeitsverhältnisses wäre unverständlich gewesen. Natürlich gibt es auch hier Risikofaktoren. Zum Beispiel den, dass Bartolone noch nie eine ganze Saison lang – inklusive Vorbereitung – die Hauptverantwortung für eine Mannschaft getragen hat.

Als er den Job von seinem Vorgänger Bengt-Ake Gustafsson übernahm, hatte Chris Bartolone im Prinzip nichts zu verlieren. Weil die Erwartungshaltung gegenüber der Mannschaft nach dem verkorksten, letzten Qualifikationsdrittel gegen null tendierte. Jetzt ist die Ausgangslage eine andere: Die erfolgreichen Playoffs haben Lust auf mehr gemacht.

Die Messlatte liegt deutlich höher. Aber Bartolone ist Realist genug und sich vollauf bewusst, dass nicht immer alles rosig sein wird. Er weiss, wie das Geschäft läuft. Aber er weiss auch, wie er seine Spieler anpacken muss, damit die Leistungen gerade während der langen und bisweilen unattraktiven Qualifikation konstanter und auf hohem Niveau bleiben.

Gut ist auch, dass Chris Bartolone neu einen Sportchef im Rücken hat, der frühzeitig ungute Entwicklungen beobachten und bei Bedarf eingreifen kann. Marc Grieder ist diesbezüglich der ideale Mann. Weil er bis vor kurzem noch Teil dieser Mannschaft war und ihr Innenleben, ihre Stärken und Schwächen genauestens kennt. Deshalb macht diese Besetzung eines Postens, der seit über ein Jahr eine Grossbaustelle beim EHC Olten war, absolut Sinn.

Skeptiker mögen einwerfen, dass Marc Grieder keinerlei Erfahrung hat als Sportchef und deshalb das Risiko einer Fehlbesetzung gross ist. Dass er ins kalte Wasser geworfen wird, dessen ist sich der in Olten geborene, im Baselbiet aufgewachsene und mittlerweile wieder in Olten wohnhafte, 33-Jährige bewusst. Auch, dass er viel lernen muss.

Aber Grieder bringt eben auch sehr gute Voraussetzungen mit: Er war 16 Jahre lang Profi in den höchsten beiden Ligen und kennt das Geschäft aus dem Effeff. Er weiss, wie Spieler, Trainer und Agenten ticken. Er weiss, wie schnell Emotionen eine ungute Dynamik auslösen können. Besonders in einer eishockey-verrückten Stadt wie Olten, wo Anspruch und Realität gerne mal auseinanderklaffen.

Sentimentalitäten nur noch in einer Nebenrolle

Das wichtigste Gut wird beim EHC Olten in den kommenden Monaten (und Jahren!) sowieso eines sein: die Geduld. Der eingeschlagene Weg muss fortgesetzt werden. Die Rapperswiler haben bewiesen, wie es geht. Kontinuierlich nach oben. Dass dabei auch mal unpopuläre Entscheide gefällt werden müssen, liegt auf der Hand.

Klar schmerzen die Abgänge von langjährigen, verdienten und deshalb sehr populären Spielern wie Remo Hirt oder Cyrill Aeschlimann. Als ambitionierter Klub mit klar definiertem Ziel dürfen Sentimentalitäten und Emotionen gerade punkto Personalplanung aber nur noch eine Nebenrolle spielen.

Wohin die Reise des EHC Olten letztlich führen wird, ist offen. Die letzte Saison hat gezeigt, wie schnell sich Licht und Schatten abwechseln können. Aber die Voraussetzungen, dass diese Reise etwas entspannter verlaufen wird, sind gut. Und im optimalen Fall ist es der EHCO, der im kommenden April irgendwo auf einer Grossleinwand zu sehen ist. Und für Seelenschmerz sorgt.