Swiss League

Mehr als bloss die Nummer 2: EHCO-Torhüter Silas Matthys über sein Hoch

EHCO-Torhüter Silas Matthys stoppt SCL-Topskorer Andrew Clark.

EHCO-Torhüter Silas Matthys stoppt SCL-Topskorer Andrew Clark.

Torhüter Silas Matthys, 27, hat die härtesten Seiten des Eishockey-Business erlebt – nun ist er die grosse Überraschung beim EHC Olten.

Als Silas Matthys im Frühling zum EHC Olten stiess, da war seine Rolle eigentlich in Stein gemeisselt. Ziemlich unverblümt wurde er als klare Nummer zwei vorgestellt, als Ersatztorhüter, der hinter dem erfahrenen 36-jährigen Simon Rytz mehr sporadisch als regelmässig zum Einsatz kommen soll.

Einerseits habe ihn das schon ein wenig enttäuscht, denn Hockey spielen, das könne auch er. «Andererseits war es eine optimale Ausgangslage, hierhin zu kommen und ohne, wirklich ohne Druck, aufspielen zu können», sagt Silas Matthys rückblickend.

22 Qualifikationsspiele später, wovon 10 im Einsatz, lässt sich sagen: Silas Matthys hat seine Chance genutzt und ist über die Rolle als Backup hinausgewachsen. Die logische Folge: Zur Halbzeit der Qualifikation erhält er in diesen Tagen von dieser Zeitung die Note 6.

Mit einer Fangquote von 93,7 Prozent ist Matthys der statistisch beste Torhüter der Swiss League (Schnitt: 90,2%). Und wer in der Statistik noch tiefer gräbt, findet heraus, dass Matthys bei gleicher Anzahl qualitativer Schüsse zehn Tore weniger erhält als der Durchschnitts-Torhüter in der Liga.

Matthys sorgt auch mit spektakulären Paraden immer wieder für Furore, so etwa im TV-Spiel gegen Langenthal, in dem er mit einer Hechtrolle den Schuss von SCL-Christen mirakulös übers Tor abwehrte. Das Video der Parade findet sogar den Weg bis zu seinem Ex-Klub in Kanada.

Trinity feiert die Hechtrolle-Parade von EHCO-Torhüter Silas Matthys

Seine ersten zehn Spiele beim EHC Olten seien in der Tat «ideal» verlaufen, bilanziert der 27-Jährige. «Natürlich war das Glück auch auf meiner Seite, aber im Grossen und Ganzen ist es natürlich schön, so, wie es bislang lief», sagt Matthys ganz bodenständig, der lieber die Blumen an seine Teamkollegen weiterreicht, die defensiv «solide» auftreten würden, womit er sich voll und ganz auf seinen Job konzentrieren könne.

Mit Matthys’ starken Leistungen ist auch der interne Konkurrenzkampf grösser geworden. Die unlängst angestrebte 2-Spiele-Rochade erachtet Matthys, der das Team gegen die GCK Lions und Winterthur wohl von der Bank aus unterstützen wird, als positiv.

Simon Rytz und er würden sich viel austauschen und sich blendend verstehen, auch wenn sie sich stark unterscheiden würden. Während Rytz «ein grosser Tüftler» sei, sei er froh und beruhigt, wenn alles in geregelten Bahnen verlaufe. «Ich kann viel von seiner Erfahrung profitieren. Und Simon ist ein extrem positiver, ehrgeiziger und teamorientierter Typ. Ich denke, wir unterstützen uns sehr gut.»

Eine hockeyverrückte Familie

Silas Matthys ist in einer hockeyverrückten Familie, wie sie im Bilderbuch steht, aufgewachsen. Seine zwei Schwestern Seraina, 28, und Andrina, 24, spielen auf dritthöchster Frauen-Stufe beim HC Wisle, während Bruder Donat, 20, derzeit in Kanada seinen College-Traum erfüllt. Und erst vor einem Jahr beendete Vater Christian seine mehrjährige Tätigkeit als Torhütertrainer beim EHC Winterthur.

Silas Matthys durchlief bei den Rapperswil-Jona Lakers die Juniorenstufen, nur der Sprung in die erste Mannschaft wollte nie gelingen. Er entschloss sich im Alter von 20 Jahren dazu, in die NLB zum HC Sierre zu wechseln. Es ist jene turbulente Saison 12/13, in welcher sich der Walliser Verein aus der Liga verabschieden sollte. Matthys lernt hautnah die härtesten Seiten des Geschäfts kennen. «Eine verrückte Zeit, die kaum in Worte zu fassen ist. Am Ende stand ich mit abgesägten Hosen da.»

Matthys wechselt in Kanadas College-Liga BCIHL zur Trinity Western University und vereint während fünf Saisons das Eishockey mit der Ausbildung in Wirtschaft, schliesst den Bachelor ab und peilt derzeit via Online-Studium den Masterabschluss an. Es war eine Zeit, die er als Mensch und Spieler nicht missen möchte. «Ich kann es nur jedem empfehlen, der in eine ähnliche Situation kommt.»

Im Frühling 2018 wechselte Matthys zu den Ticino Rockets. Trotz 4,8 Gegentoren pro Spiel war sein Talent offensichtlich, sodass er hin und wieder mit «Grande Lugano» mitreisen durfte. Das seien schöne Erfahrungen gewesen. «Aber im Alltag in Biasca geht man viel unten durch.» Es werde zwar sehr hart trainiert, «aber wenn keine Resultate herausschauen, wirds mental schwierig.» Immerhin: «Es war eine gute Erfahrung, denn jegliche Defizite werden dir gnadenlos aufgezeigt.»

Ende Saison laufen die Verträge bei Rytz und Matthys aus. Noch ist ihre Zukunft offen. Eine zentrale Frage dabei lautet: Könnte Silas Matthys auch dann seine Leistungen liefern, wenn er allenfalls als Nummer eins in eine Saison ginge?

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